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Kolumnist: Hans-Jürgen Haack

Keine Bäume im Himmel




14.10.15 12:48
Hans-Jürgen Haack

Liebe Leser,

so schön die Erholung an den Aktienmärkten auch ist, die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Zudem hatte ich Ihnen bereits in Nr. 40 gezeigt, wie verzerrt die Wahrnehmung ist, wenn man nur auf den DAX schaut. Das gilt natürlich auch bei steigenden Kursen, denn der DAX-Anstieg wurde v.a. durch die Auto-Aktien verstärkt. Wichtig ist jedoch die Feststellung, dass neue Tiefstkurse nun unwahrscheinlich geworden sind. Aber es gibt auch einige bremsende Faktoren:

Kein breiter Anstieg
Der letzte Anstieg wurde vor allem durch die Sektoren getragen, die zuvor stark gefallen waren, also Automobile plus Auto-Zulieferer sowie den Versorgen. Ein breiter Aufschwung ist noch nicht zu erkennen. Entsprechend hinkten MDAX und vor allem TecDAX zuletzt hinterher. Breit angelegte Käufe in deutschen Aktien sind also (noch) nicht zu erkennen, dies waren auch viele Short-Eindeckungen.

Globale Fonds-Manager in EU-Aktien übergewichtet
Vielmehr sind global agierende Fonds-Manager in EU-Aktien immer noch überinvestiert, bauen dies tendenziell ab. Hier sind auch (arabische) Staatsfonds als Imponderabilie zu nennen, bei denen unklar ist, ob sie wegen des niedrigen Ölpreises „gezwungen“ sind, ausländische Assets abzustoßen, um ihr Wohlstands-Niveau zu behalten. Klar ist aber: Ohne massive Käufe der Ausländer werden deutsche Aktien in der Masse nicht besonders steigen. Wenn, dann würde es zunächst nur ein langsamer Anstieg werden, weil man z.B. der Wall Street folgt.

Stimmung zu schnell verbessert
Die Stimmung hat sich mit den steigenden Kursen zu schnell verbessert. Viel zu oft hören wir nun schon von der Chance einer „Jahresend-Rally“. Vor ein paar Wochen war das noch ganz anders, da fürchtete man wegen China und einer US-Zinserhöhung viel tiefere Kurse. Doch nun steht plötzlich wieder die Alternativlosigkeit der Aktie im Vordergrund. Dieses zu optimistische Sentiment spricht eher für wenig Aufwärtspotential.

Euro wird stärker
Der Euro wird tendenziell stärker. Dies wird die Export-Werte generell belasten. Zwar muss man hier eine Daimler nicht mehr verkaufen, da sie ihre überzogene Korrektur durchlaufen hat, aber neue Käufe haben in diesem Sektor keine Eile. Man darf mit Spannung auf die Ergebnisse des 3. Quartals warten. Das wird sehr unterschiedlich werden. SAP legte vorab schon mal positiv vor. Leoni dagegen mit Gewinnwarnung und 25 % Absturz.

Gas geben, wenn es läuft
Die Unsicherheiten wegen der chinesischen Wachstumsabschwächung werden wieder auf den Tisch kommen, sobald die Quartalszahlen oder die Ausblicke nicht so gut ausfallen. Zwar ist dieser Übergang zur Normalität (in China) auf längere Sicht normal und handhabbar, aber kurzfristig kann das nochmals zu Friktionen führen. Das gleiche gilt für eine mögliche Zinserhöhung der FED. Sie scheint aktuell zwar bis mindestens Dezember verschoben, vielleicht fällt sie auch ganz aus, aber das ist fast egal: Eine langfristige Gefahr erwächst dadurch nicht. Es ist eher so, dass erstens die Angst vor einer Erhöhung kurzfristig nochmals belasten könnte, zweitens ein Ausbleiben den US-$ schwächt, also deutsche Exportwerte belastet (siehe oben – eine Outperformance des S&P 500 gegen den DAX würde mich nicht überraschen) und auch erneut Konjunkturängste auslösen kann. Zwar wäre das alles mehr Emotion als Realismus, aber am Ende des Tages haben die Kurse immer Recht!
Fazit: Die nächsten Wochen werden eher zäh werden. Doch es gibt andere Bereiche (Rohstoffe) in denen man Geld verdienen kann.

Herzlichst Ihr
Hans-Jürgen Haack




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