Kolumnist: Geldanlage-Report

LinkedIn - Besser als Facebook?




06.05.13 15:55
Geldanlage-Report

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Lieber Geldanleger,


 


was für eine Handelswoche: Der DAX knackt die 8.000er-Marke, der Dow Jones klettert erstmals über 15.000 Punkte und überhaupt herrscht eitel Sonnenschein an den Aktienmärkten. Haben Sie auch hohe Gewinne erzielt? In den USA entwickelt sich LinkedIn immer mehr zum neuen Web 2.0-Star.


 


Zumindest in Punkto Marktkapitalisierung schwindet der Abstand zu Facebook. Warum LinkedIn so gut ist - und auch für Sie wichtig werden könnte.


 


Im Gegensatz zu Facebook hat LinkedIn eine Killer-Applikation mit der die Online-Networking-Plattform richtig Geld verdient: Job-Vermittlung!


 


Die inzwischen mehr als 225 Millionen User, die sich bei LinkedIn registrieren und neben persönlichen Daten auch ihren Lebenslauf preisgeben sind als Ganzes eine Fundgrube für jede Firma, die auf der Suche nach (hoch)qualifizierten Mitarbeitern ist.


 


LinkedIn hat basierend auf den Daten seiner User eine eigene Plattform zur Jobvermittlung entwickelt mit der Headhunter nach passenden Job-Kandidaten suchen können. "Talent Solutions" nennt LinkedIn diesen Bereich, in dem im ersten Quartal 184 Millionen US-Dollar umgesetzt worden sind (+80 Prozent).


 


Weit mehr als eine Job-Plattform


 


Die Sparte erzielt damit inzwischen mehr Umsätze als die beiden anderen Standbeine "Marketing Solutions" (75 Millionen US-Dollar; +56 Prozent) und "Premium Subscriptions" (66 Millionen US-Dollar; +73 Prozent) zusammengenommen, die nichtsdestotrotz beide ebenfalls schnell weiter gewachsen sind.


 


Umgekehrt haben die Benutzer die Möglichkeit, sich und ihre Fähigkeiten über das Profil zu präsentieren, sprich: sich selbst zu vermarkten. Seit der Übernahme von SlideShare können LinkedIn-User ihre eigene "Marke" auch durch Video(botschaften) oder mit Hilfe von Powerpoint-Präsentationen aufbauen und schärfen. Nach dem Motto: Je gelungener der eigene Auftritt auf LinkedIn, desto bessere Jobangebote könnten eingehen.


 


Doch LinkedIn ist weit mehr als nur eine Job Plattform, es will auch Anlaufstation für berufliche Inhalte (Content) werden. Das heißt Berufstätige sollen hier für jeden Einzelnen maßgeschneiderte Informationen und News finden, die damit auch eine besonders hohe Relevanz haben.


 


Mit der Übernahme von Pulse geht man nun noch einen Schritt weiter. Pulse ist eine Anwendung, die das Lesen von Nachrichten leichter und unterhaltsamer macht, in dem der User Newsfeeds von seinen favorisierten Blogs, Magazinen, sozialen Netzwerken und Zeitungen in eine Art interaktives Nachrichtenmosaik integrieren kann. Künftig werden sich LinkedIn-User alle diese Informationen auf ihrer persönlichen Startseite als Updates anzeigen lassen können.


 


Im Rahmen des LinkedIn Influencer-Programms kann man nun auch prominenten US-Persönlichkeiten wie Meg Whitman, Jack Welch oder Deepak Chopra folgen. Richtig, "Followen" erinnert an Twitter, aber mit dem Unterschied, dass die Influencer echte Artikel veröffentlichen, nicht nur Kurznachrichten mit maximal 140 Zeichen. Veröffentlicht ein Influencer ein Update, erscheint dieses sofort im Newsfeed des eigenen Accounts.


 


Damit fährt das Unternehmen mit Sitz in Mountain View, Kalifornien, letztlich einen Frontalangriff auf Internetportale wie beispielsweise Yahoo. Das Ziel ist klar: LinkedIn soll für Geschäftsleute nicht nur zur ersten Anlaufstelle im Internet werden, sie sollen auch möglichst viel Zeit auf der Plattform verbringen.


 


Und wenn die User schon mal da sind, können Sie auch immer größere Teile der geschäftlichen Kommunikation über LinkedIn abwickeln. Ist man erstmal mit allen geschäftlichen Kontaktpersonen vernetzt (d.h. hat man diese als Kontakte bestätigt oder ist selbst als Kontakt bestätigt worden), so kann man über die Plattform auch Nachrichten austauschen. Das ist einfacher als eine E-Mail zu schicken, weil man nicht extra eine E-Mail-Adresse des Adressaten benötigt.


 


Ähnlich wie Facebook im privaten Bereich könnte also LinkedIn im beruflichen Sektor immer mehr den E-Mail-Verkehr ersetzen - was dazu führt, dass die User noch mehr Zeit auf der Plattform verbringen.


 


LinkedIn feuert aus allen Rohren


 


Das wiederum macht LinkedIn immer interessanter für Werbetreibende, weil die Wahrscheinlichkeit entsprechend größer ist, potenzielle Kunden über das Netzwerk zu finden. Über so genannte Sponsored Updates wird zielgruppenorientierte Werbung geschaltet, wodurch die Streuverluste reduziert werden. Auch hier gibt es deutliche Parallelen zu Facebook, genauso wie im Bereich Mobile Internet.


 


Die neuen iPhone- und Android-Apps von LinkedIn kommen bei den Usern gut an und erhalten entsprechend hohe Ratings. Im ersten Quartal erfolgten bereits 30 Prozent aller Zugriffe auf die Seite über die Apps.


 


Zusammengefasst könnte man sagen: LinkedIn feuert aus allen Rohren. Aber ist die Aktie auch nach einer Verdopplung seit November und einem Anstieg am Donnerstag auf über 200 US-Dollar noch ein Kauf?


 


Schauen wir uns die nach Handelsschluss am Donnerstag veröffentlichten Quartalszahlen an: Ein Umsatzanstieg um satte 72 Prozent auf 324,7 Millionen US-Dollar führte zu einem Nettogewinn von 22,6 Millionen US-Dollar. Das ist mehr als viermal soviel wie im ersten Quartal 2012.


 


Der operative Gewinn (vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen = EBITDA) sprang auf 83,4 Millionen US-Dollar oder 26 Prozent des Umsatzes nach 38,1 Millionen US-Dollar oder 20 Prozent des Umsatzes im Vorjahresquartal. Das heißt: LinkedIn wächst extrem schnell und verbessert auch seine ohnehin hohe Profitabilität immer weiter.


 


Im zweiten Quartal sollen es dann zwischen 342 und 347 Millionen US-Dollar Umsatz werden bei einem EBITDA von 77 bis 79 Millionen US-Dollar. Letzteres wird damit leicht unterhalb des ersten Quartals prognostiziert, was jedoch nur ein temporärer Effekt sein soll.


Für das Gesamtjahr wurde die EBITDA-Prognose leicht auf 330 bis 345 Millionen US-Dollar angehoben. Auch die Umsatzerwartung für das Gesamtjahr 2013 nahm LinkedIn leicht nach oben. Zwischen 1,43 und 1,46 Milliarden US-Dollar sollen es werden. Das sind immerhin knapp 50 Prozent mehr als in 2012.


 


Der Pferdefuß an der Geschichte ist die Kapitalisierung des Unternehmens. Der Markt billigt LinkedIn beim aktuellen Kurs von 181 US-Dollar eine Bewertung von fast exakt 20 Milliarden US-Dollar zu. Das ist mehr als das 20-fache des für 2013 erwarteten Umsatzes und das 134-fache des erwarteten Nettogewinns. Selbst auf Basis der Analystenschätzungen für 2014 liegt das KGV noch bei 87.


 


Im Gegensatz zu Amazon, das die Gewinne seit Jahren fast komplett ins eigene Geschäft reinvestiert, was das KGV verzerrt und zu einem unnatürlich hohen Wert führt, hat das KGV bei LinkedIn durchaus eine gewisse Aussagekraft. LinkedIn ist enorm hoch bewertet.


 


Auch ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 20 erinnert an die Zeiten der Dot-Com-Blase aus dem Jahr 2000. Die Amerikaner sagen hierzu auch gerne "Priced for Perfection". Selbst wenn die ambitionierten Wachstumspläne voll und ganz in Erfüllung gehen, hat LinkedIn auf Sicht von ein, zwei Jahren kaum mehr Kurspotenzial.


 


Gibt es dagegen auch nur den Hauch einer schlechten Nachricht ist die Aktie anfällig für Rückschläge. Das zeigt die Reaktion des Marktes auf die etwas niedriger als erwartet ausgefallene EBITDA-Prognose fürs zweite Quartal. LinkedIn verliert am Freitag bis Redaktionsschluss (19 Uhr) ziemlich exakt zehn Prozent an Wert.


 


MEIN FAZIT:


 


- LinkedIn ist ein exzellentes und schnell wachsendes Unternehmen, das im Gegensatz zu Facebook mit der Jobplattform eine echte Killerapplikation hat.


 


- LinkedIn ist bereits heute die am 23-häufigsten aufgerufene Internetseite und könnte künftig zur wichtigsten Seite fürs Berufstätige werden.


 


- Auf Grund der exorbitant hohen Bewertung rate ich nicht mehr zum Kauf der Aktie.


 


- Sehr wohl rate ich Ihnen jedoch zur Eröffnung eines eigenen LinkedIn-Accounts unter www.linkedin.de. Gerne können Sie mich dort auch kontaktieren. Sie können so die Weiterentwicklung der Plattform quasi live verfolgen.



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