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Johnsons Talent für 180-Grad-Schwenks im Brexit und die OECD-Mahnungen zu den Corona-Hilfen




17.09.20 09:45
Barings

Boston (www.aktiencheck.de) - Es war eine ereignisreiche Brexit-Woche: Der britische Gesetzentwurf, der Teile des im Januar von Großbritannien und der EU unterzeichneten Rückzugsabkommens faktisch aussetzen würde, wurde mit einer komfortablen Mehrheit von 77 Sitzen im Unterhaus verabschiedet, so Matteo Cominetta, Senior Economist des Barings Investment Institute.

Ein Änderungsantrag, über den nächste Woche abgestimmt werden solle, könnte zwar eine gewisse parlamentarische Kontrolle über die Befugnisse der Minister zur einseitigen Aussetzung des Abkommens auferlegen, aber diese Befugnisse würden wahrscheinlich in Kraft treten. Diese Entwicklungen seien in den europäischen Hauptstädten mit Bestürzung aufgenommen worden. Der irische Premierminister Micheál Martin habe bekräftigt, dass der Gesetzentwurf "einen Versuch der britischen Regierung signalisiere, ihre in einem internationalen Abkommen eingegangene Verpflichtung im Wesentlichen zu brechen, und das sei sehr schwerwiegend" und dass "das Vertrauen untergraben worden ist". Die EU-Rechtsanwälte seien zu dem Schluss gekommen, dass "die britische Regierung mit der Vorlage des Gesetzentwurfs und der Verfolgung der darin zum Ausdruck gebrachten Politik gegen die Treuepflicht aus dem Rückzugsabkommen verstößt".

Inmitten all dessen sei es keine Überraschung, dass die jüngste Verhandlungsrunde zwischen der EU und Großbritannien mit dem üblichen gegenseitigen Vorwurf der mangelnden Kompromissbereitschaft geendet habe. Die Wahrscheinlichkeit, bis zum Jahresende zu einem Handelsabkommen zu gelangen, ist geringer geworden, und die jüngsten Bewegungen des Sterlings scheinen darauf fokussiert zu sein, aber Premierminister Johnson hat immer wieder sein Talent für 180-Grad-Schwenks bewiesen, so Matteo Cominetta von Barings Investment Institute. Ein weiterer davon könnte im Rahmen einer Unterschrift einen Deal geben.

In der jüngsten Anerkennung der überraschenden Geschwindigkeit des Aufschwungs habe die OECD ihre Prognosen für die Weltwirtschaft nach oben korrigiert. Während die internationale Organisation im Juni erwartet habe, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 6% schrumpfen würde, rechne sie nun mit einem Schrumpfen um "nur" 4,5%. Die Prognosen für alle drei großen Volkswirtschaften (die USA, den Euroraum und China) seien angehoben worden, für China werde für 2020 sogar ein Wachstum prognostiziert. Weniger positiv sei, dass die OECD anerkenne, dass das Tempo der Erholung nachlasse und viele Länder ihr Einkommen nicht vor Ende 2021 wieder auf das Vorkrisenniveau zurückfinden würden, da Konkurse und Arbeitsplatzverluste langanhaltende Narben im Wirtschaftsgefüge hinterlassen könnten. Interessanterweise sei die OECD der Warnung der BIZ zu den Unterstützungsprogrammen gefolgt, die Kapital und Arbeitnehmer daran hindern könnten, sich in schnell wachsende, zukunftsorientierte Sektoren zu bewegen. Die Organisation sei zu dem Schluss gekommen, dass sich diese Programme im Zuge der Stabilisierung der Volkswirtschaften weiterentwickeln müssten, damit das Geld gezielter zur Unterstützung von Unternehmen und Arbeitsplätzen in Sektoren mit einer lebensfähigen Zukunft eingesetzt werden könne. (17.09.2020/ac/a/m)





 
 
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