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Industrie: Kollaps des konjunkturellen Aufschwungs




01.07.20 12:15
Nord LB

Hannover (www.aktiencheck.de) - Belastungen durch Covid-19 legten sich über jede industrielle Dynamik und sorgten für den Kollaps eines zuvor bereits durch Störungen getesteten Konjunkturaufschwungs, so die Analysten der Nord LB.

Während die Investitionsgüternachfrage von U.S.-Unternehmen erst 2020 ins Taumeln geraten sei, habe sich in der deutschen Wirtschaft bereits 2019 eine Negativspirale manifestiert. Mit der Automobilbranche habe sich eine Schlüsselindustrie verunsichert präsentiert (E-Mobilität, Dieselfahrzeuge, U.S.-Importzölle), Zulieferunternehmen hätten verminderte Bestellungen bzw. Produktabrufe vermeldet. Covid-19 habe die Investitionsbereitschaft erst in China, dann übergreifend in Europa und in den USA einbrechen lassen. In China habe sich der Einbruch der Investitionsgüternachfrage in städtischen Regionen für den Zeitraum Januar bis Mai 2020auf 6,3% errechnet (Zuwachs Gesamtjahr 2019: 5,4%, Gesamtjahr 2018: 5,9%, Gesamtjahr 2017: 7,2%). Den Monat Mai isoliert betrachtet sei wiederum eine kräftige Erholung vermeldet worden, ein Plus zum Vorjahr von 9,7%.

Der ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie) habe für den Rückgang der Produktion im Zeitraum Januar bis April real um 6,2% gemeldet, bezogen allein auf den Monat April gar einen Einbruch um 17,5% (Rückgang im Zwölfmonatszeitraum 2019 um 2,4%, im Zwölfmonatszeitraum 2018 habe die Produktion um 1,9% zugelegt). Im Monat April sei der Elektroindustrie ein Exportvolumen innerhalb der Eurozone von 29,5% weggefallen, insgesamt weltweit von 20,0% (zum Vorjahresmonat). Inlandsbestellungen seien um 18,4% zurückgegangen. Die Produktion des deutschen Maschinenbaus, dessen Standbein die Ausfuhr in die europäischen Nachbarländer sei, habe sich gemäß vorläufiger Angabe des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) im Zeitraum Januar bis März um real 8,1% vermindert. Inlandsbestellungen seien im Monat April zum Vorjahr real um 25% geschrumpft, Auftragseingänge aus dem Euroraum um 33%. Die Produktionsprognose für 2020 sei im Mai kassiert worden, zuvor sei ein Minus von real 5% formuliert gewesen. Im Zwölfmonatszeitraum 2019 sei die Produktionspreis bereinigt um 2,8% rückläufig gewesen; 2018 habe die Maschinenbaubrache ein Plus von 2,1% eingefahren.

Die Performance der von uns beobachteten Elektrotechnikunternehmen bildete das seit März um sich greifende Abbremsen wirtschaftlicher Aktivität nur im Ansatz ab, so die Analysten der Nord LB. Schneider Electric habe eine Erlöskontraktion für China, dafür Zuwächse in den USA und in Deutschland vermeldet - mit der Aktienkursentwicklung (seit Jahresbeginn rund 5% im Plus) würden die Franzosen positiv herausragen. Die börsennotierten deutschen Maschinenbauer würden sich seit Monaten ohne jegliche Sicht vortasten. Aus den von Caterpillar veröffentlichten Verkaufszahlen zu Mai habe sich ein Einbruch der über den Monat bei Zwischenhändlern weltweit für Baumaschinen, Bergbau-/Minenausrüstung eingegangenen Kundenbestellungen um 27% errechnet (darin Nordamerika: -72%).

Die Elektrotechnikunternehmen seien für das "Cash is King"-Paradigma bilanziell gut gerüstet. Der Maschinenbau werde den Wegfall gerade von Erlösen in den USA wegzustecken haben. Bereits seit Mitte 2018 seien die verarbeitenden Industrien in China und bis dahin für zuverlässig befundene Auftriebskräfte in Europa als Impulsgeber der Ausrüstungsnachfrage weggefallen. Positiv: "America first" habe seinen Schrecken verloren und könnte bald Geschichte sein. Luftfahrttechnikunternehmen, die sich generell nicht über Quartalszahlen, vielmehr über mittelfristig andauernde Trends beurteilen lassen würden, könnten Herausforderungen der Produktion (zahlreiche Lieferverzögerungen entlang komplexer Wertschöpfungsketten, Qualitätsmängel neuer Systeme, insbesondere Disruption der Boeing 737 MAX-Produktion) derzeit nicht kompensieren, bedingt durch den Wegfall von Flugstunden und damit das Ausbleiben von Wartungsaufträgen.

Angesichts des Vortastens auf unbekanntem Terrain verbleiben die Analysten der Nord LB für die zyklischen Investitionsgütertitel (engl.: Capital goods) beim Sektorenurteil "negativ", und raten bezüglich der von der Luftfahrtkrise betroffenen Titeln (Airbus, Boeing, MTU, Raytheon, Safran), über die nächsten Wochen noch keine Neu-Engagements einzugehen und Portfolioentscheidungen kurzfristig zurückzustellen. (01.07.2020/ac/a/m)






 
 
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