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Handelspolitik: Einer gegen alle - alle gegen einen?




06.07.18 15:30
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Mit jeder neuen Maßnahme schwinden die Hoffnungen, Trump könnte mit seinen Drohungen erreichen, was die Industrieländer in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder vergeblich von China gefordert hatten, so Patrick Franke von der Helaba.

Eine reziproke Öffnung des Binnenmarktes, die Ausländern die gleichen Chancen biete, die chinesische Unternehmen anderswo hätten, ein Ende der expliziten oder impliziten Diskriminierung ausländischer Unternehmen und des teilweise unfreiwilligen Technologietransfers, ein Dialog über die Frage, wie eine Marktwirtschaft mit den Übernahmen privater Unternehmen durch staatlich kontrollierte Konzerne umgehen solle - nichts von dem werde die US-Regierung mit ihrem aktuellen Konfrontationskurs voraussichtlich erreichen.

Ja, im Szenario einer weitest gehenden Eskalation werde der Handelsstreit den Chinesen letztlich mehr wehtun als den Amerikanern. Erste Anzeichen dafür seien schon in der relativen Entwicklung der Stimmungsindikatoren, der Aktienmärkte und des Wechselkurses erkennbar. Aber das heiße nicht, dass die USA von einem "Handelskrieg" profitieren würden. Einzelne Unternehmen könnten durch die Beschränkung des Wettbewerbs höhere Gewinne einfahren. Aber per Saldo würden nicht nur die amerikanischen Verbraucher belastet, auch die US-Unternehmen als Ganzes würden leiden, wenn ihre globalen Lieferketten durch protektionistische Maßnahmen unterbrochen würden. Bereits die am 6. Juli in Kraft getretenen US-Strafzölle würden mehrheitlich nicht-chinesische Unternehmen treffen.

Aber der Konflikt beschränke sich ja nicht auf das Verhältnis USA-China. Die NAFTA sehe einer ungewissen Zukunft entgegen. Kanada und Mexiko seien mehr noch als China wirtschaftlich von den USA abhängig. Ihr Potenzial, Donald Trump Paroli zu bieten, sei entsprechend beschränkt.

Das sehe im Fall der EU anders aus. So biete die Handelspolitik den Europäern derzeit sogar ein ideales Feld, ihren angeblichen Gemeinschaftssinn und ihre Bereitschaft zur Kooperation unter Beweis zu stellen. Die Zuständigkeit für die Verhandlungen liege bereits klar bei der Kommission - keine Übertragungen von Befugnissen oder Ressortstreitigkeiten seien erforderlich, kein Subsidiaritätsprinzip spreche gegen die EU als Entscheidungsebene.

Der Aggressor in diesem "Handelskrieg" sei zudem eindeutig definiert - die EU komme in den Genuss, in dieser Frage einmal zweifellos moralisches Oberwasser zu haben. Stattdessen drohe die europäische Seite selbst in dieser Situation keinen einheitlichen Auftritt auf die Reihe zu bekommen. Der Regierung Trump gelinge es, Europa zu spalten. Einzelstaatliche Interessen an einem schnellen Deal mit Washington überlagern oder unterminieren gar die gesamteuropäische Position (wir schauen hier auch in Richtung Berlin), so die Analysten der Helaba. Vertreter nationaler Automobilhersteller würden mit US-Diplomaten "verhandeln". Wen würden da noch die immer stärker werdenden Zweifel an der Handlungsfähigkeit der Europäischen Union wundern? (06.07.2018/ac/a/m)







 
 
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