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Marktbild weiterhin unklar




08.08.18 16:25
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.aktiencheck.de) - Was die jüngsten Marktdaten betrifft, so stechen derzeit die mikroökonomischen besonders positiv hervor, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG.

Damit seien alle Indikatoren gemeint, die die Entwicklung der Unternehmensgewinne beschreiben würden. Diese seien relevant, weil sie letztlich der bedeutende fundamentale Treibstoff für die Aktienkurse seien. Aktuell könnte die Situation kaum besser sein. Nicht nur, dass die aktuellen Unternehmensberichte zum zweiten Quartal mehrheitlich über den Erwartungen lägen, auch der Ausblick für die nächsten Quartale falle zuversichtlich aus. Diese nahezu fantastische Ertragslage der Unternehmen habe es jedoch nicht geschafft, die Aktienmärkte aus der Bandbreite der letzten Monate nach oben zu katapultieren. Es stelle sich daher die Frage, ob vom aktuellen Niveau noch eine Verbesserung möglich sei, die als neuer Katalysator für weitere Kursanstiege funktionieren könne?

Auch bei den Markt bestimmenden Themen habe es zuletzt tendenziell positive Entwicklungen gegeben: Der Belastungsfaktor des heurigen Jahres schlechthin, der Handelskrieg, habe sich zuletzt etwas entspannt. Unmittelbar würden keine Hiobsbotschaften drohen, selbst wenn die Aussagen von US-Präsident Donald Trump in Sekundenbruchteilen Lügen gestraft werden könnten. Trotzdem notiere der Markt "nur" am oberen Ende der Bandbreite der letzten Monate.

Und wie stehe es um die Konjunktur, also die makroökonomische Entwicklung? Hier habe es im ersten Halbjahr vor allem in Europa und in den Schwellenländern negative Überraschungen gegeben. Wobei es allerdings auch hier zuletzt Entwarnung gegeben habe. Vereinzelte Warnsignale würden unterdessen hinsichtlich "Stimmung" und "Technik" kommen: Vor allem die Tatsache, dass sich der Markt während des Anstieges seit Mitte März zunehmend verengt habe, d.h. nur von wenigen Ländern, Branchen und Aktientiteln getragen werde, stelle die Nachhaltigkeit der Bewegung in Frage. In Summe biete sich somit ein unklares Marktbild, das eine abwartende Haltung nahelege.

Die Konjunkturindikatoren der Eurozone würden sich nach wie vor auf hohen Niveaus befinden. Noch höher seien aber die Analystenschätzungen, weshalb einige Indikatoren relativ betrachtet weiterhin enttäuschen würden. Ein möglicher Handelskrieg zwischen der Europäischen Union und den USA scheine nach einem Treffen zwischen EU-Kommissionspräsidenten Jean Claude Juncker und US-Präsidenten Donald Trump Ende Juli vorerst vom Tisch. Dies sei auch von EZB-Präsident Mario Draghi goutiert worden. Dieser habe sich bei der EZB-Sitzung Ende Juli durchwegs positiv zur Entwicklung geäußert. Seiner Meinung nach befinde sich das wirtschaftliche Wachstum der Eurozone auf einer soliden und breiten Basis. Weiterhin würden sich die Renditen der wichtigsten Staatsanleihemärkte auf extrem niedrigen Niveaus befinden.

Seit Anfang Juli seien die Risikoprämien an den EUR-Unternehmensanleihemärkten relativ deutlich gesunken. Dabei falle auf, dass diese Erholung in erster Linie an den Derivatemärkten eingetreten sei und weniger an den Kassamärkten. Die Experten würden vermuten, dass dies daran liege, dass an den Kassamärkten höhere Illiquiditätsprämien gepreist würden, die vor allem in den handelsschwächeren Sommermonaten (und zudem während der Berichtsaison) schwerer abgebaut werden könnten. Dementsprechend würden die Experten hier eine Nachholbewegung der Kassamarkt-Spreads bei den Unternehmensanleihen in den kommenden Wochen erwarten.

Der Anstieg der Risikoprämien an den Emerging-Markets-Anleihemärkten habe im Rahmen der allgemeinen Sentiment-Verbesserung Anfang Juli sein Ende gefunden. Das Exportwachstum der Schwellenländer habe an Dynamik verloren und auch die US-Zinspolitik sollte weiterhin dafür sorgen, dass Anleihemärkte der Schwellenländer mittelfristig unattraktiver würden. Kurzfristige Erholungsphasen, wie die jetzige, würden aber zeigen, dass dieses Marktsegment vorerst noch nicht gänzlich abgeschrieben worden sei.

Die entwickelten Aktienmärkte hätten in den letzten Wochen wieder Kursgewinne verbuchen können. Getragen worden sei diese positive Entwicklung von einer sehr guten Berichtssaison (vor allem in den USA) und einer leichten Entspannung beim Thema Handelskrieg. Die Experten würden weiterhin in der anstehenden Liquiditätsrückführung der Notenbanken einen Faktor sehen, der in den kommenden Monaten für anhaltend mehr Volatilität an den Märkten sorgen werde. Im Bereich der Stimmungsindikatoren seien aktuell keine Extremwerte, weder positive oder negative, zu beobachten.

Nach den deutlichen Abverkäufen im ersten Halbjahr habe es zuletzt eine leichte Erholung gegeben. Das sei zu einem gewissen Grad sicher der überverkauften Situation zu verdanken. Fraglich sei nun, inwieweit sich die fundamentale Situation so fortsetze wie bisher. Sollte das der Fall sein, hätten Schwellenländer-Aktien noch weitere Anstiege vor sich. Sehe man die Gewinnentwicklung der einzelnen Emerging-Marktes-Regionen an, gehe der Trend weiterhin den richtigen Weg. Insbesondere der asiatische Raum zeige eine sehr ansprechende Entwicklung. Gesamt betrachtet, würden Schwellenländer-Aktien relativ attraktiv bewertet bleiben.

Während sich Energierohstoffe weiter sehr fest präsentieren würden, hätten Industriemetalle und Edelmetalle zuletzt Kursrückgänge verbuchen müssen. Ängste vor einer stärkeren Konjunkturabschwächung (vor allem in den Emerging Markets) und ein deutlich stärkerer US-Dollar hätten sich als Belastungsfaktoren erwiesen. Aufgrund einer angespannteren Angebots-/Nachfragesituation und einer attraktiveren Kurvenstruktur (backwardation) würden die Experten für die Assetklasse mittelfristig aber weiterhin eine positive Kursentwicklung sehen. (08.08.2018/ac/a/m)






 
 
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