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Ist die Unternehmensverschuldung in den USA außer Kontrolle?




06.12.18 15:40
LYNX Broker

Berlin (www.aktiencheck.de) - In den vergangenen rund zehn Jahren haben die Zentralbanken weltweit versucht, die Auswirkungen der Finanzkrise von 2008 durch quasi nicht mehr vorhandene Zinsen abzumildern, so Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX.

Sowohl Unternehmen als auch private Haushalte sollten durch das sogenannte Quantitative Easing zu höheren Investitionen - notfalls auch auf Pump - animiert werden. Während sich jedoch die niedrigen Zinsen für private Kreditnehmer nur begrenzt ausgewirkt hätten, würden Unternehmen die Möglichkeit günstig an frisches Geld zu kommen weidlich ausnutzen und hätten gerne und oft sowohl Kredite bei Banken als auch bei anderen Investoren aufgenommen. Doch dieses manchmal schon fast exzessive Verhalten könnte ihnen jetzt auf die Füße fallen, wie Experten befürchten würden.

Sascha Sadowski könne diese Sorgen nachvollziehen. Für ihn stünden insbesondere die im anhängenden Artikel ausführlich erläuterten Faktoren dabei im Fokus. Sie würden darüber entscheiden, ob die übermäßige Verschuldung in den USA zu einem Dominoeffekt aus Unternehmenspleiten führe. "Als erstes sollte man einen Blick auf die Zahlen werfen. Im Moment liegt die Unternehmensverschuldung in Relation zum Bruttosozialprodukt in den USA so hoch wie noch nie. Sie hat mittlerweile sogar ihren alten Höchststand aus den Krisenjahren 2009 und 2010 überschritten. Betrachtet man den Chart der letzten rund 50 Jahre, zeigt sich, dass ein solcher Anstieg über das vorherige Maximum nie ein gutes Zeichen war, sondern im Gegenteil als Zeichen gewertet werden kann, dass der Aufschwung vorbei ist", so der Experte.

Als zweiten Faktor sehe Sadowski die zuletzt immer höher steigende Zahl der mit dem Rating BBB bewerteten Unternehmensanleihen. "Diese bilden mittlerweile einen Markt mit rund fünf Billionen US-Dollar. Und dabei handelt es sich mit Sicherheit nicht um Unternehmen mit einer stabilen Bilanz, sondern um solche Unternehmen, die sich am regulären Kapitalmarkt nur noch mit Müh und Not mit frischem Geld versorgen können. Sollte es hier zu einer Abwertung dieser Unternehmensanleihen kommen, müssen einige sicherheitsbewusste Investoren, wie Versicherungen oder Stiftungen diese abstoßen und es würde zu einer Lawine an Verkäufen kommen", erkläre er. Unternehmen, die dann nur noch als "Junk" eingestuft wären, bliebe am Ende nichts anderes übrig, als auf den grauen Kapitalmarkt zu setzen und sich beispielsweise mit sogenannten Leveraged Loans zu behelfen.

Doch auch hier würden Gefahren lauern, denn sowohl Ex-FED-Chefin Janet Yellen als auch Vertreter des Internationalen Währungsfonds hätten sich bereits besorgt zum Anstieg dieser Finanzierungsmöglichkeit geäußert. "Für Investoren sind vor allem die fehlende Absicherung ihres Geldes sowie die nicht fixierten Zinsen ein Problem. Während die Verträge traditionell mit Klauseln zum Investorenschutz gestaltet waren, ist das in den letzten Jahren oft nicht mehr der Fall. Das bringt Gefahren mit sich, die durch eine hohe Zinsbelastung der Unternehmen ausgeglichen werden müssen, da ansonsten keiner mehr investieren würde. Sollte die FED die Zinsen weiter steigen lassen, müssten die Unternehmen nachziehen und die Belastung wäre noch höher. Das könnte einige Firmen in Schieflage bringen", befürchte Sadowski.

Aber nicht nur für Unternehmen, die sich nur noch über Leveraged Loans frisches Kapital besorgen könnten, seien die steigenden Zinsen ein Problem. Auch für diejenigen, die ganz normale Kredite aufgenommen hätten, um Wachstum zu finanzieren oder schlechte Phasen zu überbrücken, könnten durch die höheren Zinsen in den kommenden Jahren Schwierigkeiten bekommen. "Viele Unternehmen haben die niedrigen Zinsen genutzt, um über Kredite schneller zu wachsen. Wer diese bereits zurückgezahlt hat und in absehbarer Zeit keinen neuen Kredit aufnehmen muss, kann steigenden Zinssätzen gelassen entgegensehen. All jene aber, die eine Anschlussfinanzierung benötigen, werden in den sauren Apfel beißen und mehr Geld für die Rückzahlung aufbringen müssen. Gleiches gilt auch für Unternehmensanleihen. Auch hier werden die Zinsen steigen müssen, um Investoren anzulocken", erläutere der Experte.

Vor diesem Hintergrund sei es nicht weiter verwunderlich, dass Präsident Trump so vehement gegen weitere Zinssteigerungen sei. Und tatsächlich würden sich mittlerweile die Stimmen häufen, die für das kommende Jahr einen deutlich gemäßigteren Kurs der FED in dieser Beziehung prophezeien würden, um die Wirtschaft nicht abzuwürgen. Das würde zumindest einen Teil der Probleme weiter nach hinten verlagern und den Unternehmen Zeit geben, ihre Verschuldung in den Griff zu bekommen. (06.12.2018/ac/a/m)







 
 
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