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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "DAX auf Jahreshoch macht wenig Freude"




18.04.19 07:39
Redaktion boerse-frankfurt.de


Trotz der Kursgewinne kommen Anleger nicht in Fahrt. Goldberg sieht aber "ordentlichen Kaufbedarf" und hat einige Argumente dafür. Zusammenfassung 

Obwohl der DAX wieder über die 12.000 Punkte lugt, können sich zumindest professionelle Anleger nicht zum Einstieg entschließen, wie die heutige Erhebung bei rund 1.400 aktiven Anlegern zeigt. Der Sentiment-Index dieser Anlegergruppe steht weiterhin quasi auf der Nulllinie zwischen Optimismus und Pessimismus. Joachim Goldberg weist darauf hin, dass auch internationale Fondsmanager scheinbar keinen Appetit auf europäische Aktien haben. Nach Ansicht des Verhaltensökonoms sind den hiesigen Akteuren die Einstiegspreise noch nicht niedrig genug gewesen und auf der anderen Seite mussten die Bären nicht glattstellen. 

Deutlich beherzter haben die privaten Anleger reagiert, 7 Prozent sind in deutsche Aktien eingestiegen, 3 Prozent haben Short-Positionen geschlossen, so dass der Sentiment-Index dieser Gruppe bei +10 Punkten steht.
Dennoch sieht Goldberg noch "ordentlichen Kaufbedarf". Nach unten bei etwa 11.800 Punkten, nach oben konnte mit etwas mehr Aufwärtsmomentum zu einer Short-Squeeze führen, vor allem, weil es im Moment zu viel globalen Pessimismus gebe.



17. April 2019. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Eigentlich mag man es kaum glauben. Allein der DAX ist seit unserer vergangenen Stimmungserhebung um 2,1 Prozent (stichpunktbezogen) und seit Beginn des Jahres um mehr als 15 Prozent gestiegen. Und trotzdem gelten europäische Aktien unter globalen Fondsmanagern den zweiten Monat in Folge als unpopulärste Anlageklasse. Zumindest ergab dies die jüngste Umfrage von BofA Merrill Lynch per 11. April. Dass europäische Aktien während der vergangenen Wochen insgeheim wohl doch auf den Kaufzetteln internationaler Investoren standen, verrät die Gewichtung von Aktien der Eurozone. Waren diese im März noch netto 8 Prozent in den Portfolien der internationalen Vermögensverwalter untergewichtet, haben Rückkäufe dazu geführt, dass sich diese Untergewichtung zugunsten einer neutralen Positionierung aufgelöst hat. Damit hat sich unsere Annahme weitgehend bestätigt, dass der DAX-Anstieg während der vergangenen Wochen auf internationale Kapitalzuflüsse zurückzuführen gewesen sein dürfte.

Auch unsere heutige Sentiment-Umfrage zeigt deutlich, dass heimische institutionelle Investoren bei deutschen Aktien immer noch nicht richtig zugreifen möchten. Denn der Optimismus dieser mittelfristig orientierten Marktteilnehmer ist gegenüber der Vorwoche, gemessen an unserem Börse Frankfurt Sentiment-Index, gerade einmal um 3 Punkte auf einen Stand von +1 gestiegen. Diese doch sehr kleine Veränderung ist auf ein paar Glattstellungen vormals bearisher Engagements zurückzuführen, aber das Gros der Investoren hat angesichts bislang fehlender günstiger Einstiegsmöglichkeiten beim DAX abgewartet, so dass es auf der institutionellen Seite bislang nicht zu einer Short-Squeeze heimischer Investoren gekommen ist.

Melt-up-Gefahr nicht von der Hand zu weisen


Mutiger zeigten sich indes die Privatanleger, die gegenüber der Vorwoche - wenn auch in übersichtlichem Rahmen - wieder auf steigende Kurse setzen. Zumindest ist der Börse Frankfurt Sentiment-Index in diesem Panel um 10 Punkte auf einen Stand von +10 gestiegen. Dieser Zuwachs speist sich fast zu gleichen Teilen aus ehemals neutral eingestellten Akteuren und einigen Pessimisten, die angesichts der DAX-Rallye das Handtuch geworfen haben.

Unter dem Strich zeigen die Ergebnisse der heutigen Sentiment-Umfrage, dass sich national, aber auch international die Freude über das neue Jahreshoch des DAX zurzeit in Grenzen hält. Zwar notieren wir absolut lediglich bei den Privatanlegern einen nennenswerten Optimismus. Ein Optimismus, der sich bei Betrachtung der Zeiträume von drei und sechs Monaten allerdings relativiert und so gesehen sogar immer noch unter dem Durchschnitt der vergangenen Wochen liegt. Mit anderen Worten: Es gibt noch ordentlichen Kaufbedarf. Zum einen, falls sich das Börsenbarometer in Richtung 11.800 Zähler zurückbewegen sollte. Zum anderen jedoch, falls sich das seit zwei Wochen verlangsamende Aufwärtsmomentum wieder erhöhen sollte. Dann wäre eine veritable Shorts-Squeeze nicht auszuschließen. Tatsächlich ist, um es mit den Worten von BlackRock-Chef Larry Fink auszudrücken, der Boden für einen sogenannten "melt-up" (vgl. Financial Times) angesichts eines gesünderen Wachstums in den USA und China bereitet. Vor allem, weil es derzeit zu viel globalen Pessimismus gibt, wie Fink meint.

17. April 2019, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de 

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren

Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Sie erhalten die Ergebnisse der Analyse per E-Mail zugesandt.




Video-Kommentar von Joachim Goldberg


 

Sentiment-Index institutioneller Anleger

 


Bullish Bearish Neutral
Total 40% 39% 21%
ggü. letzter Erhebung +1% -2% +1%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.100 (+230 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +1 Punkt (Stand Vorwoche: -2 Punkte)




Sentiment-Index privater Anleger

 


Bullish Bearish Neutral
Total 46% 36% 18%
ggü. letzter Erhebung +7% -3% -3%

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.100 (+230 Pkt.)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +10 Punkte (Stand Vorwoche: +/- 0 Punkte)



Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie. 


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Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
Xetra 12.011,04 - +0,49%  24.05.19
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