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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Späte Absicherung gegen den Ernstfall"




09.04.20 08:51
Redaktion boerse-frankfurt.de

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Mit den steigenden Preisen wächst die Zahl der Pessimisten. Was diesmal nach Ansicht Goldbergs dem Markt nicht nütze, außer es ginge erneut deutlich nach oben.


Zusammenfassung Trotz (oder wegen?) der enormen Kursgewinne seit vergangenen Mittwoch haben mit 9 Prozent etliche professionelle Anleger Aktien verkauft, 5 Prozent sind short gegangen. Das drückt den Sentiment-Index dieser Anlegergruppe auf -25 Punkte. Die privaten Anleger haben sich kaum bewegt, deren Sentiment-Index steht mit -12 Punkten aber auch im pessimistischen Terrain. Der DAX hat 675 (!) Punkte zugelegt.

Joachim Goldberg fragt sich, ob dies ein Bullen- im Bärenmarkt oder schon ein Bullenmarkt sei, und warnt vor Faustregeln. Er vermutet, dass sich die Aktienverkäufer "teils mit heftigen Verlusten" auf "das Schlimmste" vorbereiten wollten. Unterm Strich sei der hohe Pessimismus diesmal kein gutes Signal. Der Verhaltensökonom nimmt an, die meisten Pessimisten hätten ihre Absicherungen zu deutlich niedrigeren Kursständen gemacht und sieht deswegen erst ab 9.800 Punkten ordentliche Unterstützung. Sollten die DAX-Preise aber weiter steigen, könnten viele der Bären unter Druck geraten. Wie schon zu Wochenbeginn, als kurzfristig orientierte Anleger in eine Short-Squeeze geraten seien und die "für überzogen gehaltene Rallye" befeuert hätten.

8. April 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Eine Entwicklung hat sich seit unserer vergangenen Stimmungserhebung klar abgezeichnet: Das Handelsgeschehen um den DAX, aber auch in den Aktienmärkten jenseits des Atlantiks hat sich merklich stabilisiert. Und es war vor allen Dingen zu Anfang dieser Woche deutlich spürbar, dass bereits kleine Lichtblicke im ansonsten düsteren Corona-Nachrichtenstrom genügen, um den DAX aufleben zu lassen. Ja, die Erholung der Aktienkurse war so eindrucksvoll, dass man mancherorts bereits wieder von einem neuen Bullenmarkt sprach. Eine Bewertung, die auf eine alte Börsen-Faustregel zurückgeht, wonach ein Bärenmarkt dann beendet sein soll, wenn sich die Aktienkurse von dessen Tiefpunkt gerechnet um 20 Prozent erholt haben. Genau diese Bedingung war mit der Rallye am Montag und Dienstag erfüllt, denn der DAX erreichte in der Spitze immerhin im Vergleich zu dem Tief von Mitte März einen Gewinn von rund 28 Prozent.


Mit Vorsicht zu genießen


Aber diese Regel ist wie viele andere Börsen-Faustregeln mit Vorsicht zu genießen. Nicht nur, weil sie bereits vor Jahrzehnten aufgestellt wurde und ursprünglich lediglich im US-Aktienmarkt Anwendung fand. Sondern vor allem, weil sie bei anderen Gelegenheiten – etwa in der Finanzkrise des Jahres 2008, mit der die aktuelle, durch Corona ausgelöste Situation gerne verglichen wird – schlichtweg nicht funktioniert hat.


Dass die von uns wöchentlich befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren nicht an einen neuen Bullenmarkt glauben möchten, zeigt das Ergebnis unserer heutigen Umfrage. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index fällt zum fünften Mal hintereinander, dieses Mal um 14 Punkte, auf einen Stand von -25 Punkten. Dabei hat sich einmal mehr die Tendenz der Vorwochen bestätigt, dass sich vormals bullish eingestellte Akteure – teils mit heftigen Verlusten – im steigenden Markt von ihren Engagements lösen und peu à peu bearishe Positionen aufbauen. Um sich so auf das Schlimmste vorzubereiten.


Die Stützen für den DAX


Diese Verhaltensweise hat sich bei den Privatanlegern allerdings nicht gezeigt. In diesem Panel notieren wir einen vergleichsweise geringen Pessimismus, denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index der privaten Investoren ist gegenüber der Vorwoche gerade einmal um magere 2 Punkte auf einen Stand von -12 gefallen. Mit anderen Worten: Der im Punktvergleich 7-prozentige Anstieg des DAX seit vergangenem Mittwoch hat keine größeren Positionsveränderungen ausgelöst.


Dass sich das Sentiment im steigenden Aktienmarkt vor allem bei den institutionellen Investoren verschlechtert hat, stellt nach gängiger Lesart eine gute Nachricht für den DAX dar, aber nicht zwangsläufig für diejenigen, die im Zuge der jüngsten Erholung weitere bearishe Positionen aufgebaut haben. Die Betonung liegt auf „weitere“, denn das Gros der bearishen Engagements wurde teilweise zu erheblich ungünstigeren Kursen, also auf wesentlich niedrigeren als den heutigen DAX-Niveaus eingegangen. Vermutlich dürften die dahinter stehenden Short-Positionen bzw. Absicherungen bei einem stärkeren Kursrückgang wieder zurückgedeckt werden. Naturgemäß ergibt sich dadurch für den DAX auf deutlich niedrigerem Niveau (vermutlich nicht vor 9.800 Zählern) ordentliche Unterstützung.


Sollte sich indes der positive Trend von Montag und Dienstag – etwa unter Mitwirkung von langfristiger Nachfrage über Portfolio-Adjustierungen – durchsetzen, kämen die Pessimisten der vergangenen Wochen zum Teil stark in Bedrängnis. Einen Vorgeschmack darauf haben wir bereits zu Wochenbeginn bekommen, als kurzfristig orientierte Akteure im Rahmen einer Short-Squeeze an der mancherorts für überzogen gehaltenen Rallye mitgewirkt hatten. Eine Rallye, die letztlich auch durch einen kleinen Hoffnungsschimmer im Rahmen der Corona-Pandemie getragen wurde.


8. April 2020, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


Sentiment-Index institutioneller Anleger image-5025
  Bullish Bearish Neutral
Total 26% 51% 23%

ggü. letzter Erhebung


-9% +5%

+4%


DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.300 (+675 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: -25 Punkte (Stand Vorwoche: -11 Punkte)


 


Sentiment-Index privater Anleger image-5026
  Bullish Bearish Neutral
Total 36% 48% 16%

ggü. letzter Erhebung


+0% +2% -2%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 10.300 (+675 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: -12 Punkte (Stand Vorwoche: -10 Punkte)


 


Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Die Ergebnisse der Analyse erhalten Sie per E-Mail zugesandt.




Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie. 




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