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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Kaum Ansteckung durch Virus-Angst"




30.01.20 14:33
Redaktion boerse-frankfurt.de

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Noch reagieren Anleger kaum auf das mediale Gewitter, was die Preise recht stabil hält. Für echtes Interesse fehlen noch einige Verluste.


Zusammenfassung Angesichts der medialen Bedeutung des Coronavirus und dessen möglichen ökonomischen Auswirkungen sind die Kursrückgänge an der Börse auf Wochensicht eher gering mit 245 Punkten. Einige Anleger setzen nun aktiv auf fallende Preise, während sich bei den Haltern von Long-Positionen kaum etwas getan hat. Nach Ansicht von Joachim Goldberg waren die Kursverluste im Verlauf nicht hoch genug, um die Anleger, die auf einen günstigen Einstieg warten, in den Markt zu ziehen. Die Stimmung von -3 bzw. +12 Punkten bewertet der Verhaltensökonom als neutral.

Allerdings rechnet Goldberg an der Oberseite bereits vor 13.500 DAX-Punkten mit Abgaben und gleichzeitig mit "stärkerer mittelfristiger" Nachfrage erst, wenn die derzeitigen Nachrichten verdaut seien - frühestens in einer Woche, "sofern sich die Epidemie nicht dramatisch ausweitet." Ein interessantes Preisniveau sieht er erst zwischen 12.800 und knapp 13.000 DAX-Punkten.

29. Januar 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Spätestens seit vergangenem Wochenende kann man sagen, dass der Ausbruch des Corona-Virus in den Aktienmärkten dies- und jenseits des Atlantiks angekommen ist. Obgleich die Nachrichten über steigende Ansteckungszahlen während der vergangenen Tage nicht abgerissen sind und Analysten bereits hochrechnen, welche Konsequenzen das Corona-Virus für die globale Ökonomie haben könnte, hielten sich die Kursverluste an den Aktienmärkten bislang in Grenzen. Und die Anleger hierzulande scheinen nicht in Panik verfallen zu sein, sondern betrachten den Rückgang des DAX, der seit dem Allzeithoch vom vergangenen Mittwoch in der Spitze um knapp 3,5 Prozent gefallen war, als normale Korrektur. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Börsianer eher nach einer günstigen Kaufgelegenheit, statt nach dem Notausgang suchten. Ansonsten fällt es schwer, die gestrige Erholung tatsächlich zu begründen. Denn sie fühlte sich zeitweise fast so an, als ob ein Impfstoff zur Eindämmung der Virus-Gefahr gefunden worden wäre.


Für die von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren war die bisherige DAX-Korrektur – seit der vergangenen Sentiment-Erhebung steht lediglich ein Minus von 1,8 Prozent zu Buche – offenbar angesichts der noch schwer einschätzbaren Risiken nicht groß genug, um sich nach der bereits zurückhaltenden Positionierung in der Vorwoche entschieden auf die Käuferseite zu schlagen. Im Gegenteil: Unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist lediglich aufgrund kleinerer Positionsverschiebungen um 4 Punkte auf einen neuen Stand von -3 Punkten gefallen.


Das Pulver trocken gehalten


Etwas stärker haben die Privatanleger reagiert. Deren Börse Frankfurt Sentiment-Index ist nämlich um 6 Punkte gegenüber der Vorwoche zurückgegangen und befindet sich nun auf einem Stand von immer noch +12. Diese Veränderung verdankt sich jedoch keineswegs einer Reduzierung des Bullenlagers. Vielmehr hat sich die Gruppe der neutral gestimmten Akteure um fast ein Drittel auf den niedrigsten Stand seit dem 22. Februar 2017 verringert und macht damit nur noch 14 Prozent aller Befragten aus. Die meisten dieser Wechselwilligen sind übrigens zu den Bären gewandert.


Unter dem Strich wird zweierlei deutlich. Zum einen ist der Großteil der institutionellen Investoren in der Vorwoche angesichts neuer Allzeithochs beim DAX glücklicherweise nicht in Euphorie verfallen. Möglicherweise auch, weil man – wir berichteten darüber – die Gefahr, die von dem in China aufgetretenen Corona-Virus ausging, nicht unterschätzen wollte. Allerdings war das Thema in den hiesigen Medien am vergangenen Mittwoch gerade erst zwei Tage alt. Andererseits dürfte mittelfristigen Investoren trotz grundsätzlicher Kaufbereitschaft die DAX-Risikoprämie am Ende zu gering gewesen sein, um einen Einstieg beim DAX auf niedrigerem Niveau, verglichen mit der Vorwoche, zu rechtfertigen. 


Während also die Stimmung bei den institutionellen Akteuren leicht negativ eingetrübt ist, bleiben die Privatanleger bullish. Setzt man deren Sentiment-Index allerdings in Relation zu den Werten der vergangenen drei Monate, kann man auch die Stimmung in diesem Panel als neutral bezeichnen. Damit geht die jüngste überschaubare DAX-Erholung wahrscheinlich überwiegend auf kurzfristig orientierte Schnäppchenjäger zurück. 


Die Positionierungen unseres Panels deuten jedoch darauf hin, dass an der Oberseite bereits vor 13.500 DAX-Zählern Abgaben zu erwarten sind. Mit stärkerer mittelfristiger Nachfrage ist an der Unterseite indes aus Sentiment-technischer Sicht erst zu rechnen, wenn sich die Akteure an die neue Situation angepasst haben. Was auf der Zeitachse wahrscheinlich mindestens noch eine Woche dauern dürfte, sofern sich die Epidemie nicht dramatisch ausweitet. Oder der DAX den Kaufwilligen durch weitere Korrekturen wesentlich attraktivere Einstiegsniveaus als bisher (vermutlich zwischen 12.800 und knapp 13.000 DAX-Zählern) bietet.


29. Januar 2020, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


Sentiment-Index institutioneller Anleger image-4224
  Bullish Bearish Neutral
Total 37% 40% 23%

ggü. letzter Erhebung


-1% +3%

-2%


DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.340 (-245 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: -3 Punkte (Stand Vorwoche: +1 Punkt)


 


Sentiment-Index privater Anleger image-4225
  Bullish Bearish Neutral
Total 49% 37% 14%

ggü. letzter Erhebung


+1% +5% -6%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.340 (-245 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +12 Punkte (Stand Vorwoche: +16 Punkte)


 


Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Die Ergebnisse der Analyse erhalten Sie per E-Mail zugesandt.






Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie. 




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