Kolumnist: Max Otte

Ist Gold ein gutes Investment?




26.10.18 15:38
Max Otte

5 Fakten, um Ihr Portfolio sicherer zu machen

von Prof. Dr. Max Otte


Seit einigen Jahren empfehle ich den Abonnenten von der Privatinvestor, Ihre Gold-Position tendenziell aufzustocken. Richtig, Gold bietet keine Rendite und die Lagerung will gut überlegt sein. Gold ist primär eine Versicherung.


Ich kenne niemanden, der sehr unglücklich war, diese Edelmetalle erworben zu haben, selbst, wenn der Kurs zunächst gefallen ist. Von 2016 auf 2017 stieg der Goldpreis von 1.150 auf 1.300 US-Dollar. Von seinem Hoch von 1.880 US-Dollar Ende August 2011 ist Gold noch weit weg. Mittlerweile (Stand 26. Oktober 2018) ist Gold sogar wieder auf unter 1.100 Euro gefallen. Seit 2013 geht es seitwärts, mit einem Zwischentief Ende 2015.


Im Juli 2015 sagte Jeffrey Currie von Goldman Sachs gegenüber Bloomberg, dass der Goldpreis unter 1.000 US-Dollar fallen könnte und dass uns das Schlimmste noch bevorstehe. Das wäre fast der ideale Zeitpunkt gewesen, einzusteigen. Und es ist nicht auszuschließen, dass Goldmann Sachs dann auch eingestiegen ist.


Wie viel Gold gibt es auf der Welt?


Im Gegensatz zur Geldmenge ist die Goldförderung der Welt seit Jahren nahezu konstant. Es werden jedes Jahr rund 3.200 Tonnen Gold mit einem Wert von rund 100 Milliarden US-Dollar aus der Erde geholt. Die Förderkosten stiegen allerdings dramatisch: von Gesamtkosten unter 250 US-Dollar je Feinunze im Jahr 2002 auf rund 1.750 US-Dollar im Jahr 2014. Das ist nachzuvollziehen: Zum einen gibt es allgemeine Inflation (wenn auch nur verhalten), vor allem aber steigt der Aufwand, das Metall aus der Erde zu holen, massiv. Von den ausgewiesenen Gesamtförderkosten waren operative Kosten ca. 750 US-Dollar. Darunter würden die Minenbetreiber mit jeder Unze, die sie aus dem Boden holen, Verluste machen. Das wäre also die absolute Untergrenze für den Goldpreis.


Wie steht die Politik zu Gold?


Während die USA und die EU versuchen, die heimischen Steuerzahler davon abzubringen Gold zu kaufen, möchte die chinesische Regierung, dass ihre Bürger so viel Gold kaufen wie möglich.


Peking hat längst erkannt, dass Goldreserven im Spiel der Weltpolitik und -wirtschaft eine wichtige Funktion für die finanzielle Stabilität haben und für die nationale wirtschaftliche Sicherheit ein „Anker“ sind. Die Zunahme der chinesischen Goldreserven ist daher ein zentraler Pfeiler in der Entwicklungsstrategie Chinas.


Um sein Gold-Engagement zu steigern, investiert China auch in ausländische Goldproduzenten. Der Staat will Gold allmählich zu einer strategischen Ressource aufwerten, die den gleichen Wert hat wie Öl und Energie. Parallel dazu will Peking aktiv eine Globalisierungsstrategie umsetzen, durch die ausländische Ressourcen ausgebeutet und mehr Möglichkeiten zur Steigerung der chinesischen Goldreserven geschaffen werden können.


In einer Unternehmenspräsentation erklärte der Minenbetreiber China Gold International Resources, dass das Land weltweit eine „aggressive Akquisitionsstrategie“ in Bezug auf große Goldlagerstätten verfolge. Aus diesem Grund betrachte die Regierung in Peking die China Gold International Resources als „optimales Akquisitionsvehikel für internationale Ziele“.


China Gold, das einzige „Zentralunternehmen“ der chinesischen Goldbranche, kontrolliert die Durchführung der offiziellen Goldstrategie. Es koordiniert die Goldproduktion, mit der hauptsächlich die nationalen Goldreserven Chinas erhöht werden sowie den Verkauf von Gold in allen chinesischen Regionen.


Gold ist ein Souveränitätsfaktor


Das weiß nicht nur China. Auch Russland und die arabischen Staaten halten an ihrem Gold fest und kaufen noch fleißig zu.


Peter Boehringer, Haushaltspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion und Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestags, hielt auf dem Privatinvestor-Tag 2018 einen faktenstarken, höchst spannenden Vortrag.


Für Nationen also bedeutet ihr Staatsgold ein Stück Freiheit. Ein Synonym für diese Staatsfreiheit ist ‚Souveränität‘. Souveränität ist immer auch vermögensabhängig: Überschuldete Staaten sind nicht frei, damit nicht souverän und können abgeschafft werden: kriegerisch-gewaltsam – oder auch mit subtil-schleichenden Methoden, welche aber nicht weniger kriegerisch sind und die heutige supranationale Weltelite nach Möglichkeit bevorzugt. In beiden Fällen ist eine vorherige Schwächung der wirtschaftlichen Potenz der Staaten Voraussetzung für den Erfolg der Abschaffungsvorhaben.


Was für Staaten gilt, ist auch für uns Bürger und Anleger von großer Bedeutung. Unsere individuelle Souveränität steht auf dem Spiel. Die finanzielle Repression und das Schrumpfen der deutschen Mittelschicht sind Werkzeug und Symptom einer verheerenden Entwicklung. Wenn wir nicht aufpassen, werden wir den allgegenwärtigen, zwangssozialistischen Überwachungsstaat schneller kennenlernen, als wir heute denken. In diesen Zeiten ist Gold ein wichtiges Vehikel zur Sicherung von Vermögen und Freiheit.


Ist Gold ein Investment?


Nein. Hier müssen wir sehr differenziert vorgehen: Investieren bedeutet das Riskieren von Liquidität zwecks Exploration produktiver Wege. Wenn wir investieren, wollen wir am Ende unser Geld vermehren.


Dies kann Gold nicht leisten. Gold wirft keine Rendite, kein Produktiveinkommen ab und ist daher kein Kapital im ökonomischen Sinne. Es gab einmal eine Zeit, das „goldene Zeitalter“, in der konnte noch jeder Anleger in Gold Investitionen tätigen. Heute sind Goldkontrakte nur noch Finanzinstrumente kleiner Minderheiten auf politisch verzerrten Märkten.


Wir Anleger müssen Gold daher als Absicherung, als Versicherung gegen Rezessionen und Krisen betrachten. Als Beimischung ist es daher in jedem Portfolio sinnvoll – um Liquidität vorzuhalten.


Mein Max Otte Multiple Opportunities Fund beispielsweise hält sein Gold in einem Safe der Liechtensteiner Depotbank. Es ist echtes, physisches Gold. Kein Zertifikat. Kein Papiergold. Das ist letzten Endes entscheidend, um dem Ausfallrisko zu entgehen.


Wie teuer ist Gold?


Die Dow-Gold-Quote misst, wie viel Unzen Gold sie für den Dow Jones Index bekommen. Aktuell (Stand: 25. Oktober 2018) steht der Dow Jones bei 24.984 Punkten, Gold bei 1.233 US-Dollar. Sie erhalten also 24.984/1.233 = 20,26 Unzen für den Index (wenn ein Dow-Jones-Punkt 1 US-Dollar wert wäre, was natürlich so nicht der Fall ist).


Höher stand der Dow Jones in Relation zu den Edelmetallen nur in den 60er Jahren und um das Jahr 2000, während der Technologiephase. Beide Male folgte mehr als ein Jahrzehnt der Stagnation für Aktien. Selbst 1929 war der Index in Relation zum Gold nicht so teuer wie heute.


Am billigsten war der Dow Jones in Relation zum Gold Anfang der 80er Jahre: Damals mussten Sie teilweise nur 1,5 Unzen(!) für den gesamten Index zahlen. Und in der Finanzkrise, als die Märkte einbrachen, hätten Sie nur 7 Unzen für den Index hinlegen müssen.


Gold ist aktuell im Vergleich zu Aktien tatsächlich sehr billig und noch deutlich billiger als im letzten Jahr. Deswegen wäre aber falsch, alles auf Gold zu setzen. Ich wiederhole meine Einschätzung vom letzten Jahr. Auch Gold wird im weitgehend bargeldlosen Kontrollstaat einige seiner positiven Eigenschaften nur eingeschränkt entfalten können. „Gold Bugs“, die nur auf Gold setzen, könnten enttäuscht werden.


Aktien bleiben also das wichtigste Werkzeug für Vermögensmehrung und -erhalt. Gold sollten Sie als Beimischung nutzen. Der richtige Mix ist, wie so oft, eine Sache Ihrer individuellen Einschätzung.


Auf gute Investments,


Ihr


Max Otte


P.S.: In Der Privatinvestor gebe ich Ihnen wertvolle Tipps zum richtigen Anlagemix und stelle Ihnen jeden Freitag interessante neue Investments vor. Schauen Sie doch einmal vorbei…



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