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Großbritannien: Deal statt Chaos-Brexit




07.09.18 12:10
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Angst vor dem "No-Deal"-Brexit mit entsprechend negativen Folgen nimmt zu, so die Analysten der Helaba.

Die Verhandlungen für den britischen EU-Austritt würden sich allmählich der entscheidenden Phase nähern. Nahezu täglich kämen neue Gerüchte und Wasserstandsmeldungen. Das Britische Pfund habe darauf nervös reagiert und in den letzten Wochen nachgegeben. Statt Mitte Oktober hoffe man mittlerweile eher auf ein Austrittsabkommen im November, sodass mit anschließender Ratifizierung der Brexit fristgerecht Ende März 2019 in Kraft trete. Dabei seien Briten und Europäer grundsätzlich in vielen Punkten gar nicht so weit auseinander.

Bei dem im März veröffentlichten Entwurf über das "Scheidungsabkommen" habe der Konsens bei gut 80% der Textpassagen gelegen. In dem im Juli veröffentlichten "Weißbuch" über das künftige Verhältnis komme die britische Regierung der EU deutlich entgegen - auf Kosten innenpolitischer Turbulenzen. Brüssel habe dennoch bislang ablehnend reagiert. Wie bei vielen Verhandlungen würden die Probleme im Detail stecken. So gebe es bisher keine Lösung für die nordirisch-irische Grenze. Unklar sei auch, wie umfangreiche Zollkontrollen zwischen Großbritannien und EU vermieden werden könnten.

Bei den Verhandlungen gelte: Nichts sei vereinbart, solange nicht alles vereinbart sei - nicht einmal die bis Ende 2020 vereinbarte Übergangsphase. Ein Deal könne auch noch an der Ratifizierung scheitern, wenn die notwendigen Mehrheiten u.a. im britischen Parlament, im EU-Rat oder im Europäischen Parlament fehlen würden. Dann würde Großbritannien Ende März 2019 ohne Abkommen aus der EU ausscheiden und im Außenhandel würden Zölle auf WTO-Niveau eingeführt. Vor allem die technische Zollabwicklung wäre ein Problem, da wohl beide Seiten damit kurzfristig organisatorisch überfordert wären. Zudem gäbe es erhebliche rechtliche Unsicherheiten bei Standards bzw. Zulassungen u.a. für den Flugverkehr, Medikamente und chemische Produkte. Die britische Regierung versuche, sich auf ein solches Szenario vorzubereiten und die Effekte zu mildern. Dennoch dürfte in diesem Fall die Störung der Lieferketten das Wachstum massiv belasten.

Die Sorge vor dem No-Deal-Szenario dürfte letztlich aber die Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten entscheidend fördern. Womöglich werde dieses auch deshalb zunehmend öffentlich thematisiert. Der britische Vorschlag aus dem Weißbuch umfasse eine Freihandelszone für Waren, sodass Güter unverändert zollfrei und nach einheitlichen Standards gehandelt werden könnten. Dienstleistungen - insbesondere im Finanzsektor - seien dagegen nicht mit einbezogen. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit werde begrenzt. Während die Briten den Handel in ihren Überschusssektor (Dienstleistungen) einschränken würden, bliebe der Handel im Überschusssektor der EU (Waren) erhalten.

Zudem habe die EU im aktuell international schwierigen Umfeld kein Interesse, noch durch einen Chaos-Brexit belastet zu werden. Am Ende werden die Verhandlungen zu einer Kompromisslösung im Rahmen des britischen Vorschlags führen, so die Analysten der Helaba. (07.09.2018/ac/a/m)






 
 
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