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Großbritannien: Kräftige Erholung




08.06.21 10:37
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Nach dem quälenden Brexit, einer schweren Corona-Krise, Dramen in der Königsfamilie und dem Tod von Prinz Philip gibt es wieder positive Nachrichten: Premierminister Johnson hat geheiratet, so die Analysten der Helaba.

Wichtiger sei allerdings die erfolgreiche Impfkampagne. Rund 60% der Briten hätten eine Erstimpfung gegen Corona erhalten. Die Infektionszahlen seien deutlich gesunken, die Sieben-Tages-Inzidenz sogar unter 20. Zuletzt seien wegen der Ausbreitung der "indischen" Variante und leicht steigender Neuinfektionszahlen wieder gewisse Sorgen aufgekommen. Insgesamt habe die Regierung aber die Restriktionen spürbar lockern können. Selbst wenn weitere Schritte noch verzögert werden müssten: Mit den Öffnungen von Handel, Gastronomie, Kultur und ähnlichem erhalte die Konjunktur Schwung.

Im ersten Quartal habe noch ein verschärfter Lockdown das Wachstum belastet. Das Bruttoinlandsprodukt sei um 1,5% zur Vorperiode geschrumpft, wenngleich zwischenzeitlich sogar ein stärkerer Rückgang befürchtet worden sei. Neben der Pandemie habe Großbritannien das Inkrafttreten des Handels- und Kooperationsabkommens mit der EU zum Jahreswechsel verdauen müssen, was kurzfristig vor allem den Außenhandel und die Produktion in Mitleidenschaft gezogen habe. Das große Chaos an den Grenzen sei aber ausgeblieben. Nach einem Einbruch des Handels im Januar normalisiere sich allmählich die Situation wieder. Da die britischen Importe im ersten Quartal stärker als die Exporte gefallen seien, habe der Außenhandel sogar einen deutlich positiven Wachstumsbeitrag geliefert.

Vom Brexit würden dennoch weitere negative Impulse ausgehen. Diese Effekte seien vermutlich nur langfristig in Form eines geringeren Trendwachstums zu erkennen. In der nahen Zukunft hingegen würden die positiven Effekte aufgrund der Corona-Lockerungen dominieren. Die Stimmungsindikatoren der Industrie oder von Dienstleistern sowie von Konsumenten würden kräftiges Wachstum signalisieren. So seien die Einzelhandelsumsätze im April nach oben geschossen. Andere, arg gebeutelte Sektoren würden folgen. Gerade der private Konsum besitze großes Aufholpotenzial. Aber auch die Unternehmen würden wieder vermehrt investieren. Insbesondere im zweiten und dritten Quartal werde das britische BIP wohl erheblich wachsen. Im Gesamtjahr 2021 dürfte der Anstieg 5,7% betragen. Die hohen Raten könne man jedoch relativieren: Inklusive des fast zehnprozentigen Einbruchs 2020 falle der Zweijahresvergleich weniger schmeichelhaft für die britische Wirtschaft aus.

Die Inflation habe im April mit 1,5% auf international vergleichsweise niedrigem Niveau gelegen - womöglich auch verzerrt durch den Lockdown. Allerdings werde die Teuerung in den nächsten Monaten spürbar anziehen und in der Spitze auf nahe 3% klettern. Höhere Energiepreise und später auch steuerliche Effekte würden die Inflation steigern. Zudem würden Unternehmen versuchen, angesichts der kräftigen Nachfrage höhere Kosten auf die Kunden zu überwälzen. Die Bank of England gerate deswegen nicht in Unruhe. Ihr Anleihekaufprogramm werde die Notenbank aber vermutlich nicht über das Jahresende hinaus verlängern. Eine Zinswende dürfte frühestens Ende 2022 thematisiert werden. Das Britische Pfund habe seit Jahresanfang schon deutlich aufgewertet und könnte noch ein wenig vom konjunkturellen Rückenwind profitieren. (Ausgabe vom 07.06.2021) (08.06.2021/ac/a/m)






 
 
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