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Kolumnist: Robert Halver

Halvers Woche: "Geht Amerika pleite? Alle Jahre wieder die Diskussion"




25.08.19 10:57
Robert Halver

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Halver verweist auf die enorme Schuldenlast der USA, die die Wirtschaftsleistung inzwischen übersteigt. Dennoch erwartet er keine Finanzkrise, u.a. wegen des hohen Importüberschusses des Landes.
 


23. August 2019. MÜNCHEN (Baader Bank). Die Liebe des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten zu Schulden ist mindestens so groß wie die von Romeo zu Julia. Egal, ob Auto-, Studenten- oder Baukredite, die US-Bürger sind bis Oberkante Unterlippe verschuldet. Auch Vater Staat feiert jedes Jahr neue Schuldenorgien? Mutiert also der US-amerikanische Weißkopfseeadler bald zum Pleitegeier?      


Wann immer es um die Rettung des Vaterlands geht, zeigen Demokraten und Republikaner gleichermaßen ein Herz für Schulden. Franklin D. Roosevelt beseitigte mit dem New Deal die große Wirtschaftsdepression der 30er Jahre. John F. Kennedy ist auf Pump vor den Sowjets auf dem Mond gelandet. Ronald Reagan rüstete das „Reich des Bösen“ kreditfinanziert tot und kreierte den legendären Wirtschaftsaufschwung der 80er. George Bush Senior sicherte im Golfkrieg die Ölversorgung aus dem Mittleren Osten und sein Junior ließ mit Hilfe von Schulden die nur in seiner Einbildung vorhandenen Massenvernichtungswaffen im Irak beseitigen. Mit „Yes We Can Debt“ rettete Barack Obama das US-Finanzsystem vor dem Armageddon. Und aktuell geht es Donald Trump um Standortverbesserung: „America First“ und „China and Europe Second“.     


Bevor man die Schulden in nackten Zahlen betrachtet, sollte ein Sauerstoffzelt bereitstehen. Die Staatsverschuldung beträgt aktuell mehr als 22 Billionen US-Dollar. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs hat sie sich verhundertfacht. Während schon Reagan die Schuldenlast um 120 Prozent gesteigert hat, präsentierte sich Obama als Schuldenkönig mit plus 10 Billionen. Auch Trump hat seit Antritt im Weißen Haus schon über 2 Billionen neue Kredite angehäuft. Und dabei ist der Großkredit für den Kauf von Grönland noch nicht einmal eingerechnet.


Ziehen Amerikas Kreditgeber die Reißleine?


Von seiner Schuldensucht kommen die USA so wenig los wie der Fuchs von seinem Verlangen nach Guns. Ansonsten bricht die kreditabhängige US-Wirtschaft zusammen wie ein Kartenhaus bei Wind.


Bei Kreditgebern schrillen spätestens dann die Alarmglocken, wenn die Staatsverschuldung die Wirtschaftskraft eines Landes überschreitet. DIe USA liegen mittlerweile bei 106 Prozent. Dem Frohsinn der Gläubiger ist es auch nicht zuträglich, dass das Land seine Kreditverpflichtungen liebend gern weginflationiert. Die schöne offizielle US-Inflation ist nicht wahr, die inoffiziell wahre nicht schön.


Bei solch zerrütteten Finanzverhältnissen verlassen Gläubiger normalerweise ähnlich schnell das Schulden-Haus wie Mäuse, wenn die Katze kommt. Das zeigt sich in Argentinien, wo nach einer erneuten Kapitalflucht die nächste Staatspleite droht.  


Ohnehin, für den chinesischen Drachen ist es im Kampf mit Uncle Sam um die Weltherrschaft reizvoll, seine fast 2 Billionen US-Staatspapiere auf den Rentenmarkt zu werfen wie Ramschware auf den Wühltisch. Wie schmerzhaft wäre es für Washington, wenn in der Folge stark steigende Kreditzinsen die überbordende amerikanische Schuldenlast untragbar machte?


Sind das nicht alles überzeugende Gründe für eine US-amerikanische Finanzkrise? Warum sollte eine Kapitalflucht aus den USA ausgeschlossen sein? Geht also die Supermacht USA unter wie das Römische Reich nach den Angriffen der Germanen? Kommt der Adler als Truthahn auf den Opfertisch der Chinesen? Tatsächlich, alle Jahre wieder und besonders 2019 wird die Pleite der USA in den dunkelsten Farben an die Wand gemalt.


Amerikas Schuldenfluch ist gleichzeitig auch sein -segen


Da die USA deutlich mehr importieren als sie exportieren, haben sie gegenüber den Außenhandelspartnern ein Handelsbilanzdefizit. China und Europa – das auch kein inniges Verhältnis mehr zu Amerika hat – mögen darüber klagen, dass sie als Ausgleich für mehr gelieferte harte Ware nur mit Papier, mit US-Staatsanleihen, abgefunden werden. Doch wenn die Exportländer nicht bereit sind, diese weiterhin zu akzeptieren, schneiden sie sich ins eigene Export-Fleisch. Exportnationen kommen weiterhin an buntem Papier so wenig vorbei wie der Club-Besucher am Türsteher.


Übrigens, selbst China ist zur großen Freude Trumps nicht in der Lage, eine US-amerikanische Finanzkrise auszulösen. Denn dann würde die Fed wie Michael Jordan in seinen besten Tagen als Basketballspieler für jeden US-Dollar verkaufte US-Staatsanleihen zwei auffangen. Der chinesische Finanzkrieg gegen die USA wäre nur ein Sturm im Wasserglas. Die US-Notenbank würde zwar zum noch größeren Hauptaktionär des Landes. Na und, Hauptsache die US_amerikanischen Kreditzinsen bleiben billig.


Überhaupt, der US-Dollar ist die Weltleitwährung. Kauft irgendwer irgendwo in der Welt auch nur einen Sack Weizen oder ein Barrel Öl, erhält Amerika - ob gewollt oder ungewollt - einen Kredit.  


Sicher, so manches Land, das mit den USA hadert, hat ein hohes Interesse an einer anderen Leitwährung, um der erzwungenen US-Dollar-Abhängigkeit zu entfliehen und um Trump eins auszuwischen. Entsprechende Bemühungen sind durchaus zu beobachten. Und je schwächer der US-Dollar ist, umso weniger attraktiv sind US-amerikanische Schuldtitel. Doch bräuchte eine Währungsalternative einen starken dahinterstehenden Staat. Ernsthaft kommt dafür nur China in Frage.


China kann auch nicht alles


Doch um den Yuan in den Währungs-Olymp zu hieven, um US-Dollar und die USA finanz- und geopolitisch möglichst viel Wasser abzugraben, müsste Peking seine planwirtschaftliche Wechselkursbestimmung aufgeben. Zurzeit darf der Yuan einen von der chinesischen Notenbank täglich vorgegebenen Kurs nur in einer bestimmten Spanne über- oder unterschreiten. Der Yuan ist also nicht wie der US-Dollar frei wie ein Vogel, sondern eher bewegungsarm wie ein Wellensittich im Käfig. Würde allerdings Peking die Tür vom Käfig öffnen, würde der Yuan marktwirtschaftlich völlig gerechtfertigt dramatisch gegenüber anderen Handelswährungen aufwerten. Das will Exportweltmeister China bestimmt nicht.


Vor diesem Hintergrund sind weder US-Dollar noch Schulden-USA verloren. Im Gegenteil, die Fakten sprechen für sich: Obwohl die Gesamtverschuldung seit der Immobilienkrise 2018 um 50 Prozent gestiegen ist und immer mehr in eine Vertikalbewegung nach oben übergeht, ist der Schuldendienst aufgrund der seitdem gefallenen Kreditzinsen in etwa gleichgeblieben.


23. August 2019, © Baader Bank


Über den Autor


Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank und Halvers Woche Bestandteil des wöchentlichen Kapitalmarktmonitors.


Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.


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