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Kolumnist: Klaus Singer

Handelskrieg oder Währungskrieg 2.0?




09.04.18 15:15
Klaus Singer

In den Mainstream-Medien wird dieser Tage vom „Handelskrieg“ getönt. Der
Freihandel sei in Gefahr, der der Welt in den zurückliegenden vier
Dekaden so viel Wohlstand beschert hat. Stellen wir mal die Frage
zurück, wie dieser sich denn national wie international verteilt und
fragen auch nicht danach, wer das geistige Eigentum der westlichen Welt
warum wohin „verkauft“ hat (siehe z.B. hier!).
Die Mainstream-Medien stellen Trump gerne als schlichtes, aufbrausendes
Gemüt dar, der impulsiv kurzfristig motiviert und ohne strategischen
Hintergrund handelt. Diese persönliche Charakterisierung mag zutreffen,
was aber nichts daran ändert, dass er politisch reaktionär und
brandgefährlich ist.


Viel zu wenig wird gefragt, was die Leute wollen, die geholfen haben,
Trump auf den Präsidenten-Schild zu heben (und die versammelten
Milliardäre in seinem Kabinett, sowie die Berater, die von Goldman Sachs
kommen). Angesichts der seit der Jahrtausendwende sinkenden
Wachstumsraten wird der immer neu zu verteilende Kuchen kleiner, damit
wird der Verteilungskampf härter. Und es bleibt immer weniger Raum für
„Geschenke“, um die Folgen der ungleichen Verteilung abzufedern (siehe
z.B. hier und hier!).


Kurz gesagt, welche Pläne hat Wall Street? Ich habe keinen Zweifel, dass
Trump letzten Endes von diesen Akteuren gesteuert wird – ganz so wie
Hitler seinerzeit von den Interessen des deutschen Groß- und
Finanzkapitals. In Zeiten wie diesen wird ein politischer Reaktionär
gebraucht, der die Interessen seiner Hintermänner mit allen Mitteln
durchsetzt.


Die Trump-Administration will und muss die Neuverschuldung steigern –
auch wegen der Einnahmeausfälle durch die Ende letzten Jahres
verabschiedete Steuerreform. Zudem stehen Infrastrukturprojekte auf der
Agenda, die durch Kredite finanziert werden müssen.


Diese neuen Schulden muss jemand kaufen. Gleichzeitig müssen angesichts
der gegebenen hohen Staatsverschuldung die Zinsen im Zaum gehalten
werden, denn auslaufende Schulden müssen refinanziert werden. Der
Kaufanreiz hoher Zinsen fällt damit weg.


Besteht im Inland genügend Nachfrage nach Staatsschulden? Angesichts der
sinkenden Sparquote dürfte das von privater Seite eher nicht der Fall
sein und ob die amerikanischen Geschäftsbanken ihre Überschussreserven
beim gegenwärtigen Zinsniveau hierfür in größerem Umfang einsetzen, ist
auch fraglich. Bei allem kommt hinzu, dass die Fed im Spätjahr 2017
begonnen hat, ihre Bilanz zu verkürzen, sie tritt somit nicht länger als
Netto-Käufer, sondern als Netto-Verkäufer von Anleihen auf (siehe etwa
hier!).


Also muss im Zweifel das Ausland in Bresche springen. Da die Zinsen im
Zaum gehalten werden müssen, geht das nur über eine deutliche Abwertung
des Dollar. Das verbilligt US-Staatsanleihen künstlich und macht sie
damit für ausländische Anleger interessanter. Hinzu kommt, dass bei
einem sinkenden Dollar ausländische Zentralbanken gezwungen werden,
US-Währungsreserven zu kaufen, um die Aufwertung ihrer Währungen im
Interesse ihrer Exportindustrie abzubremsen. Das dürfte v.a. für Länder
in Asien zutreffen.


Der sinkende Dollar macht über steigende Importpreise viele Güter
teurer. Das wiederum hilft, US-internes Angebot auf-, bzw. auszubauen.
Gleichzeitig steigert der schwächere Dollar die Exportfähigkeit der
US-Industrie. Teurere Importe steigern die Inflation, und das drückt
cet. par. den Außenwert der Währung.


Hinzu kommt: Wenn China mehr und mehr von seiner Rolle als Werkbank der
Welt zurücktritt (siehe hier und hier!) und den inländischen Markt
entwickeln will, lässt sein Interesse an Handelsbeziehungen u.a. mit den
USA tendenziell nach. China hatte insbesondere seit 2002 US-Bonds
gekauft, um die eigene Währung unter Druck zu halten und damit der
eigenen Exportindustrie Vorteile auf dem Weltmarkt zu verschaffen. Seit
Mitte 2014 wird der Bestand an Währungsreserven in die zunächst
aufgekommene Stärke des Dollar-Index hinein abgebaut. Die bis zum
Frühjahr 2015 anhaltende zeitweilige Dollar-Stärke wurde durch die
seinerzeit wegen der bevorstehenden QE-Maßnahmen der EZB einsetzenden
Euro-Schwäche begünstigt; seit Anfang 2017 zeigt der Dollar-Index
nachhaltige Schwäche (siehe Chart!).


Setzt China die eingeschlagene Richtung fort und baut seine Bestände an
US-Staatsanleihen weiter ab, hält das den Druck auf den Dollar aufrecht.
Somit erfährt das hier gezeichnete Bild von einem Ende 2016 gestarteten
Abwärtszyklus beim Dollar-Index auch von hier aus Unterstützung.


Kommt es tatsächlich zu den angedrohten Strafzöllen v.a. im Handel
USA-China (manche Beobachter sagen, da können noch Monate ins Land
gehen), dürfte sich die Schwäche des Dollar-Index vermutlich
beschleunigen. China könnte dann alsbald gezwungen sein, entweder
weitere Importschranken gegen US-Güter aufzubauen oder den Abwärtsdruck
des Dollar (bzw. den Aufwärtsdruck auf die eigene Währung) durch Spiel
mit den Währungsreserven zu beeinflussen.


Wenn China sich von seiner Rolle als Werkbank der Welt immer mehr
zurückzieht, dürften andere Länder versuchen, an seine Stelle zu treten.
Hier käme z.B. Vietnam in Betracht, und das auch deshalb, weil dieses
Land bei zurückliegenden Handelskonflikten von China als Zwischenstation
genutzt wurde, um Strafzölle zu umgehen. Zufall oder eher nicht: Seit
der Jahresmitte 2017 hat sich ein in Deutschland gehandelter ETF auf
vietnamesische Aktien um mehr als 60% verbessert. Und insgesamt fällt
auf, dass sich Aktien der Emerging Markets seit der Schwäche von US- und
Euro-Aktien vergleichsweise gut gehalten haben.


Das Spiel mit den Strafzöllen in Bezug auf China macht somit aus
US-Sicht durchaus Sinn. China versucht zwar, mit der Androhung von
Strafzöllen auf Sojabohnen über die Wahlklientel von Trump diesen selbst
zu treffen. Am Ende wird vermutlich ein fauler Kompromiss erzielt, der
einen zeitweiligen Burgfrieden begründet (bevor es in die nächste Runde
geht).


Bei diesem sogenannten „Handelskrieg“ geht es letzten Endes um einen
“Währungskrieg 2.0″, nachdem der nach der Finanzkrise mittels
QE-Maßnahmen geführte Abwertungskampf abebbt. Der neue Währungskrieg
soll erstens die Exportfähigkeit der US-Industrie sicherstellen und
zweitens die Bedingungen dafür schaffen, dass das zunehmende Angebot an
US-Treasurys selbst bei lediglich mäßigem Zinsniveau Abnehmer findet.


Erwähnte Charts, weiterführende Verweise und Quellenangaben können hier
eingesehen werden:
http://www.timepatternanalysis.de/Blog/2018/04/08/handelskrieg-oder-wahrungskrieg-2-0/





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