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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Erhoffter DAX-Rückgang will sich nicht einstellen"




27.08.20 07:37
Redaktion boerse-frankfurt.de

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Wieder einmal hat sich gezeigt, dass mehrheitlich erhoffte Kursrückgänge des DAX im Sande verlaufen. Stattdessen hat das Börsenbarometer im Wochenvergleich 1,7 Prozent zugelegt.


Zusammenfassung


Bei der heutigen Sentiment-Erhebung stehen die Privatanleger im Rampenlicht. Denn in diesem Panel gab es einen starken Stimmungswechsel. So hat sich eine größere Gruppe von Pessimisten von ihren bearishen Engagements verabschiedet und ist fast komplett zu den Optimisten übergewechselt. Wahrscheinlich ist, dass der ursprüngliche DAX-Rücksetzer zum Ende der vergangenen Woche möglicherweise zu diesen Positionsveränderungen beigetragen haben dürfte.


Bei den institutionellen Anlegern wurden zwar ebenfalls bearishe Engagements zurückgefahren, jedoch mit großer Zurückhaltung. Für Joachim Goldberg haben sich die Schieflagen in beiden Panels so weit verringert, dass er einen größeren DAX-Impuls aus heimischen Quellen für nicht gerade wahrscheinlich hält. Allerdings darf man, so der Verhaltensökonom, die internationalen Kapitalströme – trotz einer bereits starken Übergewichtung in Aktien der Eurozone – in diesem Zusammenhang nicht unterschätzen.


26. August 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Wenn man die Woche seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung Revue passieren lässt, zeichnet sich eines erneut deutlich ab: Der Weg nach unten fällt dem DAX erheblich schwerer als der Aufstieg nach oben. Dabei verlor das Börsenbarometer zunächst bis zur Mitte des Berichtszeitraums 1,9 Prozent an Wert, um dann die laufende Börsenwoche umso fulminanter einzuläuten: In der Spitze konnte der DAX nämlich wieder um rund 4,5 Prozent zulegen. Allerdings wurde das bisherige Hoch der Sommer-Rallye vom Juli bis zum Erhebungszeitpunkt leicht verfehlt, während etwa in den USA der breitgestreute S&P 500-Index sowie die Technologiebörse Nasdaq neue Allzeithochs markierten.


Dabei fällt allerdings auf, dass die Kommentatoren für die starke Performance des DAX in erster Linie immer wieder ein und dasselbe Argument vorbringen: Die mal stärker, mal schwächer aufkeimende Hoffnung darauf, dass demnächst ein wirksamer Impfstoff gegen das Covid-19-Virus gefunden wird.


Im Vorfeld von „Jackson Hole“


Möglicherweise erhoffen sich aber auch viele von der Rede, die Fed-Chef Jerome Powell im Rahmen des am morgigen Donnerstag beginnenden virtuellen Jackson Hole Symposiums halten wird, neue geldpolitische Hinweise und damit auch eine positive Wirkung auf die Börsenkurse. Unsere heutige Stimmungserhebung unter den mittelfristig orientierten institutionellen Investoren zeigt jedoch, dass die Mehrheit der Befragten immer noch auf einen fallenden DAX setzt. Indes: Unser Börse Frankfurt Sentiment-Index hat sich immerhin zum zweiten Mal in Folge erholt und sich zuletzt um 5 Punkte auf einen Stand von -16 verbessert. Grund: Ein kleiner Teil der Pessimisten aus der vergangenen Woche dürfte seine bearishen Positionen, möglicherweise im Rahmen des Rücksetzers der Vorwoche, aufgelöst haben.


Wesentlich stärker haben indes die Privatanleger reagiert. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels hat sich mit der heutigen Umfrage nämlich um 14 Punkte und damit ziemlich deutlich befestigt. Er rangiert nun auf der absolut neutralen Position von +/-0. Dabei zeichnet sich eine klare Wanderungsbewegung ab: Fast alle ehemaligen Bären – es handelt sich immerhin um 7 Prozent aller Befragten – haben ihre Meinung und die zugrundeliegenden Positionen um 180° gedreht und sind ab sofort optimistisch. Dabei ist anzunehmen, dass viele von ihnen – ebenso wie ihre institutionellen Pendants – den Rücksetzer vom vergangenen Freitag für den Positionswechsel genutzt haben.


Starke Reaktion der Privatanleger


Mit der heutigen Befragung hat sich durch den vergleichsweise starken Stimmungsumschwung bei den Privatanlegern die Kluft zu den institutionellen Investoren wieder deutlich vergrößert. Während Erstere nun per Saldo recht befreit aufspielen können, bleiben die Institutionellen überwiegend in ihren bearishen Engagements gefangen. Bei den Privatanlegern kann man trotz des neutralen Sentiment-Index sogar von einem leichten relativen Optimismus im Drei- und Sechs-Monatsvergleich sprechen.


Bei dieser relativen Betrachtungsweise liegen die institutionellen Pendants immerhin so gut wie im neutralen Bereich, auch wenn die Pessimisten absolut gesehen immer noch deutlich in der Mehrheit sind. An dieser Mehrheit wird sich vermutlich auch nicht viel ändern, sofern der DAX nicht noch eine richtig schwache Performance (in Richtung 12.550/12.600) hinlegt, damit die Pessimisten mit halbwegs heiler Haut ihre schal gewordenen Engagements glattstellen können. Damit bleibt das Börsenbarometer an der Unterseite ordentlich unterstützt. Allerdings ist durch die Verbesserung der Sentiment-Indices an der Oberseite damit zu rechnen, dass die neuen Optimisten durch mögliche Gewinnmitnahmen zwischen 13.400 und 13.450 Zählern zumindest kurzfristig den Aufwärtstrend etwas abbremsen. Nach wie vor gilt jedoch: Größere Kursausschläge dürften – trotz einer bereits jetzt starken Übergewichtung in Aktien der Eurozone – zurzeit nur durch internationale Kapitalströme ausgelöst werden.


26. August 2020, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de


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