Erweiterte Funktionen


Handelskrieg: Ziehen die USA den Kürzeren?




06.09.18 14:32
Lombard Odier IM

Genf (www.aktiencheck.de) - Solange sich die beiden größten Volkswirtschaften der Welt in einem ökonomischen Disput befinden, könnte unserer Einschätzung nach das Weltwirtschaftswachstum und der wirtschaftliche Aufschwung in den Vereinigten Staaten beeinträchtigt werden, so Didier Rabattu, Head of Equities bei Lombard Odier Investment Managers.

Aufgrund des angespannten politischen Verhältnisses würden die anhaltenden Reibungen zwischen den USA und China zu einer höheren Inflation, geringerem Wirtschaftswachstum, niedrigeren Eigenkapitalrenditen sowie einer höheren Risikoprämie führen. Nach Erachten der Experten könnte diese Kombination negative Auswirkungen haben, insbesondere auf dem Höhepunkt eines langen Konjunkturzyklus und Haussephase, die beide nun mehr neun Jahre andauern würden. Zwar seien die Verluste bisher überschaubar und die Tragweite der globalen Auswirkungen begrenzt gewesen, allerdings sollte die derzeitige Marktdynamik unseres Erachtens mit Skepsis betrachtet werden.

Im Falle eines Handelskrieges würden die Experten drei mögliche Entwicklungen sehen: Erstens könnte sich die Inflation beschleunigen, da der freie Wettbewerb zwischen Staaten und Unternehmen erodieren würde. Zweitens wäre angesichts wachsender Unsicherheit anzunehmen, dass Investoren und Unternehmen ihre Investitionen zurückschrauben könnten. Das Wirtschaftswachstum würde sich dementsprechend verlangsamen. Drittens könnte es zu einem signifikanten Anstieg der Risikoprämie kommen, sobald die Anleger das Gefühl hätten, dass die Situation nicht unter Kontrolle sei.

Entgegen der verbreiteten Annahme würden Schwellenländer möglicherweise nur bedingt darunter leiden. Dies liege vordergründig daran, dass die meisten Schwellenländer ihre Binnenwirtschaft mittlerweile gestärkt hätten. Die derzeitige Situation sei nicht mit der großen Finanzkrise vor zehn Jahren vergleichbar, als die Ungleichgewichte zwischen Schwellen- und Industrieländern erheblich ausgeprägter gewesen seien. Damals seien Schwellenländer, insbesondere China, hauptsächlich Exporteur gewesen, während die Industrieländer, mit Ausnahme von Deutschland, massiv importiert hätten. Über das letzte Jahrzehnt habe sich der Status quo jedoch verschoben. Insbesondere asiatische Länder hätten ihren Binnenmarktanteil am BIP deutlich steigern können.

Dennoch würden die Experten kalkulieren, dass Wirtschaftsräume mit einem wachstumsstarken Technologiesektor, wie Taiwan und Korea, stärker von einem Handelskrieg gefährdet sein könnten. Diese seien anfälliger für einen Rückgang der Exportnachfrage; und inzwischen eng mit dem globalen Investitionszyklus verflochten. Im Gegensatz dazu würde Indien nach Meinung der Experten kaum unter einem Handelskrieg leiden, da aufgrund des reifen Binnenmarktes eine limitierte Abhängigkeit zum Rest der Welt bestehe. China befinde sich in der Mitte dieses Spektrums.

Solange sich die USA und China nicht zu weiteren Strafzöllen hinreißen lassen würden, dürften die Auswirkungen nach Meinung der Experten relativ begrenzt sein. Die Entschlossenheit der USA Importzölle zu verhängen, treffe allerdings auf eine ebenso große Bereitschaft Chinas, mit gleichen Mitteln zu kontern. Am Ende könnten die USA dabei den Kürzeren ziehen. (06.09.2018/ac/a/m)






 
 
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.



Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...