Erweiterte Funktionen


Großbritannien: Ruhe vor dem Sturm?




05.09.18 16:25
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Brexit-Verhandlungen gehen in die entscheidende Phase, so die Analysten der Helaba.

Die Zeit vor dem formellen EU-Austritt Ende März 2019 dränge, die Sorge vor einem "No-Deal"-Brexit nehme zu. Während es politisch hoch her gehe und das Pfund Sterling deswegen zur Schwäche neige, sei die britische Wirtschaft in einem ruhigeren Fahrwasser unterwegs und wachse mit moderatem Tempo.

Insgesamt habe der Brexit einen dämpfenden Effekt auf das britische Wachstum. Während zunächst der private Konsum unter den Kaufkraftverlust wegen der Pfund-Abwertung gelitten habe, habe sich mittlerweile auch das Investitionswachstum verlangsamt. Angesichts des nahenden EU-Austritts sei eine gewisse Vorsicht bei den Unternehmen verständlich. Die Stimmungsindikatoren hätten tendenziell etwas nachgelassen, würden jedoch auch keinen hohen Pessimismus nahe legen. Der private Konsum dürfte sich auf dem geringeren Wachstumspfad stabilisieren. Die Inflation habe ihren Zenit wohl überschritten, sodass sich die realen Einkommen sogar etwas beschleunigen könnten.

Der Arbeitsmarkt sei weiterhin erstaunlich robust. Auch die Häuserpreise hätten sich bei geringeren Zuwachsraten gefangen und würden den Verbrauchern kaum die Laune verderben. Vom Außenhandel würden nach einem schwachen zweiten Quartal wieder positive Impulse ausgehen. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2018 mit 1,3% zulegen. Für das kommende Jahr zeichne sich eine ähnlich moderate Dynamik ab, was aber nicht zuletzt vom Ausgang der Brexit-Verhandlungen abhänge.

Bei den EU-Austrittsverhandlungen seien Briten und Europäer in vielen Punkten gar nicht so weit auseinander. Im Entwurf über das "Scheidungsabkommen" habe der Konsens bei über 80% der Textpassagen gelegen. In dem im Juli veröffentlichten "Weißbuch" über das künftige Verhältnis sei die britische Regierung der EU merklich entgegengekommen. Wie bei vielen Verhandlungen würden die Probleme jedoch im Detail stecken. So gebe es bisher keine Lösung für die nordirisch-irische Grenze. Unklar sei auch, wie umfangreiche Zollkontrollen zwischen Großbritannien und EU vermieden werden könnten. Sollten tatsächlich entweder die Verhandlungen selbst oder deren Ratifizierung in Großbritannien oder der EU scheitern, werde es ungemütlich. Bei dem dann folgenden "No-Deal-Brexit" würden Zölle auf WTO-Niveau eingeführt. Die größten Probleme wären aber wohl die technische Zollabwicklung und rechtliche Unsicherheiten bei Standards bzw. Zulassungen bei diversen Produkten und Dienstleistungen. Trotz laufender Vorbereitungen auf diesen Fall dürfte dann die Störung der Lieferketten das Wachstum massiv belasten.

Die Sorge vor dem No-Deal-Szenario dürfte letztlich aber die Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten entscheidend fördern. Schließlich habe auch die EU ein großes wirtschaftliches Interesse, um im international schwierigen Umfeld nicht noch durch einen Chaos-Brexit belastet zu werden. Der britische Vorschlag aus dem Weißbuch umfasse eine Freihandelszone für Waren. Dienstleistungen - insbesondere im Finanzsektor - seien dagegen nicht mit einbezogen. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit werde teilweise eingeschränkt. Am Ende würden die Verhandlungen zu einer Kompromisslösung im Rahmen des britischen Vorschlags führen. (05.09.2018/ac/a/m)







 
 
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.



Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...