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Kolumnist: Ralf Flierl

Hammer & Nägel




05.03.20 16:14
Ralf Flierl



Der Fed-Werkzeugkasten für jede Situation
Wie das Heft entsteht



Als der neue Smart Investor 3/2020 zum vergangenen Wochenende erschien, wird der eine oder andere unsere Titelgeschichte „COVID-19“ für recht prozyklisch gehalten haben. Erschienen war das Heft tatsächlich genau auf dem Höhepunkt einer Börsenpanik, die sich innerhalb weniger Tage fast aus dem Nichts entwickelt hatte. Zur Erinnerung: Nur eine gute Woche zuvor hatte beispielsweise der US-amerikanische S&P 500 noch ein weiteres Allzeithoch erreicht, obwohl „Corona“ da bereits in aller Munde war. Kurz danach entschieden wir uns, das Thema auf die Titelseite zu heben, weil wir schon damals die Ruhe für trügerisch hielten und uns Dividendenaktien, denen wir uns in der neuen Ausgabe ebenfalls intensiv widmen, nur für bedingt titeltauglich hielten. Die Schwierigkeit bei Corona war, dass man zum damaligen Zeitpunkt nicht wissen konnte, ob das Thema per Erscheinen nicht bereits ein alter Hut sein würde. Tatsächlich ging es, entschuldigen Sie den Kalauer, in einer Weise „viral“, die auch wir so nicht unbedingt erwartet hatten. Schließlich zeichnet es Märkte regelmäßig aus, dass sie neue Informationen vergleichsweise rasch verarbeiten. Aus dem Umstand, dass so lange gar nicht auf die Ausbreitung des Virus reagiert wurde, hätte man also durchaus mit einiger Berechtigung auch schließen können, dass die Märkte das Thema bereits abgehakt hatten. Tatsächlich steckten sich die Börsen spät, aber dafür mit der schwärzesten Woche seit der Finanzkrise 2008 umso gewaltiger an. Einer der Auslöser – oder auch nur die vordergründige Entschuldigung? – für den scharfen Einbruch war wohl der Fall Italien, der schlagartig klar machte, was Pessimisten bis dahin nur vermutet hatten: Die Einhegung des Virus auf China bzw. Asien war gescheitert.



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Nur eine Delle?



Hauptsorge für die Börsen ist weniger das Virus selbst, als vielmehr die Frage, welche Abwehrmaßnahmen ergriffen werden und welche Auswirkungen das letztlich auf die Wirtschaft haben wird. Ehrlicherweise stochert man hinsichtlich beider Themenkreise noch immer durch reichlich dichten Nebel. Als Anhaltspunkt mögen aber die beispiellos drastischen Abwehr- und Quarantänemaßnahmen der chinesischen Führung gelten, die auf einen mindestens mehrwöchigen Stillstand großer Teile der dortigen Wirtschaft hinausliefen. Alleine dies dürfte für eine ordentliche Wachstumsdelle der Weltkonjunktur im ersten Quartal 2020 sorgen. Sollte also in anderen Regionen ähnlich scharf reagiert werden, wovon die Marktteilnehmer nun offenbar ausgehen, dann ist auch noch während des zweiten Quartals mit zusätzlichen negativen Impulsen aus der Realwirtschaft zu rechnen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass selbst diese scharfe chinesische Reaktion eine globale Ausbreitung von COVID-19 nicht verhindern konnte (s.o.). Das mag auch daran gelegen haben, dass zunächst – so der Vorwurf an China – zu verhalten reagiert wurde, also auf verschiedenen staatlichen Ebenen, die Angelegenheit wohl zunächst unter dem Deckel gehalten werden sollte. Zumindest in dieser Hinsicht ist der Rest der Welt also nun gewarnt, so dass auch anderenorts von ähnlich scharfen, jedoch schnelleren Abwehrmaßnahmen ausgegangen werden sollte. Zumindest wäre das die logische Konsequenz aus den in China gemachten Erfahrungen.


Augen zu und durch



Allerdings scheinen sich einige Regierungen auch nach dem Augen-zu-und-durch-Prinzip durchwursteln zu wollen. Die Überlegung dahinter wäre dann etwa, dass die Maßnahmen ohnehin nicht sehr erfolgreich waren und man sich durch drastische Quarantänen zusätzlich auch noch die Konjunktur abwürgt. Die gewaltigen Unterschiede in den berichteten Fallzahlen einzelner Länder werden eigentlich nur plausibel, wenn man davon ausgeht, dass es bei Erfassung, Tests und im Berichtswesen alles andere als einheitlich zugeht. Die Idee ist naheliegend, die Corona-Fälle in der normalen Influenzastatistik zu verstecken und auf diese Weise einen temporären Shutdown der eigenen Wirtschaft zu vermeiden. Ethisch oder verantwortungsvoll ist ein solches Verhalten zwar selbstredend nicht.


Gescheiterter Bluff



Wie hilflos die Regierungen mit der Corona-Pandemie – wir nennen sie jetzt einfach einmal so, auch wenn sich die WHO weiterhin ziert, das Phänomen so zu bezeichnen – tut, zeigen die ergriffenen und mehr noch die unterlassenen Maßnahmen: Politiker, die es gewohnt sind, mit Worthülsen („Die Lage ist unter Kontrolle“) zu regieren, stellen nun fest, dass so ein Virus aus einem etwas anderen Holz geschnitzt ist als der durchschnittliche Wähler. Will sagen, das Virus nimmt die staatstragenden Statements nicht annähernd ernst und will, wie das in der Pokersprache so schön heißt, „sehen“. Und da zeigt sich dann doch recht schnell, dass auch hinsichtlich des gepriesenen deutschen Gesundheitssystems, für dass das ja alles angeblich kein Problem ist, ein wenig geblufft wurde: Aktuell füllen sich jedenfalls die Schlagzeilen mit alleine gelassenen Hausärzten, denen die Desinfektionsmittel ausgehen, und hilflosen Patienten, die auf der Suche nach einem Corona-Test von Pontius zu Pillatus geschickt werden. Wer aber gar nicht erst getestet wird, erscheint auch nicht in der Statistik, zumindest nicht in der Corona-Statistik (s.o.). Alles unter Kontrolle.


Das ultimative Werkzeug



Neben leeren Versprechungen ist billiges Geld die andere Standardmaßnahme für jeden Wechselfall des Lebens. Gestern war es die Fed, die den Zins-Hammer auspackte, in der Hoffnung, dass auch das Coronavirus und dessen Folgen nur eine weitere Abfolge von Nägeln seien, auf die man nur kräftig genug draufzuschlagen brauche, damit sie verschwinden. In einem ersten Reflex zeigten sich die US-Börsen von der Zinssenkung um 0,5% durchaus beeindruckt. Doch die Begeisterung währte nur kurz und wich noch während der gestrigen Sitzung Zweifel und Ernüchterung. Wie schlimm muss es eigentlich sein, wenn sich die Fed zu einem derart großen und außerplanmäßigen Zinsschritt entschließt? Werden sinkenden Zinsen außer ein bisschen Wohlfühlatmosphäre überhaupt etwas an den Folgen einer Pandemie ändern? Da sind Zweifel durchaus angebracht, denn das wesentliche wirtschaftliche Problem, das sich durch die Fabrikschließungen abzeichnet sind Produktionsausfälle. Entsprechend werden perspektivisch Waren, nicht aber Geld fehlen. Die Liquidität, die bereitgestellt wird, um Jagd auf abgestürzte Aktien zu machen, könnte über kurz oder lang auch Jagd auf ganz reale Waren machen. Das Ergebnis wäre entsprechend nicht eine verbesserte Konjunktur, sondern eine ordentliche Preissteigerung.






Zu den Märkten



Und die wäre eigentlich gut für Edelmetalle. Eigentlich. Denn eine von uns so nicht erwartete Marktreaktion erfolgte gegen Ende der Vorwoche im Edelmetallbereich. Gold, das lange Zeit als ein nicht perfekter Hedge gegen die Kursverluste am Aktienmarkt gewirkt hatte, erlitt einen empfindlichen Schlag (vgl. Abb.. rote Linie, Ziff. 2). Bei den zugehörigen Minenaktien (hier nicht dargestellt) kam es sogar zu einem regelrechten Blutbad. Insbesondere die Heftigkeit der Bewegung hat uns überrascht. Inzwischen kam es hier allerdings – wie auch bei etlichen arg gebeutelten Standardaktien – zu ersten kräftigen Gegenbewegungen. Regelrechte Luftlöcher im Goldmarkt, die sich bevorzugt im späten Freitagshandel auftun und die Preise durchsacken lassen sind kein Novum. Allerdings muss man für diese Situation nicht zwangsläufig an dunkle Mächte denken, die Druck auf den „sicheren Hafen“ ausübten. Auch normale Anleger sind in Phasen allgemein und überwältigend abwärts gerichteter Kurse oft versucht, die vergleichsweise stärksten Anlagen zuerst zu verkaufen. Wie schmerzhaft die Verluste bei den Standardtiteln des S&P 500 bereits waren, kann man an der blauen Kurve in der Abb. erkennen (Ziff. 1). Solche Positionen werden dann gerne erst einmal ausgesessen, auch wenn dies dem Grundsatz widerspricht, Gewinne laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen. Außergewöhnliche Zeiten provozieren eben mitunter außergewöhnliche Reaktionen, besonders dann, wenn eine Verlustbegrenzung aufgrund der Geschwindigkeit des Absturzes nicht erfolgt ist. Die Hoffnung vieler Anleger besteht dann in einem schnellen Zurückschnalzen, das eine weniger schmerzhafte Ausstiegsmöglichkeit eröffnet.


Musterdepot Aktien & Fonds



Wir machen eine Bestandsaufnahme und blicken nach der turbulenten letzten Woche auf den größten Teil unserer Depottitel. Sie können sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.


 




Smart Investor 3/2020


Titelstory: COVID-19

Dividendenaktien: Wenn Unternehmen einen ausgeben

Besteuerung: Großangriff auf Privateigentum 

Vervielfacher: Elf Tenbagger aus dem Minenbereich




Fazit

Das Coronavirus hält die Märkte weiter in Atem. Entscheidend wird sein, wie stark und wie nachhaltig die Wirtschaft vor allem von den Gegenmaßnahmen der Behörden betroffen sein wird.


Ralph Malisch, Christoph Karl




       

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