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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Nur nicht den Einstieg verpassen"




06.02.20 09:38
Redaktion boerse-frankfurt.de

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Die Gemüter der Anleger haben sich wieder sichtlich beruhigt, wie die Gegenbewegung der Kurse in den vergangenen Tagen zeigt. Auch die Stimmung ist im bullishen Bereich, allerdings in keinem bedrohlichen Ausmaß.


Zusammenfassung Trotz der anhaltenden Nachrichtendichte zum Corona-Virus hat sich die Stimmung der professionellen Anleger deutlich verbessert. Aber vor allem durch geschlossene Short-Positionen von 21 Prozent der Anleger. Lediglich 7 Prozent haben Aktien gekauft. Nach Ansicht von Joachim Goldberg haben die sich im fallenden Markt der vergangenen Woche als Käufer positioniert, während den anderen der DAX womöglich bereits „zu teuer“ geworden sei. Kaum Bewegung gab es dagegen bei den privaten Anlegern.

Nach Ansicht des Verhaltensökonoms ist der Optimismus nicht kritisch für den Markt. Nach unten stünden etliche Anleger an der Seitenlinie als potentielle Nachfrager zur Verfügung. Nach oben würden zwar einige Bullen schnell Gewinne mitnehmen. Andererseits vermutet Goldberg, dass bei etwa 13.640 Punkte, also der Höhe des jüngsten Allzeithochs, viele notgedrungen einsteigen müssten.

5. Februar 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Man konnte es bereits zu Wochenbeginn förmlich spüren, wie sich die Anleger darauf vorbereiteten, nach dem deutlichen Einbruch der Aktienkurse in der Vorwoche als Käufer im Markt aktiv zu werden. Obwohl das Corona-Virus bis dato nicht unter Kontrolle gebracht worden ist, scheinen sich die Börsianer derart an die Nachrichtensituation angepasst zu haben, dass es – vor allem jenseits des Atlantiks – vermutlich mehr Angst gab, die nächste Rallye zu verpassen, als sich vor einem virusbedingten Kurseinsturz in Sicherheit bringen zu müssen. Eigentlich ging es nur noch darum, das richtige Timing für einen Wiedereinstieg in den Aufwärtstrend zu finden. Die Risikofreude war mit einem Male zurück. Und zwar mit Ansage.


Vielleicht mag das dazu beigetragen haben, dass die eher linear ansteigende Zahl der Coronavirus-Infizierten in China von vielen Marktteilnehmern mit abnehmender Sensitivität wahrgenommen wurde. Zumal das Thema hierzulande zu Wochenanfang mittlerweile bereits gut zwei Wochen in den Medien präsent war. Und als heute kurz vor dem Ende unserer Stimmungsumfrage eine Meldung die Runde machte, wonach chinesische Wissenschaftler angeblich ein Medikament gegen das Grippevirus gefunden hätten, hatte sich der DAX von seinem Vorwochentief bereits um mehr als 2 Prozent nach oben entfernt.


Nicht bedingungslos optimistisch


Immerhin ist der Optimismus der von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren gegenüber der Vorwoche kräftig gestiegen, so dass unser Börse Frankfurt Sentiment-Index mit einem Plus von 28 Punkten nicht nur deutlich zugelegt, sondern mit einem neuen Stand von +25 Punkten auch noch das höchste Niveau seit Ende November 2018 markiert hat. Bemerkenswert daran ist, dass sich das Bärenlager um mehr als die Hälfte geleert hat. Allerdings hat sich nur ein Drittel dieser ehemaligen Pessimisten direkt auf die Bullen-Seite geschlagen, während zwei Drittel zunächst einmal in das Lager der „Neutralen“ gewechselt sind. Mit anderen Worten: Während sich ein Drittel der Akteure möglicherweise in den fallenden Markt der vergangenen Woche als Käufer positioniert hat, dürften die verbliebenen zwei Drittel im besten Falle noch abwarten wollen, wie sich die Nachrichtenlage um das Corona-Virus tatsächlich entwickelt. Allerdings spricht vieles dafür, dass diesen Investoren der DAX schlichtweg bereits „zu teuer“ geworden ist. 


Da hatten es die Privatanleger einfacher, da wir in diesem Panel seit Mitte Januar zwar keinen übergroßen, aber dennoch einen robusten Optimismus feststellen. Dieser blieb, gemessen an unserem Börse Frankfurt Sentiment-Index, gegenüber der Vorwoche unverändert bei +12 Punkten.


Nachfrage-Reservoir vorhanden


Normalerweise würde ein Optimismus, wie wir ihn heute bei den institutionellen Anlegern vorfinden, zu denken geben. Zumal der Sentiment-Index mit einem Wert von +25 den höchsten Stand seit Ende November 2018 erreicht hat. Damals notierten wir allerdings einen Rekord von +50 Punkten! So gesehen fällt es schwer, bereits jetzt von Euphorie zu sprechen. Zumal 37 Prozent der Institutionellen immer noch neutral eingestellt sind. Damit ergibt sich ein nicht unerhebliches Reservoir an potenzieller Nachfrage, die dem Börsenbarometer im Falle von Rücksetzern eine Stütze sein dürfte.


Mindestens so interessant gestaltet sich das Szenario allerdings auch, falls die Aktienkurse zügig weiter steigen sollten. Dann wären zwar in der Nähe des bisherigen DAX-Rekords (rund 13.640) Gewinnmitnahmen der heutigen Optimisten zu erwarten. Sollte dieses mögliche Angebot auf hohem Niveau allerdings rasch aufgesogen werden, kämen die „Möchtegern-Käufer“ von heute in Verlegenheit und müssten möglicherweise das nachholen, was sie bislang anscheinend meiden wollten: dem Markt zu steigenden Kursen hinterher rennen zu müssen.


5. Februar 2020, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


Sentiment-Index institutioneller Anleger image-4302
  Bullish Bearish Neutral
Total 44% 19% 37%

ggü. letzter Erhebung


+7% -21%

+14%


DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.350 (+10 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +25 Punkte (Stand Vorwoche: -3 Punkte)


 


Sentiment-Index privater Anleger image-4303
  Bullish Bearish Neutral
Total 48% 36% 16%

ggü. letzter Erhebung


-1% -1% +2%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.350 (+10 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +12 Punkte (Stand Vorwoche: +12 Punkte)


 


Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Die Ergebnisse der Analyse erhalten Sie per E-Mail zugesandt.






Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie. 




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