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Langjährige Hausse noch nicht beendet




04.12.18 13:05
Swisscanto Invest

Zürich (www.aktiencheck.de) - Konjunktur: Die Weltwirtschaft befindet sich in einer Phase der Wachstumsverlangsamung, die konjunkturellen Kräfte haben vielerorts zuletzt nachgegeben, so die Experten von Swisscanto Invest.

Die vorauslaufenden Konjunkturindikatoren würden noch keine Entwarnung geben. Zudem würden die politischen Unsicherheiten, allen voran der Handelskonflikt zwischen den USA und China, auf den weiteren Aussichten lasten. Allerdings sei das aktuell schwache Wachstum teilweise auf Sonderfaktoren zurückzuführen. So dürfe für die Eurozone im 4. Quartal wieder mit einem höheren Wachstum gerechnet werden. Der Brexit-Deal stehe in der Schwebe. Mangels Zeit und mehrheitsfähiger Alternativen dürfte das britische Parlament dem Austrittsabkommen aber letztlich zustimmen. Trotz der politisch und ökonomisch schwierigen Lage bleibe Swisscanto Invest insgesamt vorsichtig optimistisch für die Weltkonjunktur, würden sich doch die internationalen Arbeitsmärkte erfreulich entwickeln.

Finanzmärkte

Die Skepsis der Investoren über den weiteren Verlauf der globalen Wirtschaft habe den Aktienmärkten in den vergangenen Wochen deutliche Kursverluste beschert. Die USA hätten zu den Hauptverlierern gehört. Swisscanto Invest sei der Ansicht, dass die Korrektur an den Aktienmärkten die Eintrübung der globalen Konjunktur überzeichne. Die US-amerikanische Notenbank werde als einzige der bedeutenden Zentralbanken im Dezember einen Zinsschritt ankündigen. Der jüngst beobachtete Renditerückgang sei nach Ansicht von Swisscanto Invest nur vorübergehend.

Investoren sind zu pessimistisch

Insgesamt bleibe Swisscanto Invest trotz der politisch und ökonomisch schwierigen Lage vorsichtig optimistisch. Diese Zuversicht gründe hauptsächlich auf der nach wie vor komfortablen Entwicklung an den internationalen Arbeitsmärkten. So nehme die Beschäftigung in den Industriestaaten weiterhin stattlich zu, begleitet von einem, nicht nur in den USA zu beobachtenden, anziehenden Lohnwachstum. In der Summe ergebe sich daraus eine beachtliche Steigerung der Haushaltseinkommen, welche, so die Annahme, nicht auf die hohe Kante gelegt, sondern konsumiert werde. Darüber hinaus biete eine insgesamt expansivere Fiskalpolitik zusätzliche Unterstützung für die angeschlagene Konjunktur. Insbesondere in China seien bereits eine ganze Reihe stimulierender Maßnahmen beschlossen worden, um das Wachstum zu stützen. Aber auch in Europa werde die Fiskalpolitik 2019 so expansiv ausgestaltet, wie seit 2010 nicht mehr. Dennoch lasse sich nicht wegdiskutieren, dass handfeste Abwärtsrisiken für die globale Konjunktur bestünden. Aus Sicht von Swisscanto Invest seien die Investoren zurzeit aber zu pessimistisch gegenüber der Weltkonjunktur eingestellt. Swisscanto Invest gehe deshalb davon aus, dass die Aktienmärkte ihre langjährige Hausse noch nicht beendet hätten und Erholungspotenzial besitzen würden.

US-Aktien und Growth-Anlagestil im Gleichlauf

Ein Blick auf die vergangenen 40 Jahre verrate, dass es immer wieder längere Phasen relativer Stärke des einen oder anderen Stils - Value versus Growth - gegeben habe. Man erkenne ebenfalls, dass seit Mitte 2007 die Vorteile auf Seiten der Growth-Aktien lägen. Ein Vergleich mit den regionalen Aktienmärkten zeige, dass im gleichen Zeitraum die USA deutlich besser abgeschnitten hätten als der Rest der Welt. Dies hänge eben damit zusammen, dass US-Unternehmen ein höheres Gewinnwachstum aufgewiesen hätten als diejenigen der übrigen Regionen. Besonders ausgeprägt gewesen sei dieser Sachverhalt im laufenden Jahr, als die US-Regierung mit ihrer Steuerreform für einen zusätzlichen Gewinnschub gesorgt habe. Dieser Schub werde aber im Laufe des nächsten Jahres immer kleiner, sodass die Gewinnwachstumsraten der US-Unternehmen deutlich abnehmen würden. Zudem gehe Swisscanto Invest davon aus, dass sich die Kostensituation vor allem über steigende Löhne weiter verschlechtere. Demzufolge könnte sich die lange Phase überdurchschnittlicher Gewinne und damit überdurchschnittlicher Kurssteigerungen am US-Aktienmarkt gegenüber dem Rest der Welt dem Ende zuneigen. Swisscanto Invest halte den Markt noch für interessant, die Attraktivität nehme aber ab. Insofern könnte auch eine Renaissance des Value-Stils bevorstehen.

Schwellenländer mit Licht am Ende des Tunnels

Die Aktien der Schwellenländer seien in diesem Jahr kräftig abgestraft worden. Der MSCI Schwellenländerindex bewege sich aktuell rund 21 Prozent unterhalb seines letzten Hochs von Ende Januar, also in einem so genannten Bärenmarkt, von dem man nach technischer Definition ab minus 20 Prozent spreche. Dazu beigetragen hätten länderspezifische Probleme wie zum Beispiel in der Türkei oder Argentinien, der Handelskonflikt der USA vor allem mit China, die steigenden Leitzinsen in den USA in Verbindung mit der US-Dollar-Aufwertung sowie generell eine ausgeprägtere Abnahme der wirtschaftlichen Dynamik als in den Industriestaaten. Die Gewinnwachstumserwartungen der Finanzanalysten seien aber relativ stabil geblieben, sodass die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Schwellenländer deutlich gesunken seien und mittlerweile einen großen Abstand zu denen der entwickelten Märkte, also eine deutlich attraktivere Bewertung, aufweisen würden. Swisscanto Invest erwarte, dass sich einige der oben genannten Belastungsfaktoren kurz- bis mittelfristig verringern würden. So gehe Swisscanto Invest von einer Stabilisierung der Schwellenländerwährungen gegenüber dem US-Dollar aus. Bezüglich einer Lösung des Handelskonflikts sei Swisscanto Invest zwar weiterhin skeptisch, aber jede positive Nachricht dürfte zur Stimmungsaufhellung der Investoren gegenüber den Schwellenländern beitragen. Eine Stabilisierung scheine sich bereits anzudeuten, denn in der jüngsten globalen Aktienmarktkorrektur hätten sich die Schwellenländer relativ gut gehalten.

Gold als Diversifikator

Gold gelte als Angstindikator. Allerdings scheine kaum ein Zusammenhang zwischen der Nervosität am Aktienmarkt, gemessen am Volatilitätsindex VIX, und dem Goldpreis zu bestehen. So schwanke die Korrelation längerfristig betrachtet um null, was auf keinen linearen Zusammenhang hindeute. Doch wie verhalte sich der Goldpreis bei deutlichen Aktienmarktkorrekturen? Betrachte man über die vergangenen 20 Jahre nur die Tage, an denen der US-Aktienmarkt mehr als drei Prozent verloren habe - Korrekturen, wie sie beispielsweise an zwei Handelstagen im Oktober zu beobachten gewesen seien -, so habe Gold im Durchschnitt an sechs von zehn Tagen zugelegt. Insgesamt widerspiegele dies die guten Diversifikationseigenschaften von Gold gegenüber Aktienmarktrisiken. Eine Absicherung (Hedge) scheine Gold aber nur beschränkt zu bieten. Einen stärkeren Zusammenhang als mit der Aktienmarktvolatilität weise Gold hingegen mit der Entwicklung des US-Dollars auf. Steige der Wert des US-Dollars, so sinke der Goldpreis in der Regel. Der jüngste leichte Anstieg des Greenback dürfte dann auch der Grund dafür gewesen sein, dass sich der Goldpreis nicht weiter erholt habe. Da Swisscanto Invest vorerst von einer anhaltenden Stärke des US-Dollars ausgehe, rechne man kurzfristig nicht mit einer deutlich höheren Goldnotierung. (04.12.2018/ac/a/m)






 
 
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