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Kolumnist: Ralf Flierl

Gute Zahlen, schlechte Zahlen




25.10.18 15:12
Ralf Flierl



Freud‘ und Leid in der Berichtssaison dies- und jenseits des Atlantiks
Uneinheitlicher Ertragskompass Die sogenannte „Earnings Season“ ist in den USA in vollem Gange. Fast täglich veröffentlichen aktuell Unternehmen aus dem S&P 500 ihre Zahlen zum 3. Quartal. Auffallend ist jedoch, dass die durchaus positiven Zahlen der Börse derzeit keine positiven Impulse geben. Immerhin hatten 85% der 51 Unternehmen, die bis letzte Woche berichtet hatten, die Erwartungen der Analysten übertroffen. Durchschnittlich lagen die Ergebnisse 21,9% über dem Vorjahresquartal. Die mit Spannung erwarteten Zahlen der großen Technologie-Blue-Chips wie Alphabet, Facebook oder Amazon stehen jedoch noch aus. Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Gesamtbild dürften die guten Ergebnisse der Öl- und Gasbranche sowie die US-Steuerreform gehabt haben, wobei insbesondere die letztgenannten Effekte wohl bereits in den Kursen eingepreist waren. Typischerweise interessieren sich die Marktteilnehmer in möglichen Übergangszeiten nur noch relativ wenig für die Zahlen der Vergangenheit, dafür aber umso mehr für den Ausblick auf das nächste Quartal bzw. auf das kommende Jahr. Und genau hier scheinen den Analysten die Zwischentöne weniger zugesagt zu haben. Aktuell bepreist der Markt die Aktien des S&P 500 nämlich nur noch mit einem 16er KGV der geschätzten Ergebnisse der nächsten vier Quartale. Doch wie die Bezeichnung bereits sagt, handelt sich dabei um „Schätzungen“. Und erfahrene Börsianer wissen, wie schnell eine solche nach unten revidiert werden kann. In Deutschland dagegen mehrten sich in den letzten Wochen die Einschläge: Zwar stehen hier die meisten Quartalszahlen noch aus, Unternehmen wie Daimler, Continental, Osram, Fresenius, Zalando, Talanx, Hapag Lloyd oder HeidelbergCement haben die Märkte jedoch bereits mit Gewinnwarnungen geschockt. Wie nervös die Börsen sind, konnte man an den teilweise doch recht heftigen Reaktionen ablesen. Dabei ist eines auffallend: Die Enttäuschungen kamen entweder von ehemaligen Anlegerlieblingen (Fresenius, Zalando), die zudem ein relativ hohes Bewertungsniveau erreicht hatten, oder von Unternehmen aus relativ konjunktursensiblen Branchen (Daimler, Continental, HeidelbergCement).
Um die Ecke gedacht Die diplomatische Krise zwischen den USA und Saudi-Arabien aufgrund des heimtückischen Mordes an dem Journalisten Jamal Khashoggi belastet aktuell auch die Technologietitel an der NASDAQ. Das ist deshalb so, weil Saudi-Arabiens Staatsfonds direkt und indirekt (unter anderem durch eine knappe 50%-Beteiligung am 100 Mrd. USD schweren Softbank Vision Fund) einer der größten Investoren in Start-Ups und Technologieunternehmen ist. Die Summen, die dabei auf dem Spiel stehen, sind gewaltig. Allein der Softbank Vision Fund übertrifft mit seinem Volumen den nächstgrößten Venture Capital Fonds um den Faktor 20. Möglicherweise waren es diese schieren Dimensionen, die bislang an den Märkten zu der verbreiteten Auffassung führten, dass es fast unendlich tiefe Taschen für frische Investments in „heiße“ Technologieunternehmen gebe. Doch welcher Gründer oder CEO möchte angesichts der jüngsten Vorkommnisse wirklich den saudischen Staat an seinem Unternehmen beteiligt wissen? Zumal die Saudis in der Vergangenheit kaum dafür bekannt waren, mit ihren ausländischen Investments eine besonders gute Performance zu erzielen.

Zu den Märkten Es ist relativ selten, dass sich charttechnische Lehrbuchformationen in der Realität in ihrer Reinform zeigen. Auch der lange Weg zu einer „möglichen“ Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) war mit zahlreichen Finten und Fehlsignalen gepflastert. Mit dem gestrigen Tag ist aus der bloßen „Möglichkeit“ nun Gewissheit geworden. Die Nackenlinie (vgl. Abb., rote Linie) wurde kraftvoll durchbrochen. Vermutlich war es dieser Durchbruch, der chartorientierte Anleger zu weiteren Verkäufen animierte bzw. potenzielle Käufer erst einmal vorsichtig werden ließ. Um die Situation jetzt noch unter technischen Aspekten zum Guten zu wenden, müsste diese Nackenlinie rasch und überzeugend zurückerobert werden. Danach sieht es jedoch nicht aus.
Da wir gerade vom Lehrbuch sprachen: Das Kursziel aus dieser SKS-Formation gewinnt man, indem man den maximalen Abstand des Kurses von der Nackenlinie nach oben an der Ausbruchsstelle nach unten abträgt (vgl. Abb., senkrechte magentafarbene Linien). Demnach würde das Abwärtspotenzial aus dieser rund anderthalbjährigen Umkehrformation bis knapp über 10.000 Punkte reichen. Da es sich dabei um eine Mindesterwartung handelt, könnte es auch noch deutlich tiefer gehen. Andererseits darf man sich das nicht so vorstellen, dass mit dem Unterschreiten einer solchen Linie nun ein Automatismus in Gang gesetzt wurde. Auch unterhalb der Nackenlinie lassen sich die Marktteilnehmer von ganz unterschiedlichen, mehr oder weniger rationalen Überlegungen bei ihren Kauf- und Verkaufsentscheidungen leiten. Allerdings können die Ansteckung unter den Marktteilnehmern und positive Rückkopplungen durch Algorithmen eine echte Abwärtsdynamik in Gang setzen. Und weil es solchen Bewegungen an echter Rationalität fehlt, steuern sie nur allzu gerne auf markante Marken zu, wobei erst bei deren Erreichen ein kurzes Innehalten oder aber eine grundsätzliche Neuorientierung erfolgt. Bis dahin gibt es eine klare Vorzugsrichtung für den Markt und die weist, trotz der nun günstiger werdenden Saison, erst einmal nach unten und hat auf diesem Weg noch einiges an Abwärtspotenzial.
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In eigener Sache Erneut haben uns einige Leserhinweise zu Störungen beim Versand des Oktober-Heftes erreicht. Wir bitten auch an dieser Stelle noch einmal, die entstandenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen. Sollte bei Ihnen, liebe Leser, ebenfalls ein Problem aufgetreten sein, oder beim Versand der Ausgabe 11/2018 entstehen, zögern Sie bitte nicht, auf uns zuzukommen. Sie erhalten dann umgehend Ersatz.
Einkommen ohne Bedingungen An dieser Stelle dürfen wir unseren Lesern noch einmal für die interessanten Rückmeldungen zum Thema Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) danken. Wer uns seine Meinung dazu noch mitteilen will, kann dies auch in den nächsten Wochen noch tun. Die Umfrage bleibt offen. Schicken Sie eine Mail mit dem Stichwort „BGE“ an flierl@smartinvestor.de und diskutieren Sie mit. Wir werden die Beiträge sichten und in einer der nächsten Smart-Investor-Ausgaben darüber berichten. Wer damit einverstanden ist, gegebenenfalls namentlich zitiert zu werden, möge das gerne gleich bei seiner Antwort vermerken.
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Fazit

Größere Unterschiede zeigten sich in der gerade angelaufenen Berichtssaison zwischen Deutschland und den USA. Das allerdings sind möglicherweise nur Nuancen, denn unabhängig von den aktuellen Quartalszahlen wirken alle Aktienmärkte derzeit stark angeschlagen.

Christoph Karl, Ralph Malisch


       

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