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Klimawandel - Chancenwechsel




15.03.19 16:35
Franklin Templeton

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Der Klimawandel hat - wie jede Art grundlegender Umwälzung - sehr unterschiedliche Auswirkungen auf Menschen, Orte und Dinge, so die Experten von Franklin Templeton.

Auch auf Unternehmen und Anlagen könne er vielfältige Auswirkungen haben. Krzysztof Musialik, Senior Vice President bei Franklin Templeton Emerging Markets Equity, untersuche, wie der Klimawandel die Weltwirtschaft beeinflusst und neue potenzielle Anlagechancen in Schwellenländern geschaffen hat.

Wir leben zweifellos in einer globalen Wirtschaft und der Klimawandel - einschließlich seiner Ursachen und potenziellen Auswirkungen - ist eines der Themen, die heute am heftigsten diskutiert werden, so die Experten von Franklin Templeton. Es sei ein Thema, das wachrüttle - aber auch eines, das weltweit erhebliche Umwälzungen hervorrufen könnte. Und potenzielle Chancen mit sich bringe. Ganz vorne mit dabei: Die Schwellenländer.

Eine Tatsache, die nicht zur Debatte stehe, sei das rapide Wachstum, das die Schwellenländer in den letzten Jahrzehnten an den Tag gelegt hätten und das einige beeindruckende Veränderungen zur Folge gehabt habe. Durch diese Wachstums- und Entwicklungsexplosion in den Schwellenländern sei jedoch auch die Umwelt zunehmend unter Druck gekommen. Beispielsweise gelte China heute nach den USA als die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, und das Land sei in einer ganzen Reihe von Bereichen weltweit führend. In den 40 Jahren seitdem Deng Xiaoping damit begonnen habe, China im Rahmen einer Wirtschaftsreform hin zu einer "sozialistischen Marktwirtschaft" zu führen, habe der Wohlstand im Land enorm zugenommen. Millionen von Menschen seien aus bitterster Armut herausgeführt worden, und die Lebensqualität im Land habe sich dramatisch verbessert. Dies sei natürlich eine positive Entwicklung. Aber rapides Wachstum und Industrialisierung könnten auch unliebsame Konsequenzen nach sich ziehen - insbesondere in Bereichen wie Umweltzerstörung und Klimawandel.

Natürlich sei China sicherlich nicht das einzige Schwellenland, das ein schnelles Wirtschaftswachstum und eine rasante Entwicklung erlebe. Unter den zehn größten Volkswirtschaften der Welt fänden sich inzwischen drei Schwellenländer, und die Wachstumsraten der Schwellenmärkte insgesamt dürften die der Industrieländer in diesem Jahr und darüber hinaus voraussichtlich übertreffen.

Die Liberalisierung der Märkte und die Globalisierung hätten ein enormes Konsumwachstum sowohl in den Schwellen- als auch in den Industrieländern nach sich gezogen.

Mit der Entwicklung einer neuen Mittelschicht sei in den Schwellenländern inzwischen ein Phänomen zu beobachten, das zuvor allein den Industrieländern vorbehalten gewesen sei. Und diese Verbraucher könnten für ihre Ausgaben auf ein höheres verfügbares Einkommen zurückgreifen. Ein gutes Beispiel hierfür seien Flugreisen. 1978 habe es weltweit 378 Millionen Flugpassagiere gegeben - heute seien es 4 Milliarden. 1978 seien in China 1,5 Millionen Passagiere mit dem Flugzeug befördert worden, 2017 seien es mehr als 551 Millionen gewesen. Das Wachstum des Flugverkehrs habe natürlich seine entsprechenden Folgen: Mehr Flugzeuge würden mehr Treibstoffverbrauch und somit auch mehr Treibhausgasemissionen bedeuten, was für die Umwelt schädlich sein könne.

Es gebe zahlreiche Beispiele dafür, wie die Globalisierung und die Zunahme des Handels zu einem Anstieg des Verbrauchs aller Arten von Konsumgütern beigetragen hätten. Kleidung sei ein Beispiel hierfür. Heute würden US-Amerikaner fünf Mal mehr Kleidung als im Jahr 1980 kaufen. Und wenn man in den USA oder Europa lebe und sich einmal das Etikett der Bluse oder des Hemds ansehe, sei es sehr wahrscheinlich, dass das Kleidungsstück nicht aus dem Heimatland stamme. Acht der zehn größten Textil- und Kleidungshersteller weltweit befänden sich in Schwellenländern. Die Textilproduktion erfordere enorme Mengen an Wasser und verursache Schadstoffemissionen. Mit dem heutigen Schwerpunkt auf "Fast Fashion" könne sie zudem mit erheblicher Verschwendung einhergehen.

Die Schwellenländer würden zahlreiche Güter und Dienstleistungen liefern, die die Welt antreiben würden. Die zunehmende Produktion von Waren erfordere mehr Strom und dieser Strom werde in erster Linie durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt. Die weltweite Kohleförderung sei von 3,3 Mrd. amerikanischen Tonnen im Jahr 1980 auf 8,2 Mrd. Tonnen im Jahr 2010 angestiegen. China sei in der Kohleförderung zwar führend, die chinesische Regierung fördere jedoch eine Politik der umweltfreundlichen Energieerzeugung, die unter anderem auf den weitläufigeren Einsatz von Solaranlagen abziele. Weltweit sei die Nutzung von Kohle in den letzten Jahren zurückgegangen. Nichtsdestotrotz stelle dies auch weiterhin eine wichtige Stromerzeugungsquelle dar.

Auch wenn zweifellos zahlreiche Menschen weltweit vom Wachstum und der Entwicklung profitieren würden, bringe die Lösung eines Problems häufig auch neue Probleme mit sich. Millionen von Menschen haben die Armutsgrenze zwar hinter sich gelassen, unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen dürfte jedoch zum Klimawandel beigetragen haben, der inzwischen allgemein als eines der größten Risiken für die Weltwirtschaft und die Welt insgesamt angesehen wird, so die Experten von Franklin Templeton. Es bestehe allgemein Einigkeit darüber, dass der Schadstoffausstoß aus dem Einsatz fossiler Brennstoffe erheblich zum Klimawandel beigetragen habe.

Der Klimawandel habe auch erhebliche Auswirkungen auf die Investmentwelt. Die Experten von Franklin Templeton sähen vier Arten von Risiken, die mit dem Klimawandel und seinem Einfluss auf Anlagen verbunden seien.

Erstens - Langfristige Risiken, die Auswirkungen auf die Wettbewerbsposition ganzer Länder oder sogar Regionen innerhalb der Weltwirtschaft haben könnten: Der Weltbank zufolge könnten die Folgen des Klimawandels 143 Million Menschen in drei Entwicklungsregionen zu "Klimamigranten" machen, die gezwungen seien, ihre Heimat auf der Suche nach einem zukunftsfähigeren Lebensraum zu verlassen. Zudem könnte die Lebensmittelversorgung stark unter Druck kommen. Niedrig gelegene Küstenregionen seien einem Anstieg des Meeresspiegels und dem zunehmenden Auftreten heftiger Stürme gegenüber anfällig. Dies könnte beispielsweise Auswirkungen auf ein Land wie Bangladesch haben.

Ein weiteres Beispiel wäre Westafrika, das von der Kakaoproduktion abhängig sei. Aufgrund des Klimawandels könnte es in einigen Jahren unmöglich werden, in dieser Region Kakao anzubauen, sodass hier gegebenenfalls ein Umstieg auf andere Anbaukulturen erforderlich sein werde. Eine "klimaintelligente" Landwirtschaft könnte sich als Überlebensbedingung für bestimmte Kulturen erweisen - und dabei auch interessante Investitionsmöglichkeiten eröffnen.

Zweitens - Kurzfristige Auswirkungen auf Rohstoffpreise aufgrund widriger Witterungsverhältnisse: Die Häufigkeit widriger Wetterereignisse nehme zu. Die Wissenschaft gehe allgemein davon aus, dass veränderte Meeresströmungsmuster in Verbindung mit dem sich ändernden Klima zu diesen Wetteränderungen beitragen würden. So seien 2011 beispielsweise die Preise für Kokskohle stark angestiegen, nachdem es in Australien, einem der weltweit größten Exportländer für Kokskohle, zu heftigen Überschwemmungen gekommen sei. Der 2019 veröffentlichte "Global Risks Report" des Weltwirtschaftsforums sehe extreme Wetterbedingungen und ein Versagen der politischen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels über einen Horizont von zehn Jahren als die größte Bedrohung an.

El Niño und La Niña seien regelmäßig auftretende Veränderungen der Meeresoberflächentemperaturen im Pazifischen Ozean, die das Wetter auf der ganzen Welt beeinflussen würden und sowohl positive als auch negative Auswirkungen hätten. Sie seien zwar nicht neu, könnten im Zuge des Klimawandels jedoch stärker und unberechenbarer werden. El Niño sei normalerweise für ein Land wie Indien schlecht, da dieses Phänomen meist unterdurchschnittliche Regenfälle während der für die indische Landwirtschaft so wichtigen Monsunsaison nach sich ziehe. Auch Peru leide unter negativen Auswirkungen auf seine Fischwirtschaft. Nordamerika hingegen verzeichne bei El Niño einen milderen Winter, und in einem südamerikanischen Land wie Argentinien könne hierdurch die Sojabohnenproduktion zunehmen.

Drittens - Kurzfristige Auswirkungen auf bestimmte Unternehmen: Veränderte Wettermuster beeinflussen zahlreiche Unternehmen. So veröffentlichte das deutsche Chemieunternehmen BASF im Dezember 2018 beispielsweise eine Warnung, dass seine Gewinne deutlich niedriger ausfallen würden, da sein Geschäft in diesem Jahr unter dem extrem niedrigen Pegel des Rheins gelitten hatte. Das Unternehmen setzt Binnenschiffe auf dem Fluss ein, um seine Produkte zu verschiffen. Aufgrund des niedrigen Wasserstands im Rhein wurde daher sein Zugriff auf diesen kostengünstigen Transportweg eingeschränkt.

Große Bekleidungsunternehmen würden sich darauf konzentrieren, ihre Herbstmodekollektionen schon mehrere Monate vor Einsetzen der kalten Jahreszeit zu bewerben. Mildere und/oder kürzere Winter hätten jedoch eine Verhaltensänderung bei Kunden hervorgerufen. Die Menschen würden Winterkleidung erst später oder überhaupt nicht kaufen, da sie nicht so viele schwere Mäntel, Wollsachen und dergleichen benötigen würden. Bisweilen müssten Bekleidungsunternehmen schmerzhafte Anpassungen in Form von Vorratsabschreibungen vornehmen, sodass bei Buy-on-Demand-Modellen und Übergangskollektionen ein deutlicher Anstieg zu beobachten sei. Schwankende Temperaturen und Regenfälle würden sich natürlich auch auf den Preis der Rohstoffe auswirken, die für die Herstellung von Textilien verwendet würden. Dies könne sich in Schwellenländern bemerkbar machen, die - wie bereits oben erwähnt - führende Exporteure dieser Waren seien.

Viertens - Der Ausstoß von Treibhausgasen könnte besteuert werden, was die Rentabilität von Unternehmen beeinträchtigen würde: Hierbei gehe es um die Idee, die Nachfrage nach Produkten zu dämpfen, deren Produktionsprozess einen erheblichen Treibhausgasausstoß erfordere. Beispiele hierfür wären die Zementherstellung oder auch Luftreisen, die schädliche Stoffe an die Umwelt abgeben würden. Durch die Besteuerung dieser Produkte und/oder Dienstleistungen würde sich die Nachfrage theoretisch verringern. Gleichzeitig würden Unternehmen stärker in "grüne" Technologien investieren, um dasselbe Produkt bzw. dieselbe Dienstleistung anzubieten, allerdings bei einer geringeren Belastung des Klimas.

ESG-Faktoren (d.h. die Aspekte Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) sind fest in unsere Investmentanalysen integriert, und der Klimawandel ist eines der Kernthemen, die wir beobachten, so die Experten von Franklin Templeton. Die Experten von Franklin Templeton seien sich der potenziellen Risiken bewusst, die der Klimawandel für die Gewinne der Unternehmen, in die sie investieren würden, darstelle. Und die Experten würden davon ausgehen, dass sich der Kampf gegen den Klimawandel künftig nur noch verschärfen werde. Dies könne zusätzliche Kosten oder eine allmähliche Veränderung der Geschäftsmodelle bestimmter Unternehmen bedeuten.

Für besonders belastende Sektoren oder nachgelagerte Produkte, die einen hohen CO2-Ausstoß erfordern, wäre dies ein Kernbereich, den wir hinsichtlich der Auswirkungen auf betriebliche Modelle untersuchen, da Wissenschaftler davon ausgehen, dass CO2-Emissionen eine der Hauptursachen für den Klimawandel darstellen, so die Experten von Franklin Templeton. Der Kampf gegen den Klimawandel betreffe nicht nur die Kohleförderung oder die Stromerzeugung. Auch Zementproduzenten und Fluggesellschaften würden einen hohen CO2-Ausstoß aufweisen.

Allerdings bedeute dies nicht, dass es keine guten Argumente für eine Anlage in diese Arten von Unternehmen gebe.

Im Rahmen unseres Anlageprozesses untersuchen wir, welche Auswirkungen ESG-Risiken auf die Fähigkeit eines Unternehmens zur Erwirtschaftung nachhaltiger Erträge haben werden, so die Experten von Franklin Templeton. Darüber hinaus würden sich die Experten aktiv mit den Unternehmensleitungen über Best Practices austauschen, unter anderem auch im Hinblick auf ESG-Aspekte.

Im Fall von Zementherstellern etwa wären wir bestrebt, in Unternehmen mit der fortschrittlichsten Technologie zur Begrenzung des CO2-Ausstoßes zu investieren, so die Experten von Franklin Templeton. Fluggesellschaften hätten einen erheblichen CO2-Fußabdruck und könnten gezwungen werden, für ihren CO2-Ausstoß zu bezahlen. Daraus würde sich eine deutliche Unterscheidung zwischen Unternehmen mit älteren, weniger effizienten Flotten und denen mit neueren und effizienteren Flugzeugen ergeben. Diejenigen mit höheren CO2-Emissionskosten würden diese womöglich an ihre Kunden weitergeben, wodurch die Nachfrage nach Flugreisen mit bestimmten Anbietern sinken könnte.

Ein Teil unserer ESG-Analyse zielt darauf ab, sicherzustellen, dass wir uns beim Treffen von Anlageentscheidungen dieser Art von Problemen bewusst sind, so die Experten von Franklin Templeton. Die Experten seien bestrebt, ESG-Faktoren in ihre Finanzanalyse zu integrieren, während sie sowohl die Chancen als auch die Risiken potenzieller Anlagen beurteilen würden. Nach ihrer Einschätzung biete ihnen dieses fundamentale Research ein zusätzliches Hilfsmittel zur Unterscheidung zwischen den Unternehmen.

Beim Klimawandel gehe es nicht nur um Risiken. Er schaffe auch potenzielle Chancen. Besonders offensichtlich sei dies wohl bei Unternehmen im Bereich der sauberen Energien. Eine Verlagerung hin zu erneuerbaren Energien erhöhe zudem die Notwendigkeit, tragbare Lösungen für die Stromspeicherung zu entwickeln. Aus Sicht der Experten dürften Unternehmen in Südkorea und China hinsichtlich der Entwicklung von Batterien für die Stromspeicherung sowie für Elektrofahrzeuge wohl führend sein.

Ein anderer Bereich, in dem die Experten von Franklin Templeton erhebliches Potenzial sähen, betreffe die Entwickler und Hersteller von Sensoren. Die 5G-Mobilfunktechnologie und das Internet der Dinge würden die Genauigkeit bei der Überwachung der Nutzung von Ressourcen wie Wasser und Strom sicherlich verbessern. Darüber hinaus bestehe ein zunehmender Bedarf an der Eliminierung von Abfall, sei es durch Recycling oder etwa durch Wasseraufbereitung - nach Meinung der Experten ein weiterer Bereich, in dem sich Chancen auftun würden.

Dies seien nur einige wenige Beispiele für Chancen, die der Klimawandel mit sich bringen könnte. Die Experten von Franklin Templeton würden davon ausgehen, dass sich weitere herausbilden würden, sobald die Welt erkenne, welche Risiken hiermit einhergehen würden. Aber eines gelte für jede Art von Wandel: Es gebe immer Menschen, Orte oder Branchen, die verdrängt würden, bis neue Lösungen zum Vorschein treten würden. Und die Experten von Franklin Templeton seien optimistisch, dass dies der Fall sein werde. (15.03.2019/ac/a/m)







 
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