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Großbritannien: Brexit is back




11.09.20 11:40
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Pacta sunt servanda - Verträge müssen eingehalten werden! Die Lateinkenntnisse des britischen Premierministers Johnson sollten ausreichen, um das zu verstehen - er hat das Fach sogar einst unterrichtet, so Christian Apelt, CFA bei der Helaba.

Die Regierung habe ein Gesetz zum eigenen Binnenmarkt entworfen, welches das EU-Austrittsabkommen in zwei Punkten außer Kraft setze - aus ihrer Sicht nur technische Details. Tatsächlich gehe es u.a. darum, dass nordirische Unternehmen für die Warenausfuhr nach Großbritannien demnach keine Zollformalitäten ausfüllen müssten. Jedoch genau das verlange das Nordirland-Protokoll des Austrittsabkommens. Um den verhassten "Backstop" für das ganze Land zu verhindern, habe sich die britische Regierung bereit erklärt, dass quasi auf der Irischen See eine Zollgrenze entstehe. Diesen Rechtsbruch, den die Regierung sogar eingestanden habe, könne die EU nicht akzeptieren. Er sei aber auch in Großbritannien umstritten. Solle das Gesetz dazu dienen, die Gespräche abzubrechen? Oder sei das bloß die typische Verhandlungstaktik von Boris Johnson?

Angesichts dieser Umstände überrasche es nicht, dass die aktuelle Verhandlungsrunde keinen Durchbruch bringe. Hauptstreitpunkte scheinen die Fischerei und staatliche Subventionen zu sein, so die Analysten der Helaba. Nehme ein konservativer Premier Zölle in Kauf, damit die Regierung Unternehmen subventionieren dürfe? Nicht zuletzt der konservativen Regierungschefin Margaret Thatcher sei es zu verdanken, dass im EU-Binnenmarkt staatliche Zahlungen stark eingeschränkt seien. Inhaltlich sei ein Kompromiss machbar, das gelte auch für die symbolträchtige, aber wirtschaftlich unwichtige Fischerei. Dass noch keine Einigung gefunden worden sei, sei zu erwarten gewesen. Denn wenn frühzeitig ein Abkommen abgeschlossen werde, dann habe zumindest eine Seite - so der mutmaßliche Vorwurf - nicht hart genug verhandelt. Ein Deal solle bis Ende Oktober, laut Johnson schon bis zum 15., gefunden werden, um den Vertrag vor Jahresende ratifizieren zu können.

Das Britische Pfund habe nervös reagiert und verloren. Die implizite Volatilität sei gestiegen, befinde sich aber noch deutlich unter den Niveaus von 2018/19. Die Bank of England werde auf ihrer anstehenden Sitzung übrigens abwarten. Sollten die EU-Verhandlungen wider Erwarten scheitern, drohe der britischen Wirtschaft Anfang 2021 ein deutlicher Rückschlag. Gemessen am Corona-Einbruch von gut 20% im zweiten Quartal würde dieser Rückgang aber wie "Peanuts" aussehen, zumal die Briten diesmal wohl besser vorbereitet seien als 2019. Dennoch habe die Wirtschaft kein Interesse, die derzeit laufende kräftige Erholung zu unterbrechen. Sicher sei nur eines: Es werde spannend in den nächsten Wochen. (11.09.2020/ac/a/m)





 
 
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