Kolumnist: Feingold-Research

Heimat ist den Deutschen zu wichtig




22.02.18 10:51
Feingold-Research

Horst Seehofer ist im Heimatministerium gut aufgehoben, so findet die CSU. Der Begriff ist hierzulande häufig positiv besetzt, doch in einem Bereich sollte man vorsichtig sein – bei der Geldanlage. Dort kostet zu viel Deutschlandliebe am Ende eine Menge Geld. Unser Rezept für breite im Depot – beispielsweise der Capped-Bonus HW98Y0 auf den EuroStoxx, die PP15GZ auf den NASDA oder der Discounter HW9MUE auf Apple.  Die Deutschen mögen ihre Heimat und vor allem Produkte von daheim. Bei Rewe wird regional groß geschrieben selbst wenn der Apfel gar nicht so nah gewachsen ist. Im Tatort gehört das Sponsoring einer Automarke aus dem passenden Bundesland fast schon zum guten Ton, es stellt sich ein warmes Gefühl ein, wenn am Sonntag Abend ab 20.15 Uhr die Tür eines Golf oder BMW 3er sanft ins Schloss fällt.

All das tut nicht weh und kostet im Zweifel wenig. Am Aktienmarkt ist das anders. Home Bias nennt der Fachmann zu viel Heimatliebe und diese vernichtet Renditechancen.


Heimat kostet Geld

„Bei der Kapitalanlage werden deutsche Aktien in den Portfolios der deutschen Anleger deutlich übergewichtet – und Übergewicht, das wissen wir alle, ist nicht gesund. Eine Zahl sollte uns besonders stutzig machen: Der Anteil an der weltweiten Marktkapitalisierung liegt bei den deutschen Aktiengesellschaften gerade einmal bei 4 Prozent! Nimmt man den MSCI-World mit über 1.600 Einzeltiteln als Maßstab, so kommen deutsche Unternehmen darin auf einen Anteil von sogar nur 3 Prozent“ erklärt Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung an der Börse München. Auch am Handelsplatz Gettex finden deutsche Aktien wie Allianz oder BASF noch immer den meisten Umsatz.


Schauen Sie in die Ferne

Der Auslöser für diesen Home Bias, also eine Wahrnehmungsverzerrung, ist das Vertrauen, das Anleger gern in Unternehmen aus ihrem eigenen Land setzen. Der Bauer isst, was er kennt – so ähnlich und noch etwas derber formuliert es der Volksmund. Auch Broker wie DeGiro, passenderweise mit Wurzeln in den Niederlanden und recht neu im Markt, weist bei den Umsätzen die großen deutschen Aktien ganz vorne aus. Telekom schlägt Tesla sozusagen.


Das verrückte – der Home Bias kann sogar noch weiter regionalisiert werden, beschreibt Norbert Betz in seinem Buch Börsenpsychologie symplified . Um den Kreis zu Horst Seehofer zu schließen – an der Börse München zeigt sich keine Ausnahme. Bei den beliebtesten 20 Aktien, die sie im Jahr 2017 gehandelt wurden, lag Apple als erster ausländischer Wert auf Rang 8 gefolgt von Royal Dutch und Amazon. Dabei hätten die Münchner Börsianer 4.000 ausländische Titel im Angebot – ganz ohne Home Bias.



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