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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Vornehme Kaufzurückhaltung"




14.03.19 07:53
Redaktion boerse-frankfurt.de


Auf die guten Nachrichten vor allem seitens der Zinsen reagieren mittelfristig orientierte Anleger verhalten. In der Summe ist das diesmal kein so gutes Zeichen für heutige Optimisten. Zusammenfassung 

Trotz guter Nachrichten reagieren hiesige Anleger verhalten. Von den professionellen Investoren hat nur ein kleiner Teil Aktien gekauft und noch weniger auf der Short-Seite Gewinne mitgenommen - der DAX ist seit vergangenen Mittwoch um 90 Punkte gefallen. Das hebt den Sentiment-Index dieser Anlegergruppe leicht um 7 Punkte exakt auf die Nulllinie zwischen Optimismus und Pessimismus. 

Von den privaten Anlegern setzen jetzt 5 Prozent zusätzlich auf fallende Preise, was beide Sentiment-Indizes wieder näher zueinander bringt, denn der der Privatanleger steht jetzt bei +5 Punkten. Für Joachim Goldberg hat sich die Gefahr eines Short-Squeeze etwas gemildert, was für die Bullen ja eher eine schlechte Nachricht ist. Unterstützung sieht der Verhaltensökonom nach unten bei 11.400 DAX-Punkten, anfeuernde Käufe ab 11.700 Punkte.

13. März 2019. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Eigentlich ist seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung eine Menge passiert. So hat etwa die Europäische Zentralbank bei ihrer Sitzung am vergangenen Donnerstag ihre Wachstums- und Inflationsprognosen für die Eurozone teils deutlich gesenkt. Und was für Börsianer nicht ganz unwichtig ist: Die EZB hat unter anderem den Zeitpunkt für eine erste Leitzinserhöhung weiter in die Zukunft verschoben: Diese wird nicht vor Ende dieses Jahres erfolgen. Mit anderen Worten: Die EZB hat auf die drohende Wachstumsschwäche der Eurozone überraschend schnell reagiert. 

Nicht zuletzt deswegen blieben die Kurskorrekturen beim DAX auf 1,6 Prozent begrenzt und machten kurz vor der von uns avisierten Nachfragezone zwischen 11.350 und 11.400 DAX-Zählern Halt. Zumal es auch hinsichtlich der US-Leitzinsen für die kommenden Monate keinerlei Fantasie für Zinserhöhungen gibt - die Fed zeigt sich explizit geduldig. Dass seit vergangenem Mittwoch die Handelsgespräche zwischen den USA und China ins Stocken geraten sind und gestern die britische Premierministerin Theresa May im Unterhaus eine neue Abstimmungsniederlage einstecken musste, haben die Aktienmärkte trotz des bislang ungelösten Knotens im Brexit-Drama recht gut verkraftet.

Vielleicht mag es den politischen Risiken geschuldet sein, dass sich die von uns wöchentlich befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren in Sachen Kaufinteresse relativ zurückhaltend zeigten. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist lediglich um 7 Punkte bis zur neutralen Nulllinie gestiegen. Dabei zeigt die überschaubare Wanderung in Richtung Bullenlager, dass nur ein kleiner Teil der ehemaligen DAX-Bären Gewinne eingestrichen und sich sofort auf die Bullen Seite geschlagen hat. Bei den übrigen Pessimisten hat die Größenordnung des Rücksetzers des DAX offensichtlich nicht gereicht, um die Absicherungen gegen einen Kursverfall zurückzunehmen.

Stimmungskluft deutlich verringert


Bei den Privatanlegern gab es indes eine Tendenz in die andere Richtung, denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieser Anlegergruppe hat sich um 5 Punkte auf einen Stand von nur noch +5 Punkte verringert. Bemerkenswert: Es sind praktisch keine bullishen Positionen aufgelöst worden. Vielmehr haben sich fast ausschließlich vormals neutral gestimmte Marktteilnehmer den Pessimisten angeschlossen. Immerhin ist durch diese Entwicklung die Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und deren institutionellen Pendants wieder deutlich geschrumpft.

In der jüngsten Sentiment-Erhebung befindet sich die Stimmung der institutionellen Anleger absolut betrachtet auf neutralem Terrain und auch diejenige der privaten Investoren zeigte sich nur geringfügig positiv. In der relativen, mehrere Monate umfassenden Sichtweise notieren die Sentiment-Indices beider Panels allerdings im pessimistischen Bereich - dies gilt insbesondere für die institutionellen Investoren. Da wir deren Nachfrage weiterhin auf niedrigerem Niveau (frühestens unter 11.400 Punkten) erwarten, stehen die Vorzeichen für den DAX nach wie vor günstig. Allerdings ist auf der anderen Seite die Gefahr einer sogenannten Short-squeeze leicht gesunken, so dass der DAX höchstwahrscheinlich vor 11.700 Punkten keine größeren Flügel verliehen bekäme.

13. März 2019, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de 

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren

Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Sie erhalten die Ergebnisse der Analyse per E-Mail zugesandt.




Video-Kommentar von Joachim Goldberg


 

Sentiment-Index institutioneller Anleger 


Bullish Bearish Neutral
Total 38% 38% 24%
ggü. letzter Erhebung +4% -3% -1%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 11.510 (-90 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: 0 Punkte (Stand Vorwoche: -7 Punkte)




Sentiment-Index privater Anleger 


Bullish Bearish Neutral
Total 42% 37% 21%
ggü. letzter Erhebung unv. +5% -5%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 11.510 (-90 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +5 Punkte (Stand Vorwoche: +10 Punkte)



Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie. 




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