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Kolumnist: Bernd Niquet

Die Krise als Muster für später?




27.02.20 08:36
Bernd Niquet

Wie schlimm wird die Krise, die da jetzt auf uns zukommt? Ich denke, wir werden sie überstehen. Sorgen macht mir eher, was sich dadurch für Bilder ergeben, die man ansonsten nicht sehen würde.

In China werden derzeit die Menschen rund um die Uhr komplett überwacht. Überall gibt es Checkpoints, an denen sich die Menschen mit dem Handy einchecken müssen, so dass der Staat heute bei jedem einzelnen Bürger weiß, wo er zu welcher Minute gewesen ist.


Ob dieses System hinterher nach Eindämmung des Virus´ wohl wieder aufgegeben wird?


Und in Deutschland könnte durchaus bald der Notstand ein Thema werden. Die in Berlin regierenden SED-Nachfolgeparteien spielen ja bereits mit dem Gedanken, Berlin oder Teile davon ganz abzuriegeln. Das ist natürlich eine merkwürdig vertraute Vorstellung für einen gebürtigen Berliner wie mich.


Und ich überlege mir, dass man natürlich, wenn man wollte, im Zuge einer chaotischen Notstandssituation durchaus gleichzeitig auch die Augstein-Liste abarbeiten und diejenigen in Quarantäne festsetzen könnte, bei denen das eigentlich medizinisch gar nicht angebracht ist. Denn dann sind sie endlich weg.


Aber das ist natürlich Zukunftsmusik. Vielleicht in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren. Doch man kann trefflich schon heute mal einen Blick in den Zeitspalt werfen.


Denn in einem Notstandschaos mit einem vielleicht weit schlimmeren Virus kann mal letztlich alles machen. Auch das, was wir guten Demokraten heute noch für absolut unmöglich halten.


Gleichzeitig schaue ich derzeit aber auch zurück und beschäftige mich mit der Politik in Italien in den 70er Jahren bis in die 90er Jahre hinein. Auch hier kann man Muster sehen, die schon ziemlich verblüffend sind, wenn man im Deutschland des Jahres 2020 lebt.


Darauf gekommen bin ich durch den Hinweis in der Presse auf den Compromesso storico, den Historischen Kompromiss, als in den 70er Jahren die Christdemokraten entschieden, sich in einer Minderheitsregierung unter Giulio Andreotti von den Kommunisten tolerieren zu lassen.


Verbunden damit war auch die Strategia della tensione, die Strategie der Spannung, was bedeutete, das gesellschaftliche Gefüge durch verdeckte staatliche Aktionen zu destabilisieren und große Bevölkerungsteile zu verunsichern, um so den Parteien der Mitte Zulauf zu bringen.


Heute braucht man dazu allerdings gar keine verdeckten staatlichen Aktionen mehr, heute macht man das ganz offen, indem man die Ungewollten als Nazis diffamiert und auf Listen setzt.


Und wo hat die Geschichte Italien schließlich hingeführt? Dahin, dass die Christdemokraten sich Anfang der 90er Jahre auflösen mussten und die Mitte zu einem Vakuum wurde, in das dann ein neuer Ritter Einzug hielt.


Natürlich wird das bei uns nicht passieren. Nicht so. Denn Geschichte wiederholt sich niemals. Manchmal reimt sie sich jedoch.




Bernd Niquet


berndniquet@t-online.de









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