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Immer wieder geht die Sonne auf: Aufschwung erwartet




19.02.21 13:35
Weberbank

Berlin (www.aktiencheck.de) - Von Börsen-Altmeister André Kostolany wissen wir: "Kleinanleger sollten nie zocken, sondern Standardwerte und Schlaftabletten kaufen", so Alexander Lukas, CFA der Weberbank.

Diesen Rat möchte man allen Kleinanlegern geben, die sich in Internetforen abgesprochen hätten, um gegen Leerverkäufer zu wetten, und plötzlich selber mit hohen Verlusten konfrontiert gewesen seien. "Um das Geschehen an der Börse auf Jahre zu vergessen, egal ob es draußen donnert oder blitzt", gehe das Zitat weiter. Einschlafen und erst nach der Pandemie wieder aufwachen würden - das würde man angesichts der nicht enden wollenden Beschränkungen auch manchmal gerne. Aber weil das ja nicht gehe, würden die Analysten in der heutigen Ausgabe lieber wieder über den gesundheitlichen Zustand großer Volkswirtschaften und einen Rohstoffboom berichten sowie erklären, was Schaufeln mit Kryptowährungen zu tun habe.

Der neue Präsident habe die Amtsgeschäfte übernommen, die dritte Ansteckungswelle ebbe ab und auch das Impfen schreite voran. So weit, so gut für die USA. Leider komme beim für die US-Volkswirtschaft so wichtigen Konsumenten noch immer keine gute Laune auf. Das sogenannte Verbrauchervertrauen, gemessen zum Beispiel von der University of Michigan, habe sich zwar in den letzten Monaten stabilisiert, dümple aber immer noch auf einem vergleichsweise sehr niedrigen Niveau herum. Zuletzt sei es sogar wieder gefallen. Schaue man sich die unverändert angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt an - gerade bei den niedrigen Einkommen -, wisse man auch warum: Noch immer würden rund zehn Millionen Jobs fehlen. Zumindest hätten die Einzelhandelsumsätze im Januar positiv überrascht, was Hoffnung mache.

Schon deutlich besser sei die Stimmung bei den Unternehmern. Ziehe man die Einkaufsmanagerbefragungen heran, würden diese sogar neue Höchststände verzeichnen. Die Analysten würden angesichts dieser Diskrepanz nicht schwarz für den US-Konsum malen. Insbesondere mit Blick auf die rückläufigen Krankheitsfälle und die fortschreitenden Impfungen sollte sich die wirtschaftliche Dynamik ab dem zweiten Quartal erhöhen, die insbesondere durch den Dienstleistungssektor, zum Beispiel auch den Tourismus, getragen werden sollte. Daraufhin werde sich der angeschlagene Arbeitsmarkt normalisieren und die Konsumfreude unterstützen. Die Unternehmen würden nun mal wie so oft vieles vorwegnehmen, während der Konsument erst noch überzeugt werden müsse.

Auch in Europa seien die Infektionszahlen rückläufig, wenngleich man sich hier mit dem Impfen in vielen Staaten etwas schwerer tue. Das laufende Quartal dürfte aufgrund der virusbedingten Einschränkungen leicht schwächer ausfallen als das Vorquartal, die Analysten würden aber im Zuge der Lockerungsmaßnahmen für den Frühling wieder eine höhere Wirtschaftsaktivität erwarten. Auch wenn es Behinderungen und Verzögerungen in den Lieferketten gebe - der produzierende Sektor bleibe eine Unterstützung für die europäischen Volkswirtschaften. Mit dem zu erwartenden weltweiten Aufschwung im Jahresverlauf dürfte sich die positive Entwicklung dann weiter fortsetzen.

Eine zunehmende weltweite Wirtschaftserholung schlage sich auch in den Rohstoffmärkten nieder. Gerade China sei bekanntermaßen zügig aus der Coronakrise herausgekommen und stille seinen Rohstoffhunger nun wieder ungebremst. Kupfer beispielsweise, das nicht nur in der Elektrotechnik, sondern auch bei modernen Windkraftanlagen hohe Verwendung finde, notiere deutlich oberhalb der Vor-Coronaniveaus. Das Metall gelte aufgrund seiner vielseitigen industriellen Verwendung als Barometer für den gesundheitlichen Zustand der Weltwirtschaft und trage daher auch den Beinamen "Doctor Copper". Gleiche Preistrends wie bei Kupfer würden die Analysten auch bei vielen anderen Industriemetallen beobachten. Nur der Goldpreis wolle nicht mehr richtig in Schwung kommen, weswegen die Analysten ihre Engagements reduziert hätten.

Aufgrund der Geldschwemme der Notenbanken bleibe das Edelmetall aus Sicht der Analysten aber immer noch eine gute Absicherung gegen Risiken jeglicher Art. Womit sie beim Bitcoin angekommen wären. Eine Währung? Ein Rohstoff? Darüber seien sich die Kapitalmarktexperten und Regulatoren noch uneinig. Immer mehr Industrieunternehmen und Finanzinstitute würden hier eine Anlagealternative beispielsweise zu Gold sehen. Bitcoins seien heutzutage ein Anlageprodukt, so die Meinung.

Die Analysten würden an dieser Stelle weder die aktuellen Rekordpreise noch den ökologischen Fußabdruck von Kryptowährungen bewerten und sich auf ein weiteres Kostolany-Zitat berufen wollen: "Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in die Schaufeln". Die zugrundeliegende Technologie, die Blockchain, sei so eine Schaufel. Oder die Computerchips, die benötigt würden, um Kryptowährungen zu erstellen und Transaktionen zu verarbeiten. Hier würden die Analysten langfristige Trends sehen, die Bestand haben würden, selbst wenn sich Preise von 50.000 USD pro Bitcoin als nicht nachhaltig erweisen sollten.

Womit die Analysten zu den weiteren Kapriolen kämen, die die Börsen zuletzt geschlagen hätten. Ein neuer Trend habe die Runde gemacht, der an die "Occupy Wall Street"-Bewegung vor zehn Jahren erinnere - verlagert von der Straße ins Internet. Viele Privatanleger hätten sich in Internetforen zusammengeschlossen, um die Kurse von zumeist kleinen und finanziell angeschlagenen Unternehmen in die Höhe zu treiben. Das Kalkül dahinter sei immer ein sogenannter Short Squeeze gewesen, also das Herausdrängen von Investoren, die auf weiter fallende Kurse der betreffenden Unternehmen gesetzt hätten.

Auch hier würden die Analysten weder den Zweck noch die Mittel bewerten wollen. Aber innerhalb kürzester Zeit habe sich dieses Vorgehen verselbständigt, Kurse einzelner Wertpapiere seien explodiert und große namhafte Hedgefonds hätten nur mit Finanzspritzen überstehen können. Ebenso schnell sei es mit den Kursen dann auch wieder herunter gegangen.

Der Vertrauensverlust sei somit hoch, genauso wie die Verluste vieler privater Spekulanten, die ihre Aktien nicht mehr schnell genug hätten verkaufen können. Vielleicht nicht gerade mit Kostolanys Schlaftabletten, wohl aber mit einer soliden Fundamentalanalyse seien Anleger daher bei der Aktienauswahl immer besser beraten. Und diese ergebe derzeit, dass sich in den meisten Branchen die Erholung fortsetze. Gerade in den USA und in Asien würden überwiegend wieder positive Wachstumsraten verzeichnet. Auch die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr seien sehr gut, was natürlich auf der Hoffnung beruhe, dass man die Pandemie noch in diesem Jahr in den Griff bekommen werde. Langfristig schlage fundiertes Investieren immer riskantes Spekulieren, an dieser Grundregel habe sich auch in diesem Jahr nichts geändert. (19.02.2021/ac/a/m)







 
 
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