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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Die Dip-Käufer waren wieder da"




26.08.21 07:09
Redaktion boerse-frankfurt.de

Schneller Wechsel von short nach long könnte dem DAX Potential nehmen. 


Zusammenfassung

"Rücksetzer statt Sell-off" fasst Joachim Goldberg die Kursbewegung der zurückliegenden Woche zusammen, welche die Anleger aber zu Gewinnmitnahmen genutzt hätten. Mit 17 Prozent Zuwachs im Bullenlager der Profis und 14 Prozent geschlossenen Short-Engagements steht der Sentiment-Index dieser Anlegergruppe auf -7 Punkten. Von den Privatanlegern sind 10 Prozent von der Bärenseite weg, weshalb deren Sentiment-Index jetzt bei +1 Punkt steht. Der Verhaltensökonom wertet beide Stimmungslagen als relativ neutral.


Die Anleger seien bemerkenswert agil, bei einer  etwas schwierigeren Ausgangslage aus verhaltenstechnischer Sicht. An der Oberseite sei jetzt zwischen 16.150 und 16.200 mit Aktienverkäufen zu rechnen und an der Unterseite fehle nun einiges an Nachfragepotential. Ab 15.500/15.550 Punkten läge jetzt die stützende Grenze.


25. August 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Es dürften nicht wenige Akteure gewesen sein, die seit unserer vergangenen Stimmungserhebung auf eine deutliche Korrektur an den Aktienmärkten dies- und jenseits des Atlantiks gesetzt haben. Tatsächlich ergab sich innerhalb der ersten 24 Stunden seit unserer Umfrage vom vergangenen Mittwoch ein Rücksetzer, der in der Spitze 1,7 Prozent erreichte. Allerdings hatte man vielerorts offenbar mehr erwartet. Zumindest wenn man manchen Kommentatoren Glauben schenkte, konnte man zum Ende der vergangenen Woche den Eindruck bekommen, dass ein Sell-Off vor allen Dingen in den US-Aktienmärkten unmittelbar bevorstehen müsse. Zumindest drückte sich dies in Negativ-Schlagzeilen aus, die vom Zusammenbruch der von den USA unterstützten Regierung in Afghanistan bis hin zur weiter gestiegenen Zahl von Covid-19-Viruserkrankungen reichten.


Am Ende blieb vom weithin erwarteten Ausverkauf nur ein Rücksetzer übrig, der selbst bei den US-Aktien-Futures in der Spitze nicht einmal 3 Prozent betrug. Tatsächlich trat ein während der Corona-Pandemie bekanntes Phänomen wieder auf und sorgte einmal mehr dafür, dass es auch hierzulande nur eine kleine Korrektur am Aktienmarkt gab: Dip-Käufer, also Käufer in die Schwäche, traten erneut auf den Plan und sorgten für eine ordentliche Kurserholung.


Schnell Gewinne eingestrichen


Aber auch ein Großteil der von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren scheint die überschaubare Korrektur des DAX für Rückkäufe genutzt zu haben. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist gegenüber der Vorwoche deutlich um 31 Punkte auf einen neuen Stand von -7 gestiegen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sich fast alle Pessimisten aus der vergangenen Woche mit vergleichsweise überschaubaren Gewinnen zufriedengegeben und ihre bearishen Positionierung um 180 Grad auf bullish gedreht haben. Womöglich gehen die meisten von ihnen auch davon aus, dass Fed-Jerome Powell beim am Freitag beginnenden jährlichen Treffen der internationalen Notenbanker noch nicht das Zurückfahren der Anleihekäufe (Tapering) ankündigen wird. Zumal das für ursprünglich in Jackson Hole geplante Treffen nun aufgrund der Covid-19-Gesundheitsrisiken nur in virtueller Form stattfinden wird.


Auch bei den Privatanlegern hat sich unser Börse Frankfurt Sentiment-Index, allerdings in geringerem Umfang, um 10 Punkte auf einen Stand von nunmehr +1 erholt. Und genauso gab es in diesem Panel ebenfalls Gewinnmitnahmen aus bearishen Positionen, wobei sich zwei Drittel der Betroffenen direkt auf die Bullenseite schlugen.


Zurück in den neutralen Zustand


Mit der heutigen Befragung hat sich die zuletzt große Kluft zwischen privaten und institutionellen Investoren wieder deutlich geschlossen. Dabei haben sich vor allen Dingen die Institutionellen zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen als ausgesprochen agil präsentiert, so dass in diesem Panel nur noch eine vergleichsweise geringe pessimistische Note festzustellen ist – im Drei- und Sechsmonatsvergleich kann man nun sogar wieder von einem neutralen Stimmungs-Szenario sprechen.


Durch die jüngsten Aktienrückkäufe hat sich die Lage des DAX gegenüber der Vorwoche insofern etwas verschlechtert, als an der Oberseite im Bereich zwischen 16.150 und 16.200 Zählern mit erhöhtem Angebot aus den jüngsten bullishen Engagements zu rechnen ist. Gleichzeitig fällt ein Teil möglicher Nachfrager aus heimischen Quellen durch die Käufe der vergangenen Tage an der Unterseite nunmehr aus. Dennoch gibt es weiterhin genügend Nachfrage, allerdings nur unterhalb des Vorwochentiefs, vermutlich im Bereich zwischen 15.500 und 15.550 Punkten.


25. August 2021, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de




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