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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Heimlich auf Umwegen das Lager gewechselt"




03.09.20 08:19
Redaktion boerse-frankfurt.de

Die Anleger positionieren sich zunehmend auf der Bullenseite, wobei die Bärenseite weiterhin gut bevölkert ist. Für Goldberg ein neutrales Szenario mit positivem Anklang.


Zusammenfassung

Vor allem der Richtungswechsel der Fed hat die hiesigen Anleger nach Ansicht von Joachim Goldberg zum Richtungswechsel animiert. 11 Prozent der Profis haben Aktien gekauft, der Sentiment-Index dieser Gruppe schnellt auf -3 Punkte nach oben. Der Verhaltensökonom vermutet, dass Viele den Rücksetzer gen 12.850 Punkten zum Einstieg genutzt hätten, die vorher offensichtlich am Seitenrand standen. Bei den Privatanlegern hat sich dagegen kaum etwas getan. Der Sentiment-Index dieser Anlegergruppe steht unverändert bei 0 Punkten.


Die Stimmungslage sei ebenfalls relativ betrachtet eher neutral, auch weil die Mehrheit der Akteure wohl erst an die Seite und dann ins Bullenlager gewechselt wären. Goldberg erwartet, dass die Polarisierung stärkere Ausschläge nach oben wie nach unten verhindere. Erste Nachfrage erwartet er zwischen 12.900 und 12.950 Punkten, Gewinnmitnahmen bei etwa 13.500 Punkten. "Praktisch neutrales Stimmungsbild mit positiver Note." 


2. September 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Auch die abgelaufene Berichtswoche seit unserer vergangenen Stimmungserhebung gehört nicht zu den auffälligsten. Zumindest was die Entwicklung des DAX angeht, der im Punktvergleich gerade einmal 0,5 Prozent zugelegt hat. Aber zwei wichtige Ereignisse stechen während dieses Zeitraums hervor. Zum einen der in der vergangenen Woche verkündete Strategiewechsel der US-Notenbank, die sich unter anderem in Zukunft bei ihrer Geldpolitik hinsichtlich des Inflationsziels nicht mehr an einem absoluten, sondern einem Durchschnittswert von 2 Prozent orientieren will. Mit der Folge, dass über einen sehr langen Zeitraum mit einer lockeren Geldpolitik und niedrigen Leitzinsen zu rechnen ist. Ein Strategiewechsel, der auch die Europäische Zentralbank nicht unbeeindruckt lassen dürfte.


Auf der anderen Seite hat der Euro gegenüber dem US-Dollar gestern zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren vorübergehend wieder die Marke von 1,20 überschritten. Gepaart mit Deflationstendenzen – die Konsumentenpreise sind nach vorläufigen Berechnungen in der Eurozone im August gegenüber dem Vorjahr unerwartet um 0,2 Prozent gefallen – hat dies mancherorts die Fantasie befeuert, dass die EZB dieser Entwicklung auf mittlere Sicht nicht tatenlos zusehen werde.


Institutionelle Anleger ziehen nach


Zumindest haben die von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren reagiert, denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index hat sich zum dritten Mal hintereinander verbessert. Und zwar bei unserer heutigen Befragung am stärksten: Das Stimmungsbarometer zog um 13 Punkte auf einen Stand von -3 Punkten an; es handelt sich um den höchsten Wert seit 25. März. Interessanterweise waren auch dieses Mal nicht die Pessimisten die treibende Kraft hinter dem Sentiment-Anstieg. Über 80 Prozent der neuen Optimisten rekrutieren sich aus der Gruppe ehemals neutral eingestellter Akteure. Vermutlich haben viele Teilnehmer seit unserer vergangenen Befragung den DAX-Rücksetzer in Richtung 12.850 zum Einstieg genutzt.


Bei den Privatanlegern, die sich vor allen Dingen in der Vorwoche besonders aktiv gezeigt hatten, ist unser Börse Frankfurt Sentiment-Index exakt auf der neutralen Linie von 0 Punkten geblieben. Lediglich die Polarisierung zwischen Bullen und Bären hat etwas zugelegt. Kurzum: Die Kursspanne des DAX von rund 2,8 Prozent hat in diesem Panel nicht zu großartigen Positionsverschiebungen geführt.


Ausgeglichene Stimmung


Mit der heutigen Sentiment-Erhebung hat sich die Stimmungskluft zwischen institutionellen und privaten Investoren, die wir noch am vergangenen Mittwoch feststellen konnten, deutlich reduziert und beträgt nur noch 3 Punkte. Auch wenn die Pessimisten bei den institutionellen Akteuren noch leicht in der Mehrheit sind, kann man im Drei- und Sechsmonatsvergleich bereits von einem relativen Optimismus der Akteure sprechen. Tatsächlich hat sich das Bärenlager während der vergangenen fünf Wochen schleichend um rund ein Fünftel reduziert – nur ganz wenige Investoren hatten offenbar den Mut, direkt ins Bullenlager zu wechseln.


Trotz allem können wir auch nach der heutigen Erhebung selbst in der relativen Betrachtung keinen ausgeprägten Optimismus feststellen. Vieles spricht dafür, dass die deutliche Polarisierung von Optimisten und Pessimisten stärkere Ausschläge sowohl nach unten (erste gute Nachfrage könnte bereits zwischen 12.900 und 12.950 Zählern entstehen) als auch nach oben (Gewinnmitnahmen möglicherweise erstmals bei etwa 13.500) behindert. Damit bleibt die Sentiment-technische Situation für den DAX praktisch neutral mit einer leicht positiven Note.


2. September 2020, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de




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