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Kolumnist: Bernd Niquet

Handel in türkischer Lira ausgesetzt




18.08.18 10:27
Bernd Niquet

Das gilt für Privatanleger in Optionsscheinen



Es wäre ein so schönes Geschäft gewesen. Natürlich war ich etwas spät dran, als ich mir am Mittwoch dieser Woche überlegt hatte, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und selbst auch wie so viele andere gegen die türkische Lira zu wetten.


Einem Diktator eine auf die Nase zu hauen und gleichzeitig dabei vielleicht sogar Geld zu verdienen, das ist doch was.


Also los!


Ich schaue mir die Call-Optionsscheine Euro/türkische Lira an, doch irgendetwas ist da komisch. Wie die Kurse sich bewegen und wie sie gestellt. Ich habe lange nicht mehr gehandelt und bin nicht mehr so routiniert, weswegen es ein Weile dauert, bis ich darauf komme, was hier nicht passt:


Die Geldkurse stehen über den Briefkursen. Hä? Wie kann das sein? Da sind Leute, die haben ihre Scheine nicht verkauft bekommen, obwohl andere viel mehr dafür bezahlen wollen, als diese fordern.


Ich rufe meine Bank an. Die ist verblüfft. Und gibt mir die Telefonnummer der Börsenüberwachung Frankfurt. Dort habe ich auch sofort jemanden an der Strippe. Doch der ist ebenso verblüfft.


Ich frage ihn: Heißt das, dass hier nicht gehandelt werden soll? Dann werden doch aber die Kurse in der Regel gestrichen, dann gibt es weder Geld- noch Briefkurse, oder? Er meint, das muss ein Fehler der Datenübertragung sein.


Während er sich schlau macht, schaue ich mir die anderen Scheine an. Es gibt nur zwei Emittenten, BNP Paribas und die Société Générale, und diese haben ihre Scheine bis auf den, an dem ich dran war, identisch behandelt: Es gibt Geldkurse, die sich permanent verändern, aber keine Briefkurse.


Das heißt: Die Emittenten nehmen denen, die Scheine besitzen, diese Scheine zurück. Sie verkaufen aber keinen neuen.


Und das heißt: Der Privatanleger kann nicht mehr gegen die türkische Lira spekulieren.


Sauber!


Hat es das schon jemals gegeben? Ich habe keine Ahnung. Doch bei einem europäischen Land bestimmt nicht. Es muss wirklich arg stehen.


Ich bin gespannt, wie das weitergeht. Schade erst einmal um das schöne und ethisch so korrekte Geschäft.


Das war die Situation am Mittwoch Nachmittag. Anschließend hat man sogar die Geldkurse gestrichen. Boah! Was wird da wohl los gewesen sein?


Jetzt, am Wochenende, gibt es wieder Geldkurse. Aber immer noch keine Briefkurse. Weiterhin ist es unmöglich, diese Scheine zu kaufen.


Was das Schlimme daran ist: Durch den neuerlichen Rückgang der türkischen Lira sind die an dem inneren Wert der Scheine ausgerichteten Geldkurse deutlich in die Höhe gesprungen. Bei dem Schein, den ich kaufen wollte, um 25 Prozent


Doch man hat dieses Geschäft nicht erlaubt. Die Märkte für Optionsscheine sind momentan stillgelegt.


Das ist eine Entscheidung der Emittenten, also von BNP Paribas und die Société Générale, sagt die Börsenaufsicht. Und nicht der türkischen Regierung.


Doch welchen Unterschied macht das?




Bernd Niquet





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