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Großbritannien: Nächster Akt im Brexit-Drama




04.12.19 16:06
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die politischen Wirren um den EU-Austritt haben Großbritannien im Griff, so die Analysten der Helaba.

Die Konjunktur leide zwar darunter, breche aber nicht ein. Mit einer geordneten, dauerhaften Brexit-Lösung würden sich die wirtschaftlichen Perspektiven allmählich wieder aufhellen.

Wer führe im großen Brexit-Drama Regie? Sei es Shakespeare oder eher Monty Python? Sei es eine Tragödie oder eine Komödie? Das Publikum erhalte Zugaben, auf die es wohl lieber verzichten würde. Zumindest könnte sich der erste Akt tatsächlich dem Ende zuneigen. Ein neues Austrittsabkommen zwischen der EU und der britischen Regierung stehe zur Abstimmung bereit, nur das britische Unterhaus ziere sich noch und warte auf Neuwahlen.

Premierminister Johnson habe realistische Chancen, dass seine Konservative Partei die Unterhauswahlen gewinne. In diesem Fall werde er voraussichtlich seinen eigenen Deal durch das Parlament bringen. Sollte Johnson die Mehrheit bei der Wahl verfehlen, könnte das Parlament gelähmt bleiben: Von weiteren Fristverlängerungen, einem Deal oder einem ungeordneten Austritt wäre nichts auszuschließen. Den Brexit grundsätzlich in Frage stellen würde nur ein Wahlsieg der Opposition, der aber weniger wahrscheinlich sei. Diese könnte dann ein zweites Referendum beschließen.

Zukünftiges Verhältnis

Wenn der EU-Austritt - mutmaßlich am 31. Januar - vollzogen werde, sei das Thema keinesfalls erledigt. Denn während der anschließenden Übergangsphase sollten die Modalitäten für das zukünftige Verhältnis der Briten zur EU ausgehandelt werden. Eine konservative Regierung präferiere - anders als die Oppositionsparteien - ein Freihandelsabkommen mit einer eher lockeren Bindung an die EU. Die Briten könnten dann eigene Handelsverträge abschließen. Unterschiedliche regulatorische Standards bzw. Zölle würden jedoch vermehrt Grenzkontrollen erfordern. Die Verhandlungen würden sich als schwierig erweisen, so dass die Übergangsphase vermutlich über 2020 hinaus verlängert werden müsse. Ohne ein Abkommen oder eine Fristverlängerung würde erneut die Umstellung des EU-Handels auf WTO-Basis drohen.

Zähes Wachstum

Gemessen am politischen Chaos schlage sich die Konjunktur wacker. Das Wachstum habe zwar seit dem EU-Referendum deutlich nachgelassen, die befürchtete Rezession sei aber ausgeblieben. Ohne die Brexit-Unsicherheiten hätte die britische Wirtschaft dennoch zweifellos stärker zugelegt.

Am deutlichsten schlage sich der Brexit bei den Investitionen nieder, die seit 2016 nur geringfügig gewachsen seien - anders als in der Eurozone. Das magere Wachstum sei vor allem vom Wohnungsbau getragen worden, die Ausrüstungsinvestitionen hätten stagniert. Da nach einem geordneten EU-Austritt noch Unsicherheiten über das zukünftige Verhältnis bestünden, würden die Unternehmen vorerst gehemmt bleiben. Erst sehr allmählich bzw. mit wachsendem Nachholbedarf werde sich die Investitionsbereitschaft steigern.

Der private Konsum habe sich ebenfalls verlangsamt, stütze aber insgesamt das Wachstum. Der sehr solide Arbeitsmarkt inklusive steigender Löhne hebe die Einkommen. Der Staat habe wieder mehr Spielraum und werde diesen wohl einsetzen. Die Exportaussichten würden sich leicht aufhellen. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2020 mit 1,0% etwas weniger als 2019 (1,3%) wachsen. Immerhin werde sich die konjunkturelle Dynamik im Jahresverlauf verbessern.

Bank of England warte ab

Die Inflation dürfte sich etwas unterhalb der Marke von 2% bewegen. Der enge Arbeitsmarkt und die deutlichen Lohnzuwächse würden die Teuerung vergleichsweise hoch halten. Die Bank of England dürfte dennoch ihre abwartende Haltung 2020 beibehalten und den Leitzins bei 0,75% belassen. Schließlich würden das mäßige Wachstum sowie die noch nicht überwundenen politischen Unsicherheiten dafür sprechen.

Das Pfund Sterling könnte von den - im Vergleich zu Fed und EZB - stabilen Zinsen profitieren und gegenüber dem Euro und vor allem dem US-Dollar aufwerten, wenn die Politik mitspiele. (04.12.2019/ac/a/m)







 
 
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