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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Grüner Fisher: "2018 - dynamische Normalität"




30.12.17 09:33
Redaktion boerse-frankfurt.de

Grüner sieht einen Bullenmarkt wie aus dem Lehrbuch, und ist bullish für 2018.


 


Im März 2018 wird der laufende Bullenmarkt sein neuntes Jahr vollenden. In der dynamischen Startphase im März 2009 wurde lange Zeit angezweifelt, dass es sich tatsächlich um den Beginn eines neuen Zyklus handeln könnte - zu tief saß der Schock nach der Weltwirtschaftskrise 2008. Es folgten lange Jahre einer ungeliebten Aufwärtsphase, in der es insbesondere für europäische Anleger immer wieder schwierig war, den globalen Bullenmarkt auch als solchen wahrzunehmen. Den absoluten Härtetest für langfristig orientierte Anleger stellte die Eurokrise 2011 dar, wodurch die Kursentwicklung der europäischen Aktienmärkte eher das Prädikat "lokaler Bärenmarkt" als "umfangreiche Korrektur" verdient hätte. Das ist alles Schnee von gestern - die Märkte haben sich robust gezeigt und der Optimismus hält weiter Einzug. Wartet auf die Anleger nun ein dynamisches Finale?


 


Viel normaler als man denkt


 


Den meisten Marktteilnehmern ist es entgangen, wie völlig normal dieser Bullenmarkt bisher abgelaufen ist. In der Frühphase investierten Anleger in das Konzept einer "neuen Normalität", überzeugt davon, dass durch die Weltwirtschaftskrise ein nachhaltig verändertes Umfeld geschaffen wurde. In der Tat hat sich vieles verändert, dennoch hat sich der laufende Bullenmarkt auch in seiner frühen Phase sehr typisch entwickelt. Werte mit niedriger Qualität, zyklische Aktien und Smallcaps übernahmen die Führungsrolle in den ersten Bullenmarktjahren, die von starken Renditen geprägt waren. Die nachfolgenden Jahre waren in der Summe ebenfalls positiv, aber die Entwicklung flachte sich merklich ab - typisch für den moderaten "Mittelteil" eines Bullenmarkts.


 


Im zeitlichen Schlussdrittel nehmen die Märkte üblicherweise wieder Fahrt auf, angeführt von qualitativ hochwertigen, wachstumsstarken Aktien mit großer Marktkapitalisierung. Diese Dynamik war bereits in 2017 auf globaler Ebene spürbar, jedoch stark abhängig vom Blickwinkel: In US-Dollar legte der MSCI World bisher rund 20 Prozent zu, in Euro gerechnet nur 6 Prozent.


 


Die im laufenden Bullenmarkt erreichte jährliche Durchschnittsrendite liegt bisher leicht unter dem Bullenmarkt-Durchschnitt in der gesamten Markthistorie, allerdings könnte ein starkes Finale diesen Bullenmarkt genau in den Schnitt heben. Letztendlich ist es die Normalität, die viele Investoren überrascht hat - und das kann sie auch weiterhin schaffen, insbesondere wenn dieser Bullenmarkt noch länger durchhält, als viele erwarten.


 


Ausblick 2018


 


Die fundamentale Stärke einer wachsenden Weltwirtschaft wird sich in 2018 weiter ausprägen. Bezüglich der Fed-Politik erwarten viele, dass der designierte Fed-Vorsitzende Jerome Powell den geldpolitischen Kurs von Janet Yellen nahtlos fortführen wird. Steigende US-Leitzinsen werden dabei nicht zwangsläufig einen Anstieg auch am langen Ende der Zinsstrukturkurve verursachen - langfristige Zinsen sind abhängig von den Inflationserwartungen, welche klassischerweise bei einer Straffung der Geldpolitik zurückgehen. Eine weitere Abflachung der US-Zinsstrukturkurve gilt es als Risikofaktor streng zu überwachen.


 


Fazit


2018 wird zahlreiche neue Herausforderungen für Anleger mit sich bringen: Mehr Optimismus, den man sorgfältig von der Euphorie trennen sollte, eine gesteigerte Volatilität und jede Menge Angst und Gier. Es warten neue emotionale Fallen für Anleger, die schon im bisherigen Verlauf des Bullenmarkts Probleme hatten, die langfristige Marktrendite auch mitzunehmen. Eines wird sich allerdings nicht ändern: Die historisch außerordentliche relative Attraktivität der Aktienmärkte.


 


28. Dezember 2017, © Grüner Fisher


 


Über den Autor


Thomas Grüner ist Gründer und Chief Investment Officer von der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren „Forbes“-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen „Forbes“-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.


 


Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.



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