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Kolumnist: Bernd Niquet

Lasst doch jeden selbst entscheiden! - Osterkolumne




10.04.20 09:08
Bernd Niquet

In diesem Jahr hat der Osterhase die Eier zerbrochen. Und wir stehen vor einer Aufgabe, die nichts Geringerem entspricht als der Quadratur des Kreises.

Ich werde heute einen Vorschlag machen, der da lautet: Vielleicht kommen wir mit einer marktwirtschaftlichen Lösung auch bei Corona weiter als mit dem gegenwärtig praktizierten sozialistischen Planwirtschaftsdenken unserer Politik.


In den Wochen nach Ostern werden wir uns in irgendeiner Form wieder öffnen müssen. Denn wenn wir pleite gehen, können wir niemandem mehr helfen. Wohlstand ist das beste Mittel gegen Krankheit. Allein unser Shutdown in den Industrieländern wird nämlich ohnehin geschätzt 35 bis 65 Millionen Menschen weltweit in die absolute Armut stürzen.


Es gibt aber auch abseits aller wirtschaftlicher Gedanken keine Alternative dazu. Denn so lange wir keinen Impfstoff gegen das Virus haben, müssen wir uns auf den Weg zur Herdenimmunität machen.


In meiner letzten Kolumne habe ich vorgerechnet, dass, wenn die Zahlen stimmen, die uns täglich bis auf die letzte Stelle genau in den Fernsehnachrichten präsentiert werden, wir 27 Jahre brauchen, um die Herdenimmunität zu erreichen, ohne die Krankenhäuser an ihre Belastungsgrenze zu bringen.


Ich bin allerdings ziemlich sicher, dass die Zahlen nicht stimmen. Es sind extrem viel mehr Menschen infiziert als offiziell erfasst. Und das ist durchaus eine gute Nachricht, denn dann wären wir bereits viel weiter als es bisher den Anschein hat.


Doch wie soll das jetzt laufen mit der Öffnung?


Ich muss hierbei immer an den 6. Juni 1944 denken, den D-Day der Landung der Alliierten in der Normandie, der wir alle unsere heutige Freiheit zu verdanken haben. Damals mussten die Befehlshaber entscheiden, welche Soldaten in die Boote musste, die als erste am Strand anlanden würden. Diese Menschen wurden bewusst geopfert, geopfert für unsere Freiheit. Denn die Überlebenschancen dieser Männer im Abwehrfeuer der Verteidiger waren nur gering.


Der Vergleich passt zum Glück nicht, die Frage bleibt jedoch: Wer zuerst? Die Kinder in den Schulen, weil bei ihnen das Gesundheitsrisiko am kleinsten ist? Oder diejenigen, die es wirtschaftlich am Nötigsten haben?


Eine Antwort auf diese Frage kann nicht einmal der Ethikrat liefern. Und wenn ich mir unsere Politiker in dieser Hinsicht anschaue, wird mir ganz schlecht. Sie sind zwar gut im Absperren, im Abriegeln, Überwachen und in den sozialistischen Verteilungsfragen, doch hier? Gott bewahre.


Ich denke, die Schulen zu öffnen, ist in jeder Hinsicht vernünftig. Doch ansonsten habe ich gegenüber jeder administrativen Entscheidung Bedenken. Soll die Kanzlerin jetzt als gleichsam wohlwollende Diktatorin entscheiden, was die gesamte Gesellschaft zu tun hat? Oder dem Bundestag den entscheidenden Vorschlag machen?


Soll die Kanzlerin, die schon bei der Frage versagt hat, wer in unser Land hineinkommen soll, jetzt die Macht bekommen, (mit) zu bestimmen, wer als Erstes herausgeht? Gott bewahre.


Warum überlassen wir das daher nicht eigentlich jedem selbst?!


Wir sind doch alle mündige Bürger. Heute weiß doch jeder um die Risiken. Wer also seinen Laden wieder aufmacht, weiß, was er tut. Und wer sehr oft einkaufen geht, weiß auch, was er tut. Und wir alle zusammen wissen, wenn die Krankenhäuser voll sind, dann sind sie voll.


Ja, warum keine Marktlösung? Lassen wir doch jeden selbst entscheiden. In gewissen Grenzen natürlich, und diejenigen, die in Quarantäne bleiben wollen, sollen finanziell unterstützt werden.


Schließlich leben wir doch in einem Land, in dem jeder mit unbegrenzter Geschwindigkeit auf der Autobahn gegen einen Brückenpfeiler fahren, sich totsaufen und durch Zigaretten die Lunge zerfressen lassen kann. Auch das fordert unser Gesundheitssystem enorm. Und da gibt es keinen Diktator, der das verbietet.


Warum also hier?


Das ist natürlich keine Patentlösung, doch man könnte ja einmal darüber nachdenken.




Ich wünsche Ihnen trotz allem ein schönes Osterfest!


Und schauen Sie auf die Börsen. Wie sie und was sie antizipieren!




Bernd Niquet




berndniquet@t-online.de




(P.S.: Diese Kolumne sei Paul C. Martin gewidmet, von dessen Tod im Alter von 80 Jahren ich gerade erst erfahren habe. Für mich war er der Größte, und ich habe ihm persönlich sehr viel zu verdanken. Sein Buch „Aufwärts ohne Ende“ ist für mich noch heute der Wegweiser überhaupt. In einer der nächsten Kolumnen werde ich seine darin entwickelte Theorie einmal darstellen.)







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