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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Hüfners Wochenkommentar: "Wandel bei den Target-Salden"




28.07.19 10:21
Redaktion boerse-frankfurt.de

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Ökonom Martin Hüfner wundert sich, dass die allgemeine Kritik an zu hohen Schuldenständen der Banken bei der EZB abgeflaut sei, obwohl diese Salden weiter bestehen. Er sieht aber überwiegend gute Zeichen, dass der Mißtrauensindikator nicht mehr so weit ausschlage. Aber nicht nur.


26. Juli 2019. MÜNCHEN (Assenagon). Wenn es keine Skandale gibt, wird es langweilig. Die Tar­get-Salden der Bundesbank waren lange Zeit das "Enfant Terrible" des Euros. Was wurde nicht alles darüber ge­schrie­ben? Sie seien der Sprengsatz, der die Währungs­union zum Scheitern bringen werde. Sie führten zur Ver­armung Deutschlands, weil die südeuropäischen Partner immer mehr Geld haben wollten. Deutschland ginge pleite, wenn Italien aus dem Euro ausscheiden würde, etc.


Und plötzlich ist der Spuk vorbei. Die Target-Salden sind heute zwar höher als zu den schlimmsten Zeiten der Krise. Aber mit einem Mal redet kaum jemand mehr davon (außer notorische Kritiker des Euros). Die F.A.Z berichtet nur noch selten von den neuen Zahlen. Irgendetwas muss da anders gelaufen sein, als sich das die Kassandras vorgestellt hatten. Ist es auch, allerdings haben es die wenigsten bemerkt.


Zur Erinnerung: Target (genauer Target 2) ist eines der größten Zahlungsverkehrssysteme der Welt. Es wickelt täg­lich (!) Überweisungen im Wert von 1.700 Milliarden Euro inner­halb der europäischen Währungsunion ab. Zu größeren Pannen ist es dabei bisher nicht gekommen.


Wie bei jedem Clearing-System entstehen bei der Abwick­lung der Zahlungen Salden, zum Beispiel wenn eine Bank an einem Tag mehr Zahlungen an das Ausland leistet, als sie empfängt. Normalerweise gleichen sich solche Salden über die Zeit aus. Das war in den ersten zehn Jahren der Währungsunion auch regelmäßig der Fall. Die Salden wa­ren null (siehe Grafik).


 


Ist der Spuk bald vorbei? image-2241

Quelle: Bundesbank


Problematisch wurde es erst mit der großen Finanz- und Eurokrise. Da trauten sich die Banken gegenseitig nicht mehr über den Weg. Sie wollten auch vorübergehende Salden nicht mehr in ihren Büchern halten. Wenn es einen Saldo gab, wurde er sofort an die Notenbanken weiterge­reicht. Das war die Geburtsstunde der Target-Salden der Bundesbank. Sie sind also Ausdruck des Misstrauens zwi­schen den Banken in der Währungsunion. Sie sind ein Kri­senindikator. Seit 2007 sind sie auf fast 1.000 Milliarden Euro gestiegen.


Das ist es, wovor die Menschen Angst haben: Ein riesiger Schuldenberg, der wohl nie wieder abgebaut wird. Der gu­ten Ordnung halber muss man freilich hinzufügen, dass es in letzter Zeit noch einen anderen Grund für die Target-Sal­den gab. Das waren die Wertpapierkäufe der EZB. Durch die Art ihrer technischen Abwicklung entstehen ebenfalls Salden in Target 2. Das Kaufprogramm ist aber im vorigen Jahr ausgelaufen. Von dieser Seite gibt es also heute kein Störfeuer mehr.


Jetzt kommt die gute Nachricht. Auch die auf dem Misstrau­en beruhenden Target-Salden erhöhen sich nicht mehr. Die Banken sind wieder bereit, sich gegenseitig Kredit zu ge­währen. Wenn ein Saldo auftritt, wird er von den beteiligten Kreditinstituten in die eigenen Bücher genommen. Der Geldverkehr im Euroraum funktioniert nicht mehr anders als der auf den nationalen Märkten.


Daran ändern auch die immer noch bestehenden Probleme im Euro nichts. Siehe zum Beispiel die Streitereien zwi­schen Rom und Brüssel seit letztem Jahr über zu hohe italienische Budgetdefizite und über ein mögliches Defizit­verfahren. Die deutschen Banken waren auch in dieser Zeit weiterhin bereit, Italien Linien einzuräumen. Die Verhältnis­se im Euro haben sich normalisiert. Die Target-Salden blei­ben gleich. Es ist nicht viel anders als in den zehn Jahren vor den Krisen, nur leider auf höherem Niveau.


So schön so gut. Es bleibt aber ein Schönheitsfehler. Wenn alles wieder so gut ist, warum werden dann nicht auch die Bestände der Salden abgebaut, die bis jetzt aufgelaufen sind? Warum gehen sie nicht auf null zurück? Nach dem Höhepunkt der Eurokrise 2012 wurden die Salden ja auch eine Zeitlang abgebaut.


Das hat viele Gründe. Zum einen bewegen wir uns noch auf dünnem Eis. Es dauert eine Weile, bis das Ende der Krise überall in den Köpfen angekommen ist und die Risiko-Ma­nager der Banken grünes Licht geben. Zum anderen han­delt es sich um riesige Beträge, bei denen es Zeit braucht, um sie abzubauen. Hinzu kommt, dass Deutschland durch seine Leistungsbilanzüberschüsse Monat für Monat neue Forderungen aufbaut, die von den Partnerländern absorbiert werden müssen. Auch das ist ein Batzen Geld.


Es kommt aber noch schlimmer. Wegen der niedrigen Inflation und der schlechten Konjunktur ist damit zu rech­nen, dass die EZB die Wertpapierkäufe wieder aufnimmt. Damit entstehen neue Target-Salden. Sie werden also nicht weniger, sondern eher mehr.


Aber, und das ist wichtig: Die neuen Target-Salden sind et­was ganz Anderes als die bisherigen. Davor müssen wir keine Angst mehr haben. Sie sind nicht mehr ein Symptom von Krisen und mangelndem Vertrauen. Sie sind ein Kolla­teralschaden der Geldpolitik. Gegenpol sind auch nicht mehr Schulden Italiens oder Spaniens, sondern zunehmend Verbindlichkeiten der EZB. Man sollte darüber nachdenken, ob bei den Wertpapierkäufen nicht Lösungen möglich sind, die Salden zu vermeiden.


 


Für Anleger

Die Normalisierung der Target-Salden ist ein gutes Zeichen für die Kapitalmärkte. Der Euro wird stärker. Für die Banken fallen Risiken weg. Freuen wir uns aber nicht zu früh. In den letzten Monaten sind neue Risiken dazugekommen. Per Saldo ist das Umfeld der Märkte eher schwieriger gewor­den.


von Martin Hüfner
26. Juli 2019 © Assenagon


Dr. Martin W. Hüfner ist Chief Economist bei Assenagon. Viele Jahre war er Chefvolkswirt der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG und Senior Economist der Deutschen Bank AG. Er leitete fünf Jahre den renommierten Wirtschafts- und Währungsausschuss der Chefvolkswirte der Europäischen Bankenvereinigung in Brüssel. Zudem war er über zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Banken und Mitglied des Schattenrates der Europäischen Zentralbank, den das Handelsblatt und das Wallstreet Journal Europe organisieren. Dr. Martin W. Hüfner ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem "Europa - Die Macht von Morgen" (2006), "Comeback für Deutschland" (2007), "Achtung: Geld in Gefahr" (2008) und "Rettet den Euro!" (2011).


Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.




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