Handelskrieg und eintrübende Fundamentaldaten der US-Unternehmen erhöhen die Rezessionsgefahr




16.08.19 11:30
Legal & General IM

London (www.aktiencheck.de) - Die Aussichten verdunkeln sich, Tweets des US-Präsidenten Donald Trump haben zuletzt den fragilen Waffenstillstand zwischen den USA und China zunichte gemacht, so die Experten von Legal & General Investment Management (LGIM).

Das Timing sei denkbar ungünstig gewesen. Führende US-Unterhändler - Steven Mnuchin und Robert Lighthizer - seien gerade von einer Wiederaufnahme der Gespräche in Shanghai zurückgekehrt. "Trump hielt sich offenbar nicht an seine Berater, als er mit Wirkung zum 1. September Zölle in Höhe von 10 Prozent auf die verbleibenden Importe aus China im Wert von 300 Milliarden US-Dollar ankündigte, von denen einige nun auf Dezember verschoben wurden", kommentiere Tim Drayson, Head of Economics bei LGIM, die Lage.

Dies werde sich direkt auf hochkarätige Konsumgüter auswirken, pünktlich zur besten Urlaubs-Shopping-Zeit. Das unerwartete Vorgehen der Amerikaner habe China schockiert. Die Chinesen hielten Trump wahrscheinlich für zu unzuverlässig und zu unvernünftig, um sich mit ernsthaften Verhandlungen zu beschäftigen. Die Vertrauensbasis sei nicht mehr vorhanden. "Chinas Kalkül ist es womöglich, den USA zunehmend Schmerzen zuzufügen, um nach den Präsidentschaftswahlen 2020 einen Regierungswechsel herbeizuführen. Die Reaktion der USA, China als Währungsmanipulator zu bezeichnen, als Antwort auf eine leichte Abschwächung des Renminbi, hat die Spannungen nur noch weiter angeheizt", sage Drayson.

Die direkten Auswirkungen seien laut dem Ökonom eher überschaubar, das US-Wirtschaftswachstum könnte sich um 0,2 Prozent verringern. Insgesamt betrachtet, summierten sich aber die negativen Nachrichten. Das globale Wachstum habe sich im letzten Jahr bereits deutlich abgekühlt. Angesichts der schwierigen Investitionsbedingungen könnte sich der Rückgang der Produktion aufgrund der gestiegenen Lagerbestände verschärfen. "Wir befürchten, dass wir uns einem Wendepunkt nähern, an dem das Vertrauen stärker geschädigt wird und Unternehmen ihre Investitionen und ihre Beschäftigung reduzieren. Letzteres würde auch die Verbraucherstimmung eintrüben, die bisher trotz allem relativ gut gewesen ist."

Zwei weitere Faktoren würden nach den Worten Draysons ebenfalls zu den Abwärtsrisiken beitragen. Erstens sei der Ansatz des neuen britischen Premierministers und seines Pro-Brexit-Kabinetts aggressiver als gedacht. "Wir waren daher gezwungen, unsere Wahrscheinlichkeit für einen Brexit ohne Deal zu erhöhen. In diesem Szenario erwarten wir, dass Großbritannien rasch in eine Rezession gerät, gefolgt von der Eurozone", konstatiere der Experte. Für die Eurozone wäre dies eindeutig problematisch, da keine politischen Instrumente zur Verfügung stünden, um den Schock zu kompensieren. Wenigstens die Federal Reserve (FED) habe Spielraum, zinssensible Teile der Wirtschaft wie den Wohnungsbau zu stimulieren. Die FED, die in diesem Jahr weitere Kürzungen vorsehe, sei bisher einer der Gründe gewesen, warum man die US-BIP-Prognose nicht stärker herabgesetzt habe. "Wir bezweifeln nicht, dass die Fed alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen wird, wenn der Handelskrieg die Rezession noch stärker bedroht", so Drayson.

Der zweite Punkt sei zwar ein Nischenbereich für Ökonomen, wirke sich jedoch auf Rezessionsindikatoren und Markteinschätzungen aus. Im Rahmen der jährlichen US-Benchmark-Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen seien die Unternehmensgewinne stark nach unten revidiert worden. Das Einkommen sei den Haushalten zugewiesen worden und zeige sich in einer höheren persönlichen Sparquote.

"Unsere BIP-Komponentenmodelle deuten jetzt auf ein stärkeres Wachstum der Verbraucherausgaben hin, das durch geringere Unternehmensinvestitionen ausgeglichen wird - das BIP bleibt dabei insgesamt unverändert. Durch die Verschiebung der Zusammensetzung ist der zuvor anfällige Unternehmenssektor jedoch noch stärker gefährdet", sage Drayson und ergänze: "Zwei unserer Rezessionsindikatoren - Gewinnmargen und Finanzierungslücke - bewegen sich jetzt auf den roten Bereich zu."

Indessen werde der Haushaltssektor noch robuster. Unterm Strich sei die Auslösung einer Rezession in diesem Zyklus unwahrscheinlich. Darüber hinaus hätten schwächere Investitionen negative Auswirkungen auf den US-Fertigungszyklus, der tendenziell einen größeren Einfluss auf die US-Aktien- und Kreditmärkte habe, als dies durch die Gewichtung des BIP impliziert werde.

Inmitten der Dunkelheit gebe es jedoch eine positive Entwicklung: Die USA hätten sich auf ein Haushaltsabkommen geeinigt und die Schuldengrenze um ein paar Jahre außer Kraft gesetzt. "Damit ist ein wichtiges Abwärtsrisiko beseitigt. Aber die Finanzpolitik ist dabei, neutraler zu werden, nachdem sie im vergangenen Jahr fast ein Prozent zum Wachstum beigetragen hat. Alles in allem ist eine weltweite Rezession nicht unser Basisszenario. Zugleich ist dies ist die größte Sorge, die wir seit der Krise im Euroraum haben", resümiere Drayson. (16.08.2019/ac/a/m)







 
 
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