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Indien: Deutlicher Rückgang der Ansteckungszahlen - Rückgang der Wirtschaftsleistung




09.06.21 10:40
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Seit dem Hochpunkt Anfang Mai haben sich die täglichen Neuansteckungszahlen in Indien auf unter 200.000 etwa halbiert, so die Analysten der DekaBank.

Dies sei vor allem auf die Lockdowns in den großen Städten zurückzuführen, die bislang das Zentrum des Pandemiegeschehens gebildet hätten. Mittlerweile sei allerdings auch der ländliche Raum verstärkt betroffen, wo die Testmöglichkeiten und damit die statistische Erfassung noch geringer seien als in den Städten. Die offiziellen Zahlen dürften daher das tatsächliche Ausmaß der Ansteckungen weiterhin deutlich unterzeichnen.

Der Einkaufsmanagerindex für das Dienstleistungsgewerbe sei im Mai von 54,0 auf 46,4 Punkte gefallen und signalisiere damit einen Rückgang der Wirtschaftsleistung. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe sei zwar ebenfalls gefallen (von 55,5 auf 50,8 Punkte), doch er bleibe im Expansionsbereich. Hier zeige sich ein deutlicher Unterschied zum Vorgehen der Regierung im vergangenen Jahr, als auch die meisten Industriebetriebe von den Lockdown-Maßnahmen betroffen gewesen seien, während es nun vor allem der Dienstleistungssektor sei. Erste Regionen würden bereits beginnen, die Beschränkungen wieder zu lockern.

Da bislang nur etwa 12% der Bevölkerung wenigstens eine Impfung erhalten hätten und die in Indien verbreitete Virus-Variante deutlich ansteckender sei als bisherige Varianten, sei ein erneuter Anstieg der Ansteckungszahlen zu befürchten, wodurch dann auch das dritte und vierte Quartal belastet sein dürften. Die BIP-Zahlen zum ersten Quartal hätten allerdings über den Erwartungen gelegen und würden einen Hinweis geben, dass sich die indische Wirtschaft im Falle eines nachhaltigen Rückgangs der Ansteckungszahlen erneut schnell erholen dürfte. Das BIP im ersten Quartal habe um 4,9% gegenüber dem Vorquartal zugelegt und 1,6% über dem Vorjahresquartal gelegen. Damit habe die Wirtschaft im ersten Quartal ihr Vorkrisenniveau wieder erreicht.

Die Hoffnung, Indien könne zur nächsten großen Wachstumsgeschichte werden, sei in den vergangenen Jahren regelmäßig enttäuscht worden. Angesichts fundamentaler Schwächen erscheinen auch nach der Überwindung der Corona-Krise mittelfristig Raten von deutlich mehr als 6% eher optimistisch, so die Analysten der DekaBank. So gebe es große Mängel in der Infrastruktur, im Bildungswesen und in der öffentlichen Verwaltung. Anders als in früheren Jahren wolle die Regierung nun die Wirtschaft allerdings durch eine expansive Fiskalpolitik stärken. Der Grenzkonflikt mit China habe das Verhältnis der beiden Länder nachhaltig belastet. Chinesische Unternehmen dürften sich in den kommenden Jahren mit Investitionen in Indien zurückhalten. Zwar zeichne sich ab, dass der neue US-Präsident Biden Interesse an einer Stärkung der strategischen Partnerschaft mit Indien habe, doch dürften US-Unternehmen die Lücke der fehlenden chinesischen Investitionen nicht schließen können. Indien stehe zudem im Westen wegen seiner Kaschmir-Politik und des neuen Staatsbürgerschaftsgesetzes in der Kritik, da diese als gegen die muslimische Minderheit gerichtet gesehen würden.

Moody's habe das Rating für indische Fremdwährungsverbindlichkeiten im Juni 2020 auf Baa3 gesenkt und vor allem die strukturelle Wachstumsschwäche kritisiert. In der Krise sei die Staatsverschuldung gestiegen. Die Staatsfinanzen hätten schon vor der Krise zu den Schwachpunkten im indischen Bonitätsprofil gezählt. Moody's vergebe auch nach der Herabstufung einen negativen Ratingausblick und zeige damit das Risiko einer Herabstufung in den Junk-Bereich an. Dieses Risiko sehe man auch im Falle von Fitch, das den Ausblick auf negativ verschlechtert habe. Die Abkehr von der eher konservativen Fiskalpolitik früherer Jahre erhöhe das Risiko einer Herabstufung. Angesichts der geringen Auslandsverschuldung Indiens stehe die Zahlungsfähigkeit des Landes jedoch nicht infrage. (Ausgabe vom 08.06.2021) (09.06.2021/ac/a/m)







 
 
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