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Kolumnist: Max Otte

Die Märkte bleiben teuer




12.11.18 15:42
Max Otte

Sie brauchen Geduld und gute Nerven


von Prof. Dr. Max Otte


Sollten wir jetzt überhaupt noch investieren?


Das ist eine sehr gute Frage, die zurzeit einige unserer Leser umtreibt. Eine hundertprozentige Absicherung in schwierigen Börsenphasen kann es natürlich nicht geben. Wir setzen auf herausragende Unternehmen, die wir zu einem günstigen Preis kaufen und bei Überbewertung durch den Markt verkaufen. In schwierigen Zeiten wie diesen sammeln wir auch Liquidität, um zuschlagen zu können, wenn die Kurse fallen. Dann freuen wir uns wie Kinder mit viel Taschengeld im Süßwarenladen...


Zu Aktien gibt es keine Alternative


Sie sind Sondervermögen und damit vor dem Bankrott der Banken geschützt. Andere Vermögenswerte werfen weitaus weniger Rendite ab. Geldvermögen werden mittlerweile gar mit Negativzinsen bestraft. Und an so manchen undurchsichtigen Geldprodukten verdienen allein die großen Finanzinstitute.


Wenn Sie langfristig dabei bleiben und Krisen durchstehen, werden Sie als Aktionär, als Miteigentümer guter Unternehmen, eine sehr gute Rendite erzielen. Und falls Sie im fortgeschrittenen Alter nicht auf zukünftiges Wachstum setzen wollen, sind etablierte Dividendenaktien die beste Wahl. In den großen Tankern der Weltwirtschaft können Sie Ihr Vermögen relativ sicher parken und von den regelmäßigen Ausschüttungen profitieren.


In den Kaninchenbau


Genauso wenig, wie die meisten Menschen ein Instrument spielen können, ohne Noten zu lesen, ist sinnvolles Investieren möglich, ohne elementare Mathematik anzuwenden und Geschäftsberichte zu lesen. Werfen wir also einen kurzen Blick auf das Value-Investing--Einmaleins, um die aktuelle Marktlage etwas besser zu verstehen.


Mit einer Aktie lassen sich durch Kurssteigerungen und Dividenden Erträge erzielen. Also ganz einfach:


Ertrag


= Kurssteigerung + Dividende


= Gewinn je Aktie x KGV + Dividende


= (Gewinnmarge x Umsatz / Aktienanzahl) x KGV + Dividende


Sieht man sich die Komponenten der Erträge für die einzelnen Regionen des MSCI World Index in den letzten fünf und in den letzten zwanzig Jahren an, wird eines klar: Während über die letzten zwanzig Jahre die Gewinne je Aktie und die Dividenden den Löwenanteil zum Ertrag beisteuerten, waren es in den letzten fünf Jahren im MSCI World, den USA und Europa vor allem die KGVs, die gestiegen sind. Es war also ein Preis- und Bewertungsanstieg ohne reale Unterfütterung. Selbst in Asien macht er 30 Prozent des Anstiegs aus. In Europa stiegen die Bewertungen sogar um 112 Prozent, was durch negatives Gewinnwachstum und negative Währungseffekte teilweise kompensiert wurde. Wenn Sie sich diese Entwicklung ansehen, ist es richtig, vorsichtiger zu werden. Gänzlich auf Aktien im Anlagemix zu verzichten wäre allerdings, trotz der aktuellen Überbewertungen, übertrieben. Wir finden auch jetzt noch interessante Unternehmen.


Im Boom-Jahr 2017 gab es wieder mehr Aktienbesitzer in Deutschland – 1,1 Millionen mehr als im Jahr 2016, insgesamt 15,7 Prozent der Bevölkerung. Das waren wieder genauso viele wie vor Beginn der Finanzkrise 2008.


Ist dies ein schlechtes Omen?


Zumindest ist es eine Tatsache. Auch im Jahr 2007 lief alles bestens an den Börsen. Die Kurse gingen schön nach oben und jeder wollte dabei sein. Was ist bei der Gier das Schlimmste? Wenn man bei der Party nicht dabei ist. Auch heute scheinen viele Menschen Angst zu haben, die Hausse zu verpassen.


Ich glaube nicht an Omen und böse Vorzeichen. Die steigende Aktionärszahl ist aber auch keine Entwarnung für die Aktienkultur. Erstens sind die Anleger in der Vergangenheit häufig der Kursentwicklung nachgelaufen. Zweitens haben sie sich bei fallenden Kursen schnell wieder von ihren Anlagen getrennt.


Definitiv: 10 Millionen Aktionäre sind immer noch zu wenig. Gerade in einem Land mit 82 Millionen Einwohnern und einer trotz aller Herausforderungen noch robusten Volkswirtschaft. Zum Vergleich: Fast ein Drittel aller US-Amerikaner zum Beispiel investiert in irgendeiner Weise in den Aktienmarkt.


Und auch Italiener sowie Niederländer machen es uns vor, wie man trotz niedriger Sparraten ein ordentliches Vermögen aufbauen kann. Auch unsere europäischen Nachbarn sind sehr viel besser auf dem Börsenparkett unterwegs als wir Deutsche.


Vor allem Geduld und gute Nerven sind entscheidend für den erfolgreichen Vermögensaufbau mit Aktien. Die Wartezeit in einer Baisse verkürzen Sie, liebe Leser, am besten durch gezieltes Nachkaufen in starke aber unterbewertete Unternehmen. Auf dieses Weise können Sie Ihr Portfolio zudem geschickt verbilligen.


Attraktive Chancen wahrnehmen – und gleichzeitig die Liquidität schrittweise aufbauen bzw. halten – ist eine gute Basisstrategie für die nächste Zeit.


Auf gute Investments,


Ihr


Max Otte


P.S.: Kennen Sie schon meinen Börsenbrief Der Privatinvestor? Hier können Sie ihn kostenlos lesen!



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