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Großbritannien: Brexit rollt an




06.12.18 10:40
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Bald ist es so weit: Der Brexit tritt formell in Kraft, so die Analysten der Helaba.

Gegen Ende der zweijährigen Verhandlungsphase könnte es aber noch äußerst spannend werden. Trotz des Risikos eines "No-Deal"-Szenarios sei ein geregelter EU-Austritt der wahrscheinlichere Ausgang. Damit würden sich die Folgen für die Konjunktur in Grenzen halten. Die britische Wirtschaft dürfte mit 1,2% dennoch nur moderat wachsen.

In Großbritannien dominiere der Brexit. Je näher der offizielle Austrittstermin am 29. März 2019 um 23 Uhr britischer Zeit rücke, desto mehr wachse die Nervosität. Bleibe die Einigung der britischen Regierung mit der EU über ein Austrittsabkommen bestehen? Des Öfteren hätten in Brüssel Verhandlungen schon als gescheitert gegolten, bevor dann doch der Durchbruch gekommen sei. Finde eine Einigung überhaupt eine Mehrheit im britischen Parlament? Klappe die Ratifizierung auf Seiten der EU, d. h. im Europäischen Rat, im Europäischen Parlament bzw. gegebenenfalls in den nationalen Parlamenten? Die Unsicherheit sei groß und die Uhr ticke gnadenlos.

Entscheidend sei eine Einigung über ein Austrittsabkommen. Bei Erfolg trete eine Übergangsphase bis voraussichtlich Ende 2020 in Kraft, in der sich das aktuelle Verhältnis Großbritanniens zur EU quasi nicht ändere. Die zukünftigen Beziehungen, also nach Ende der Übergangsphase, könnten theoretisch noch während letzterer ausgehandelt werden. Allerdings würden die Briten dafür klare Absichtserklärungen bereits im Rahmen des Austrittsabkommens anstreben. Sollten die Verhandlungen oder die Ratifizierung scheitern, würden die Briten ohne Abkommen aus der EU ausscheiden. Neben den dann obligatorischen Zöllen wären massive Probleme bei der Zollabwicklung und erhebliche rechtliche Unsicherheiten absehbar. Dies würde zumindest kurzfristig Verwerfungen im Außenhandel mit sich bringen. Falls Großbritannien und die EU dennoch kooperieren würden, wäre ein heftiger konjunktureller Rückschlag zeitlich begrenzt. Falls nicht, dürften die wirtschaftlichen Konsequenzen für Großbritannien sehr schmerzhaft werden.

Das Austrittsabkommen sei vorerst ausgehandelt. Ein Knackpunkt sei die irisch-nordirische Grenze. Diese Frage sei nicht losgelöst von der zukünftigen Abwicklung im Außenhandel. Mays Vorschlag für einen offenen Warenhandel, aber Restriktionen bei Dienstleistungen, im Kapitalverkehr und bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit bedürfe noch Anpassungen. Er dürfte jedoch die Basis für eine Verhandlungslösung darstellen. Schließlich würden reguläre Zollkontrollen auch nicht den wirtschaftlichen Interessen der EU entsprechen. Alternativ sei jedoch ein Freihandelsabkommen mit Zollgrenze möglich.

Das britische Parlament stelle bei der Ratifizierung vermutlich die größte Hürde dar. May strebe eine eigene Mehrheit mit ihrer Konservativen Partei und der nordirischen DUP an. Auch wenn manche Brexit-Hardliner die Zustimmung verweigern würden, könnten einzelne Stimmen aus der Opposition der Premierministerin zur notwendigen Mehrheit verhelfen. Selbst unabhängig vom Brexit-Ausgang stehe für May ein schwieriges Jahr an. Neuwahlen seien für die Konservativen angesichts unsicherer Umfragen jedoch keine attraktive Option.

Bei der von den Analysten erwarteten Einigung werde die britische Konjunktur kaum auf den formellen EU-Austritt reagieren. Schließlich würden dank der Übergangsphase die Regelungen vorerst bestehen bleiben. Grundsätzlich belaste der Brexit aber das Wachstum. Nach dem Referendum im Juni 2016 sei die britische Wirtschaft zwar nicht in eine Rezession versunken. Dennoch stehe sie im Vergleich mit anderen europäischen Ländern schlecht da. Die Bremseffekte hätten sich zunächst beim privaten Konsum und zunehmend bei den Investitionen ausgewirkt. Der private Konsum dürfte sich 2019 auf dem derzeit moderaten Wachstumsniveau stabilisieren. Der Arbeitsmarkt sei bemerkenswert robust, die reale Einkommensentwicklung werde sich etwas verbessern. Die Unternehmensinvestitionen würden aber vermutlich etwas langsamer zunehmen. Leichte Impulse kämen vom Staat - in Form höherer Ausgaben und steuerlicher Entlastungen. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2019 mit 1,2% marginal weniger als 2018 wachsen.

Die Inflation habe ihren Zenit bereits überschritten, da der Effekt der Pfund-Abwertung nachgelassen habe. 2019 werde sich die Teuerungsrate geringfügig auf durchschnittlich 2,2% verringern. Für die Bank of England bestehe daher kein akuter Handlungsdruck. Angesichts der niedrigen Arbeitslosenquote bzw. bereits etwas höherer Lohnzuwächse werde die Notenbank ihren Normalisierungskurs zaghaft mit einer Leitzinsanhebung auf 1,0% fortsetzen. Voraussetzung hierfür und für das gesamte Konjunkturszenario bleibe jedoch eine erfolgreiche Brexit-Einigung. (Ausgabe vom 03.12.2018) (06.12.2018/ac/a/m)







 
 
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