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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Grüner Fisher: "Stabile Wirtschaft, wacklige Anleger"




26.05.19 09:56
Redaktion boerse-frankfurt.de


Grüner bleibt gewohnt optimistisch, was die US-amerikanische Konjunktur angeht, das Sentiment sei allerdings anfällig. 24. Mai 2019. FRANKFURT (Grüner Fisher). Die Freude über den gelungenen Jahresstart hat sich schnell wieder eingetrübt. Durch die neu aufgeflammten Diskussionen um den Handelskrieg zwischen China und den USA kehren diverse Ängste in die Köpfe der Anleger zurück. "Rezession" ist das Stichwort: Auf globaler Ebene, in Europa, im Industriesektor, bei US-Unternehmensgewinnen. Die Angst vor dem nächsten Bärenmarkt hat viele Gesichter. Der schlechte Start in den Börsenmonat Mai macht eine nüchterne Standortbestimmung umso wichtiger.

Fundamentales Umfeld weiterhin robust


Viel wurde geschrieben über die schlechte Datenlage im Industriesektor, insbesondere in Deutschland. Dabei sind die Einkaufsmanagerindizes für den dominierenden Dienstleistungssektor in der Eurozone weiterhin auf Expansionskurs. Global betrachtet schafft es sogar der Index für das verarbeitende Gewerbe über den magischen Wert von 50. Im ersten Quartal 2019 ist das BIP sowohl in der Eurozone als auch in den USA angestiegen, selbst Italien befindet sich wieder im positiven Bereich. Nach der "technischen" Rezession mit zwei aufeinanderfolgenden negativen Quartalen hat sich somit auch das Sorgenkind Italien wieder gefangen.

Firmengewinne stabil


Kritiker haben ebenso davor gewarnt, dass sich die Unternehmensgewinne in den USA 2019 signifikant abschwächen werden. Eine Angst, die sich aller Voraussicht nach als überzogen herausstellen wird. Die Berichtssaison ist zwar noch nicht zu Ende, rund 400 Unternehmen im S&P 500 haben ihre Zahlen aber bereits veröffentlicht, die Gewinnschätzungen haben sich mittlerweile von -3,9 Prozent auf ein nahezu unverändertes Niveau verbessert. Abgerundet wird das robuste Zahlenwerk von einem gesunden Umsatzwachstum. Die US-Zinsstrukturkurve hat sich schnell wieder aus dem inversen Bereich verabschiedet, global betrachtet ist das Umfeld für eine gesunde Kreditvergabe weiterhin vorteilhaft. Sowohl in der Eurozone als auch in den USA zeigen die Leading Economic Indizes fortgeführtes Wachstum an, insbesondere die neuen US-Auftragseingänge verdeutlichen den Expansionskurs in naher Zukunft. Nicht zuletzt zeigt auch das Stimulus-Programm der chinesischen Regierung große Wirkung. Zusammenfassend lässt sich feststellen: Im Börsenjahr 2019 fehlt es nicht an fundamentaler Stärke.

Marktstimmung dennoch anfällig


Positive Fundamentaldaten werden durchaus anerkannt, allerdings nicht wirklich in den Fokus gerückt. Schwache Datenpunkte überlagern das positive Gesamtbild und dementsprechend bleibt das Handeln vieler Anleger bestimmt von Emotionen. Der Handelskonflikt zwischen China und den USA ist nur einer von zahlreichen Faktoren, die man als Ursache für die nächste signifikante Abwärtsbewegung an den Börsen ausmacht. Dabei ist die Situation für langfristig orientierte Anleger weiterhin nahezu ideal. Neu auftretende Unsicherheiten halten die Erwartungshaltung auf einem gedämpften Niveau, die Realität kann in vielerlei Hinsicht Erleichterung hervorrufen. Es wird allerdings schwierig bleiben, diesen fundamentalen Mechanismus als zentrale Entscheidungsgrundlage für die eigene Anlagestrategie herzunehmen - im reifen Bullenmarkt sorgen hohe Schwankungsbreiten typischerweise dafür, dass Anleger emotionale Fehlentscheidungen treffen und die Märkte vorschnell verlassen.

Fazit


Das Stichwort für 2019 sollte nicht "Rezession" lauten, sondern "Widerstandsfähigkeit". Der laufende Bullenmarkt hat beste Chancen, sich im Jahr 2019 robust gegenüber negativen Meldungen und vorübergehenden Kursverlusten zu zeigen - dem fundamental stabilen Umfeld sei Dank.

von Thomas Grüner
23. Mai 2019 © Grüner Fisher

Über den Autor


Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren "Forbes"-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen "Forbes"-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.

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