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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Marktstimmung: "Bullen wider Willen"




18.06.20 08:28
Redaktion boerse-frankfurt.de

Die steigenden Preise treiben Anleger auf die Long-Seite, mit begrenzter Nachhaltigkeit vermutlich.


Zusammenfassung


Unter Zugzwang standen bzw. stehen die Pessimisten angesichts der steigenden Preise, insbesondere im internationalen Kontext. Für die hiesigen Anleger hat die Kursdelle sicherlich einiges an "Druck aus dem Kessel" gelassen, wie Joachim Goldberg vermutet. 15 Prozent der Profis und 12 Prozent der Privatanleger haben die Short-Engagements glattgestellt, 13 bzw. 11 Prozent sind eingestiegen. Das hebt beide Sentiment-Indizes auf -11 und -3 Punkte.


Dies interpretiert der Verhaltensökonom als relativ "neutral", die Rallye sei nicht zwangsläufig beendet. Aber die ganz großen Schieflagen auch bei den internationalen Investoren seien beseitigt. Über 13.000 Punkten rechnet Goldberg mit Gewinnmitnahmen. Das Filetstück der DAX-Erholung sei bereits verzehrt worden.


 


17. Juni 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Was zum Zeitpunkt unserer vergangenen Sentiment-Erhebung noch wie eine überschaubare Korrektur der bis dahin fast drei Monate dauernden DAX-Rallye aussah, sollte sich an den folgenden Tagen als heftige Gegenreaktion herausstellen, die vorübergehend zu einem DAX-Verlust von rund 10 Prozent führte. Denn plötzlich waren sie wieder da, die Sorgen über ein Wiederaufflammen der Corona-Pandemie, verursacht durch angestiegene Infektionsraten sowohl in China als auch in einigen Bundesstaaten der USA. Umso beeindruckter dürften die Akteure von der starken Erholung des Börsenbarometers seit Beginn dieser Woche sein: Stichtagsbezogen blieb gerade einmal ein Verlust des DAX von 2,4 Prozent übrig.


Wie schwierig es allerdings für viele Akteure sein mag, das derzeitige Marktumfeld psychologisch zu meistern, verrät die Umfrage unter internationalen Fondsmanagern, deren Ergebnisse die Bank of America (BofA) gestern veröffentlichte. Zwar ging die Kassenquote der Fondsmanager im Juni gegenüber dem Vormonat von 5,7 auf 4,7 Prozent zurück, wobei die dabei freigesetzte Liquidität vor allem den Aktienmärkten zugutegekommen sein dürfte. Zumal die Investoren zum ersten Mal seit Februar dieses Jahres wieder in Aktien übergewichtet waren. Aber gleichzeitig hielten in der vom 5. bis 11. Juni durchgeführten Befragung 78 Prozent der Investoren die Aktienmärkte für überbewertet – das ist der höchste Prozentsatz seit 1998. Und so hat es den Anschein, als seien die internationalen Fondsmanager nicht aus tiefer Überzeugung bullish geworden, sondern weil sie bullish werden mussten: Bearishe Positionierungen stellten sich als immer kostspieliger heraus, obgleich es genügend handfeste Gründe für diesen Pessimismus gab. Kurzum: Es muss sich wohl um eine Form von Kapitulation gehandelt haben.


Ein willkommenes Geschenk


Psychisch etwas einfacher dürften es dagegen die von uns befragten institutionellen Investoren gehabt haben. Denn der deutliche Rücksetzer des DAX in der vergangenen Woche muss für viele der Teilnehmer an unserer Stimmungsumfrage geradezu ein willkommenes Geschenk gewesen sein. Denn trotz aller Corona-Sorgen war die Abwärtskorrektur, die in der Spitze über 1000 Punkte seit unserer vergangenen Erhebung zeitigte, eine Einladung für viele Pessimisten, ihre mittlerweile schal gewordenen bearishen Engagements wieder einzudecken. Und so sprang unser Börse Frankfurt Sentiment-Index um 28 Punkte nach oben auf einen Stand von -11. Dabei dürften insbesondere – wie von uns in der Vorwoche vermutet – vor allem die Pessimisten der vergangenen drei Wochen unterhalb der 12.000er Marke ihre Engagements fast überwiegend direkt von „bearish“ auf „bullish“ gedreht haben. Mit anderen Worten: Die relativ günstigen Kurse verführten zu Optimismus.


Ähnliches können wir auch für die Privatanleger vermelden. War der Börse Frankfurt-Sentiment-Index dieses Panels vor einer Woche noch rekordverdächtig pessimistisch, schoss er nun um 23 Punkte ebenfalls nach oben und erreicht einen Indexstand von nur noch -3. Die Wanderungen vom Bären- ins Bullenlager waren dabei ähnlich strukturiert wie bei den institutionellen Pendants.


Druck aus dem bearishen Kessel gelassen


Per Saldo lässt sich feststellen, dass also nicht nur die internationalen Fondsmanager einen großen Teil ihrer vormals bearishen Engagements zurückgenommen haben. Dies gilt vor allen Dingen für die Aktien der Eurozone, die besonders gefragt waren. Was wir vor einigen Wochen bereits vermutet hatten, wurde jetzt durch die BofA-Umfrage bestätigt: Dass die starke Untergewichtung internationaler Fondsmanager bei europäischen Titeln mittlerweile sogar in eine leichte Übergewichtung umgeschlagen ist. Davon hat natürlich auch der DAX profitiert. Und viele heimische Investoren konnten angesichts der im Vergleich zur Vorwoche viel günstigeren Einstiegsmöglichkeiten ihre bearishen Engagements ohne Gesichtsverlust bzw. materielle Nachteile in bullishe Positionen umwandeln.


Obgleich die Sentiment-Indizes beider Panels noch negative Werte aufweisen, sind die Positionierungen im 3- bzw. 6-Monatsvergleich fast schon als „neutral“ zu bezeichnen. Damit ist die im März einst begonnene Rallye des DAX noch nicht zwangsläufig beendet. Aber die ganz großen Schieflagen – auch seitens der internationalen Fondsmanager – als Treiber besagter Hausse sind nun beseitigt. Und sollte der DAX noch einmal über die 13.000 ziehen, dürften die neuen Optimisten von heute ins Grübeln kommen, ob sie dem Aktienmarkt die Treue halten oder doch besser solch hohe Indexstände für überzogen ansehen und die dann aufgelaufenen Gewinne schnell wieder realisieren sollen. Es spricht viel dafür, dass das Filetstück der DAX-Erholung bereits verzehrt worden ist.


17. Juni 2020, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de




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