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Kehrt die Weltwirtschaft im nächsten Jahr zu einer "Normalität" zurück?




15.09.20 10:10
Barings

Boston (www.aktiencheck.de) - Christopher Smart, Chefstratege und Leiter des Barings Investment Institute, befasst sich in seinen aktuellen Leitgedanken mit dem kommenden Wirtschaftszyklus unter dem Eindruck der Corona-Pandemie und den sich ergebenden Chancen für Anleger.

Anleger hätten die letzten Wochen mit Schüttelfrost wahrgenommen, auch wenn sie die zumeist als überfällige "Korrektur" abgetan hätten. Aber wenn man investieren wolle, während dieses ereignisreiche Jahr zu Ende gehe, müsse man ein paar Schlüsselfragen beantworten:

Erstens: Auch wenn es allzu optimistisch erscheine, die Pandemie für beendet zu erklären, würden sich die Daten, die die Investitionsentscheidungen vorantreiben würden, doch weiter verbessern. Die chinesische Industrieproduktion liege jetzt 4% über der des letzten Jahres, die europäischen Einkaufsmanagerindices würden eine Expansion signalisieren, die Arbeitslosigkeit in den USA sei weiter rückläufig. Zwar nähmen die COVID-19-Fälle in Teilen der USA und Europas immer noch zu, und in Ländern wie Indien und Brasilien seien die Trends weiterhin besorgniserregend, aber die Welt habe gelernt, mit den Risiken zu leben. Die Sterblichkeitsraten sind zumeist rückläufig, die Behandlungsmethoden verbessern sich, und bis zum nächsten Jahr werden wir wahrscheinlich eine kleine Auswahl an alternativen Impfstoffen haben, so Christopher Smart von Barings.

All dies bedeute, dass die Weltwirtschaft im nächsten Jahr zu einer "Normalität" zurückkehren werde, die von Standardmaßen für BIP-Wachstum, Arbeitslosigkeit und Investitionen abhänge. Auf dem Papier werde das gut aussehen, sich in der Praxis aber viel schlechter anfühlen. Und das sei es, was den kommenden Zyklus für Investoren so schwierig mache. Er sehe genauso aus wie der alte Zyklus, aber mit langsamerem Wachstum, niedrigerer Inflation und mehr Schulden. Im Durchschnitt würden die meisten Industrieländer zusätzliche Schulden in Höhe von mindestens 20% des BIP haben.

Da aber die Zentralbanken dem leichten Geld verpflichtet seien und die Regierungen die Haushaltsdefizite vorerst ignorieren würden, sehe die Erholung gut unterstützt aus. Die Aufgabe eines Investors müsse es daher sein, in einer Welt schwacher Nachfrage und stabiler Preise Chancen zu finden. Da der Zyklus nicht wirklich viel helfen werde, würden die besten Renditen denjenigen zugute kommen, die sich in den säkularen Trends, die die Pandemie möglicherweise beschleunigt habe, auskennen würden.

Dies bedeute vor allem die rasche Einführung von Technologie und insbesondere von künstlicher Intelligenz, die eine Generation von Geschäftspraktiken erschüttert und bereits begonnen habe, alles umzugestalten. Es bedeute eine wachsende Besorgnis über den Klimawandel, der die Nachfrage nach saubereren Alternativen ankurbeln und weniger wichtige Reisen einschränken werde. Und es bedeute neue Lebens-, Arbeits- und Einkaufsmuster, die die Renditen von Immobilien verändern würden.

Insofern sollten Anleger die jüngsten Marktturbulenzen nicht als den Beginn des Endes einer atemberaubenden Rally betrachten, sondern eher als das Ende des Beginns eines neuen gedämpften Zyklus, der eine scharfe Konzentration auf den säkularen Wandel erfordere. (15.09.2020/ac/a/m)






 
 
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