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Kolumnist: Sven Weisenhaus

Kursrutsch an den Aktienmärkten - Kommt die Eurokrise zurück?




27.02.13 10:04
Sven Weisenhaus


Die Partei von Silvio Berlusconi konnte bei der Wahl in Italien überraschend viele Stimmen auf sich vereinen. Die Märkte fürchteten, dass mit ihm auch die Krise zurückkehren könnte, denn seine Politik hat Italien erst dahin geführt, wo es heute steht. Ist also die Angst vor einem wieder erstarken der Eurokrise berechtigt?


Deutschland und Europa gehen Hand in Hand

Im kostenlosen Börsennewsletter Wave Daily hatte ich bereits über den stärkeren BIP-Rückgang in Deutschland im Schlussquartal 2012 berichtet. Statt zuvor gemeldeten -0,5% ging das Bruttoinlandsprodukt sogar um 0,6% zurück. Mit den Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland wurden auch am selben Tag die Daten für die europäische Wirtschaftsleistung veröffentlicht. Und hier wurden exakt die selben Zahlen genannt.


Auch in der Eurozone hat sich die wirtschaftliche Schwäche im vierten Quartal 2012 verschärft. Es kam auch hier, genau wie in Deutschland, im Schlussquartal zu einem Rückgang des BIP um 0,6% gegenüber dem Vorquartal. Damit sank im Euroraum allerdings die Wirtschaftsleistung bereits zum dritten Mal in Folge, wobei sich die Abwärtsdynamik sogar verstärkte.
(Im zweiten Vierteljahr gab es einen Rückgang um 0,2% und im dritten Quartal um 0,1%. In der gesamten EU27 schrumpfte die Wirtschaft um 0,5%, nach einem Plus von 0,1% im dritten Quartal.)


 


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(Quelle: Eurostat) Wachstumsraten des BIP - EU27, Euroraum und Vereinigte Staaten, Veränderung gegenüber dem Vorquartal in %


 



Italiens Wähler hatten einfach keine guten Alternativen

Um zurück auf das Thema Berlusconi zukommen: Italiens Wirtschaft ist Ende 2012 noch stärker geschrumpft als befürchtet. Das Bruttoinlandsprodukt sank dort zwischen Oktober und Dezember um 0,9%. Kein gutes Zeugnis für die aktuelle Regierung und damit für den bisherigen Amtsträger Mario Monti. Dies erklärt zumindest, warum die Wähler sich vielfach gegen die aktuell regierende Partei entschieden haben und sonderlich gute Alternativen gab es einfach nicht.


Wann ist der Tiefpunkt in der Eurokrise erreicht?

Ich gehe allerdings trotz dem neuen Theater um Europa inzwischen davon aus, dass mit den jüngsten Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung im 4. Quartal 2012 der vorläufig stärkste Rückgang des BIP gemeldet wurde. Auch wenn natürlich die (Schulden-)Probleme noch längst nicht gelöst sind, dürften dennoch zumindest die wirtschaftlichen Kennzahlen bald wieder nach oben zeigen. Die Stimmungs- und damit die Frühindikatoren haben zumindest bereits Signale in diese Richtung gezeigt.


Industrieproduktion legt in Europa wieder zu

So ist zum Beispiel die Produktion im Dezember 2012 gegenüber dem Vormonat im Euroraum (ER17) um 0,7% und in der EU27 um 0,5% gestiegen. Im November ging die Produktion noch um 0,7% bzw. 0,6% zurück und im Oktober sogar um 1,0% bzw. 0,8%.


 


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(Quelle: Eurostat) Industrieproduktion im Euroraum und in der EU27


 



Angesichts der Grafik zur Produktion des Euroraums und der EU27 ist das natürlich erst ein erster Hoffnungsschimmer.


Anstieg der Arbeitslosigkeit beendet?

Allerdings scheint auch der dramatische Anstieg der Arbeitslosigkeit so langsam ein Ende zu finden. Im Euroraum (ER17) lag die Arbeitslosenquote im Dezember 2012 stabil bei 11,7%. Und auch in der EU27 kam es zu keinem weiteren Anstieg. Hier lag die Arbeitslosenquote genau wie im November nun bei 10,7%.


 


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(Quelle: Eurostat) Arbeitslosenquote im Euroraum und in der EU27


 



Ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit vielleicht endlich beendet? Dies bleibt abzuwarten.


Es gibt klare Gründe für Zweifel

Und leider gibt es auch noch genügend Gründe um an einer positiven Entwicklung zu zweifeln. So könnte es sich bei der positiven Entwicklung in einigen Daten auch nur um eine kurzzeitige Erholung handeln. Andere Daten zeigen nämlich noch einen klaren Abwärtstrend an.


So zum Beispiel das Absatzvolumen des Einzelhandels, welches im Dezember 2012 gegenüber November 2012 im Euroraum (ER17) um 0,8% und in der EU27 um 0,6% erneut gefallen ist.


 


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(Quelle: Eurostat)  Absatzvolumen des Einzelhandels im Euroraum und in der EU27


 



Die Grafik zeigt sogar einen sich beschleunigenden Trend.


Und auch die saisonbereinigte Produktion im Baugewerbe ist im November 2012 gegenüber dem vorherigen Monat gefallen, im Euroraum (ER17) um 0,4% und in der EU27 um 0,9%.


Hinzu kommt, dass die Investitionsquote der Unternehmen im dritten Quartal 2012 gegenüber dem zweiten Quartal 2012 sowohl im Euroraum (ER17) als auch in der EU27 gefallen ist.


Fazit

Die Signale sind sicher noch nicht geeignet, um über ein Ende der Krise zu berichten. Lediglich einige Frühindikatoren geben Grund zu der Annahme, dass es in 2013 endlich zu einer leichten Erholung kommen könnte. 2013 wird garantiert kein grandioses Jahr des Aufschwungs, sondern vielleicht das Jahr der Bodenbildung, welches einen Aufschwung einleiten könnte.


Die aktuellen Kursverluste sind insbesondere im EuroStoxx50, dem europäischen Aktienindex, sicher nicht unbegründet und könnten sich noch deutlich ausweiten. Meine Erwartungen an die Aktienmärkte sind aber dennoch längerfristig positiv, so dass es sich bei der aktuellen Korrektur, und das schrieb ich bereits in meinem letzten Beitrag hier auf Stock-World, keineswegs um den Beginn eines neuen Bärenmarktes handelt, sondern lediglich eine Korrektur.


 


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Ich wünsche Ihnen gute Gewinne


Sven Weisenhaus





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