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Kolumnist: Geldanlage-Report

Kilian Kerner: Riesenchance oder zu hohes Risiko?




13.05.13 15:35
Geldanlage-Report

http://www.geldanlage-report.de


 


Lieber Geldanleger,


träumen Sie davon, einmal im Leben einen Ten-Bagger im Depot zu haben? Also eine Aktie, die sich im Wert verzehnfacht oder sogar noch stärker steigt?


Mit Solarworld war das möglich, von 2003 bis 2007 katapultierten Spekulanten die Aktie von (splitbereinigt) 0,25 Euro bis auf ein Allzeit-Hoch von 48,80 Euro Ende 2007.


Das war in der Spitze fast eine Verzweihundertfachung. Lesen Sie, warum Kilian Kerner theoretisch ein ähnliches Potenzial hat, die Risiken aber ebenfalls beträchtlich sind...


Wer exorbitant hohe Gewinne mit Aktiengesellschaften erzielen möchte, der sollte in der Frühphase der Unternehmensentwicklung investieren. Das ist für Kleinaktionäre aber oft unmöglich, weil die meisten Firmen erst an die Börse gehen, wenn sie eine kritische Größe erreicht haben. Zuvor erfolgen Investments eher außerbörslich durch Seed-Investoren oder Venture-Capital-Firmen.


Das IPO, in dessen Rahmen der Öffentlichkeit Aktien angeboten werden, erfolgt dann bei besonders wachstumsträchtigen Firmen zu entsprechend hohen Preisen, die das Chance-Risiko-Verhältnis drastisch verschlechtern. Jüngstes Paradebeispiel: Der Börsengang von Facebook!


Manchmal gibt es aber auch Börsenneulinge ohne IPO, also ein reines Listing ohne begleitende Kapitalerhöhung. Das ist ungewöhnlich, weil Firmen ja gemeinhin an die Börse gehen, um sich neues Kapital zu holen. Bei einem reinen Listing nimmt das betreffende Unternehmen aber keinen Cent ein. Hier ist für Sie als Anleger Vorsicht geboten! Häufig geht es in solchen Fällen vor allem darum, den Altaktionären einen Abverkauf ihrer Bestände zu ermöglichen. Die Firma selbst und die Aktie verschwinden dann anschließend in der Versenkung.


Doch es gibt auch rühmliche Ausnahmen. Die Weng Fine Art AG zum Beispiel avancierte nach einem reinen Listing im Januar 2012 mit einer Kurssteigerung von in der Spitze 478 Prozent zur deutschen Aktie mit der besten Kursentwicklung im Jahr 2012. Die Leser meines Premium-Briefes Nebenwerte-Trader hatte ich übrigens frühzeitig per Kaufempfehlung und Musterdepotaufnahme auf diese Aktie hingewiesen.


Dem Gründer Rüdiger Weng ging es mit dem Börsenlisting primär darum, das eigene Unternehmen bekannter zu machen und die eigenen Aktien als Akquisitionswährung einsetzen zu können. Inzwischen wurde auch eine Kapitalerhöhung durchgeführt, zu deutlich höheren Kursen als beim Listing. Bei Weng war es sogar so, dass der erste Kurs am ersten Börsentag (splitbereinigt 3,20 Euro) der bis dato niedrigste Kurs überhaupt war. Das ist natürlich vorbildlich.


Nicht vorbildlich, aber trotzdem spannend


Alles andere als vorbildlich waren dagegen die Begleitumstände beim Börsengang des Berliner Modelabels Kilian Kerner. Hier wurde die Kapitalerhöhung "im Vorfeld des Börsenganges" durchgeführt, wo nach Angaben in der Pressemeldung "institutionelle Investoren Aktien im Wert von rund einer Million Euro gezeichnet haben". Nicht angegeben wurde dabei aber, welchen Preis diese Investoren bezahlt haben bzw. wieviel Prozent des Unternehmens sie für eine Million erworben haben.


Es ist davon auszugehen, dass es deutlich weniger waren als die 2,34 Euro zu denen am 02. Juli 2012 die ersten Handelsumsätze erfolgten. Gut acht Wochen nach dem Listing war die Aktie dann schon auf ein lokales Tief von 1,00 Euro gefallen. Der Anteil des Großinvestors Moto Fashion ist bis zum Mai 2013 von 62 Prozent zum Zeitpunkt des Börsengangs auf aktuell (stand 07.05.2013; laut Unternehmenspräsentation) 39 Prozent gefallen.


Dieser Rückgang ist teilweise auf den verwässernden Effekt der Kapitalerhöhung am 05. März 2013 zurückzuführen, in deren Rahmen 620.000 neue Aktien an einen institutionellen Investor verkauft worden sind (zu einem Preis "nahe des XETRA-Börsenkurses", wie es in der Pressemitteilung heißt). Hauptsächlich aber dürften es Aktienverkäufe von Moto Fashion gewesen sein.


Das ist das gute Recht von Moto, sofern keine Sperrvermerke für die Aktien vorhanden sind. Aber das konstante Angebot an Aktien, die in den Markt gegeben wurden, sorgte natürlich dafür, dass der Aktienkurs - trotz guter operativer Entwicklung - gar nicht in Schwung kommen konnte. Hier sind wir dann wieder beim eingangs erwähnten Hinweis, reine Listings sehr kritisch zu beäugen und tendenziell eher die Finger davon zu lassen.


Doch nichts ist so schlecht, dass es nicht auch für etwas gut ist. Durch den niedrigen Kurs und die nur relativ geringe Verwässerung von ca. zehn Prozent durch die Kapitalerhöhung ist die Börsenbewertung (Marktkapitalisierung) des Unternehmens entsprechend niedrig. Beim aktuellen Kurs von 1,50 Euro ist Kilian Kerner bei 6,86 Millionen ausstehenden Aktien nur 10,3 Millionen Euro schwer.


Im Gegenzug bekommen Sie als Anleger beim Kauf der Aktie ein Modelabel, das gerade regelrecht abzuheben scheint. Nachdem sich die Berliner auf dem deutschen Markt etabliert haben, u.a. mit zwei eigenen Läden (so genannten Flagship-Stores) in Berlin und Wiesbaden, geht es nun auch international Schlag auf Schlag.


In der Herbst-/Wintersaison 2012/2013 konnten zahlreiche Neukunden gewonnen werden, was dazu führte, dass Kilian Kerner mittlerweile in vierzehn Ländern, darunter USA, Japan, Frankreich, Italien und England, verkauft.


Der Erfolg spiegelt sich auch in nackten Zahlen wider: Im ersten Halbjahr 2012 beliefen sich die Umsätze noch auf magere 150.000 Euro. Die unternehmenseigene Prognose von drei Millionen Euro für das Gesamtjahr schien auf den ersten Blick extrem optimistisch. Geworden sind es nun aber sogar etwas mehr als fünf Millionen Euro. Umso mehr lässt die Prognose für 2013 und 2014 aufhorchen: Die Umsätze sollen auf 20,3 bzw. 46,6 Millionen Euro regelrecht explodieren.


Diese Entwicklung ist nach Aussage von Kilian Kerner selbst auch ein Verdient von Norbert Neef, dem Berliner Anwalt, der als Kapitalgeber hinter Moto Fashion steht. Neef habe von Anfang an darauf gedrängt neben der "Laufstegware" eine zweite Bekleidungslinie auf den Markt zu bringen, die auch für "normale" Bürger erschwinglich ist. Kerner stimmte zu und Kilian Kerner Senses entstand, das momentan für den Großteil der Umsätze verantwortlich ist.


Für 2014 wird dann auch der Sprung in die Gewinnzone angestrebt, zumindest operativ und vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA). Schon im September letzten Jahres schwärmte der damals neu angetretene CEO Manfred Volz in einem Interview mit financial.de: "Uns erreichen gegenwärtig praktisch fast täglich Erfolgsnachrichten aus allen Ecken der Erde. So ist die gerade erst im August nach Japan ausgelieferte Herbst/Winter-Kollektion 2012/2013 bereits ausverkauft und wurde jetzt in der dreifachen Menge nachgeordert."


Interessant: Im selben Interview spricht der für die Finanzen mitverantwortliche Mario Windisch von einem Umsatzziel von 7,6 Millionen Euro in 2013 und von über zehn Millionen Euro in 2014. Vergleichen Sie das mit den neuen Prognosen oben und Sie bekommen ein Bild davon wie die Nachfrage nach der Marke Kilian Kerner aktuell abzuheben scheint.


Wo sind die Investoren?


Große Probleme gab es bisher offenbar aber bei der Suche nach finanzkräftigen Investoren. Im Zuge der beiden Kapitalerhöhungen wurden insgesamt ja nur rund 1,6 Millionen Euro eingenommen. Das reicht nicht mal ansatzweise, um die Kosten zu decken. Alleine die Teilnahme an einer großen Modenschau verschlingt schon mehrere hunderttausend Euro. Hinzu kommen Kosten für die Produktion (bisher produziert man aus Qualitätsgründen in Europa), Logistik, Werbung etc.


Der EBITDA-Verlust in 2012 lag bei 2,58 Millionen Euro. Rund 1,2 Millionen Euro davon dürften aus Firmenwertabschreibungen auf die operativen Töchter KK Fashion GmbH, KK Licence UG und F.E.N. Fashion Entertainment Network UG herrühren (die per Sachkapitalerhöhung in die AG eingebracht worden sind).


Das hat nichts mit einer eventuellen Wertminderung dieser Töchter zu tun, sondern ist rechtlich so vorgeschrieben, weil Kilian Kerner nach HGB bilanziert. Das ist wesentlich konservativer als der amerikanische Standard IFRS und führt tendenziell zur Bildung stiller Reserven (z.B. durch eine Steigerung des Markenwerts Kilian Kerner. Der Stärke der Marke ist in der Modebranche enorm wichtig).


Diese Firmenwertabschreibungen sind aber nicht cashwirksam. Das heißt, es erfolgt kein Barmittelabfluss, die Verluste sind rein buchhalterischer Natur. Dennoch steigt mit dem Erfolg natürlich auch der Kapitalbedarf, solange die kritische Umsatzgrenze (die laut Volz bei mindestens 30 Millionen Euro liegt) ab der positive freie Cashflows erzielt werden können, noch nicht erreicht ist.


Dieser Kapitalbedarf, dessen Höhe vom Unternehmen bisher in keiner Form quantifiziert worden ist, stellt auch den Knackpunkt für uns als potenzielle Aktionäre dar. Konkret: Ist eine neue Kapitalerhöhung erforderlich und wenn ja, zu welchem Kurs wird sie erfolgen?


Dahinter steht natürlich auch die Frage, warum sich bisher keine größeren Investoren gefunden haben? In Internetforen wie wallstreet:online wird kolportiert, das Unternehmen habe auf Roadshows intensiv nach solchen Investoren gesucht, aber dabei bis auf eine Ausnahme keinen Erfolg gehabt.


Andererseits war in besagtem Interview von Ende September 2012 zu lesen, Kilian Kerner sei bis dato noch nie auf Roadshow gewesen und habe auf keiner Investorenkonferenz präsentiert.


In der Zwischenzeit hat sich das operative Geschäft rasant weiterentwickelt und der besagte Investor (angeblich ein Family Office aus der Schweiz) hat laut Pressemeldung vor, sein Investment noch weiter auszubauen.


Wahrscheinlich ist meiner Meinung nach eine weitere Kapitalerhöhung. Die Frage ist aber zu welchem Kurs diese erfolgen wird. Findet sie im Bereich von 1,50 Euro statt und soll eine nennenswerte Summe von sagen wir zehn Millionen Euro platziert werden, so würde damit die Zahl der ausstehenden Aktien fast verdoppelt werden.


Das würde mit einer extremen Verwässerung einhergehen, die auch nicht im Interesse von der Person Kilian Kerner wäre. Dieser hält aktuell noch zwanzig Prozent an "seinem" Unternehmen. Dieser Anteil würde dann gegebenenfalls bei einer Kapitalerhöhung in der genannten Größenordnung bei Ausschluss des Bezugsrechts auf zehn Prozent fallen.


In einem solchen Fall würde wahrscheinlich auch der Kurs zunächst bei 1,50 Euro stagnieren, was natürlich speziell für Aktionäre, die seit dem Börsengang dabei sind, eine extrem unbefriedigende Situation wäre. Stellen Sie sich vor, Sie sind seit fast einem Jahr Aktionär bei einer Firma, die sich operativ toll entwickelt, sitzen aber mit ihren Aktien trotzdem in der Verlustzone. Frustrierend, oder?


Genau das wäre der Fall bei vielen Kilian Kerner-Aktionären der ersten Stunde, wenn tatsächlich eine Kapitalerhöhung unter 2,00 Euro kommen würde.


Die Alternative ist klar: Die Investor Relations-Arbeit noch weiter intensivieren und den Kontakt zu den Medien suchen! Dass das Management in der Lage dazu ist, daran dürfte kein Zweifel bestehen, geht man doch bei der Vermarktung des eigenen Labels äußerst geschickt vor.


So eroberte Kilian Kerner mit seiner emotionalen Mode das Herz von Schauspielern wie Karoline Herfurth (die er sich beim Designen als Trägerin seiner Entwürfe vorstellt) oder Tom Schilling. Models wie Eva Padberg und Karolina Kurkova lassen sich gern mit Kilian Kerner ablichten. Auch Anke Engelke gilt als Fan des gebürtigen Kölners, der ursprünglich Schauspieler werden wollte.


Die einflussreiche Modekritikerin Suzy Menkes antwortete auf die Frage, wann es wieder einen weltberühmten Modedesigner aus Deutschland geben wird, schon 2010 mit: "Kilian Kerner halte ich für sehr einfallsreich."


Fakt ist: Je präsenter die Unternehmensstory in der Öffentlichkeit ist, umso besser sollte dies für den Aktienkurs sein. Vorausgesetzt die Aktienverkäufe von Moto Fashion laufen bald aus.


Der Free-Float, also der Anteil frei handelbarer Aktien, dürfte inzwischen bei rund 45 Prozent liegen. Interessierte Investoren könnten sich also zunächst auch quasi heimlich einkaufen. In den letzten drei Handelstagen gingen über XETRA und Frankfurt insgesamt immerhin knapp eine Million Aktien um.


Zu hoffen bleibt, dass das Unternehmen noch genügend Kreditlinien zur Verfügung hat, um eine etwaige Kapitalerhöhung zeitlich weiter nach hinten verschieben zu können. Ich bin mir da nicht so sicher, weswegen ich etwas mehr als die Hälfte der am 07. Mai unmittelbar nach Bekantgabe der Zahlen erworbenen Aktien am Donnerstag wieder abgestoßen habe. Mit dem Rest möchte ich aber länger investiert bleiben. Schließlich läuft man als Aktionär selten einer derart explosiven Konstellation über den Weg.


Gelingt es Kilian Kerner tatsächlich, sich langfristig unter den großen Designern zu etablieren, kann es in Kursregionen gehen, die sich einige heute noch nicht mal ansatzweise vorstellen können.


Dennoch abschließend ein Wort der Warnung: Die Designerbranche ist extrem schnelllebig. Trends kommen und gehen. Ein gutes Beispiel ist die Marke Ed Hardy, die genauso spektakulär aufstieg wie sie anschließend abstürzte.


"Einst schick, nun schäbig" titelte "Die Welt" im September 2011. Allerdings hinkt der Vergleich, denn Kilian Kerner positioniert sich im klassischen Designersegment und mit Kilian Kerner Senses auch im modernen Premiumsegment, weniger im schnelllebigen Trendsektor.


MEIN FAZIT:


- Kilian Kerner ist ein äußerst spannendes und vielversprechendes Investment für spekulative Anleger, die auf hohe Kurssteigerungen abzielen, dafür aber auch bereit sind erhöhte Risiken in Kauf zu nehmen.


- Die positive und rasante operative Entwicklung in Verbindung mit der niedrigen Marktkapitalisierung macht die Aktie explosiv.


- Das Hauptrisiko liegt aktuell in der intransparenten Finanzierung des Unternehmens. Es besteht das Risiko einer Kapitalerhöhung, die unter Umständen die Anteile bestehender Aktionäre stark verwässern könnte.


- Dennoch scheint das Chance-Risiko-Verhältnis auf dem immer noch stark ermäßigten Kursniveau sehr gut, so dass spekulative Anleger eine Anfangsposition riskieren können.


 



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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
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Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
Hamburg 0,149 € 0,00%  10:53
München 0,141 € 0,00%  08:22
Berlin 0,135 € 0,00%  15:30
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