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Griechenland: Erholung steht und fällt mit dem Tourismus




08.06.21 11:43
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die griechische Wirtschaft hatte sich von der europäischen Staatsschuldenkrise nur äußerst schleppend erholt und konnte mit durchschnittlich 0,6% pro Jahr zwischen 2014 und 2019 kaum nennenswertes Wachstum aufweisen, so die Analysten der Helaba.

Daher sei das reale BIP 2019 immer noch rund ein Viertel niedriger als 2008 gewesen, vor der globalen Finanzkrise. Die Pandemie im vergangenen Jahr habe zu einer schweren Rezession von -8% geführt und das BIP auf den Stand Ende der 90er Jahre zurückkatapultiert.

Im ersten Quartal 2021 habe die Pandemie erneut belastet. Die Zentralbank habe gemeldet, dass die Wirtschaft im ersten Quartal um 7,4% gegenüber dem Vorjahr geschrumpft sei. Das sei immerhin etwas geringer als die im März befürchteten -9,5%. Im Vergleich zum vierten Quartal 2020 habe ein kleines Plus von 1% verzeichnet werden können. Anlass zur Hoffnung würden eine Reihe von Indikatoren geben, die sich im April und Mai deutlich verbessert hätten.

So seien im ersten Quartal netto wieder 82.000 Arbeitnehmer eingestellt worden, verglichen mit einem Saldo im Vorquartal von -27.000. Der Indikator für das Wirtschaftsklima sei auf den höchsten Wert seit zwölf Monaten gestiegen. Die Fahrzeug-Neuzulassungen hätten im April 2021 bei 15.000 gelegen, verglichen mit nur 3.000 im Vorjahresmonat. Die Lockerungen der Corona-Restriktionen hätten die Mobilität stark erhöht. Daten von Google würden zeigen, dass der durchschnittliche Mobilitätsanstieg im April und Mai 2021 30 Prozentpunkte höher gewesen sei als im Vorjahreszeitraum.

Der Schwung der wirtschaftlichen Erholung werde von der Entwicklung im Tourismussektor abhängen, der, einschließlich indirekter Effekte, etwa 25% des BIP ausmache. Daten des "World Travel and Tourism Council" würden zeigen, dass vor der Pandemie 334 Tausend Beschäftigte (jeder zehnte) im Tourismus gearbeitet hätten. 2020 seien es nur noch 272 Tausend (jeder elfte) gewesen, was einem Rückgang von 18,5% entspreche. Am 19. April habe die Regierung die 7-tägige Quarantänepflicht für Reisende aus einigen Ländern, darunter EU, USA und Vereinigtes Königreich aufgehoben. Weitere Öffnungen seien am 14. Mai in Kraft getreten. Aufgrund des langsamer als erhofften Impffortschritts in einigen EU-Ländern würden die Zahlen dennoch deutlich hinter denen aus 2019 zurückbleiben.

Die griechische Regierung habe fiskalische Impulse zur Stützung der Wirtschaft setzen können. Das Maßnahmenpaket habe sich 2020 auf insgesamt 23,5 Mrd. Euro (13,7% des BIP) belaufen, einschließlich Kreditgarantien z.T. finanziert aus EU-Mitteln. Einige Maßnahmen seien im November und März 2021 verlängert worden, wodurch sich die Kosten 2021 auf 8,5% des BIP belaufen würden. Griechenland sei zur Teilnahme an einigen EZB-Programmen berechtigt, darunter das 1.350 Mrd. Euro-Anleihekaufprogramm für private und staatliche Schuldverschreibungen ("Pandemic Emergency Purchase Program", PEPP).

Wegen des hohen Verschuldungsniveaus von mittlerweile deutlich über 200% des BIP werde die Regierung weiterhin unter Druck der EU-Partner stehen, die Finanzen zu konsolidieren. Kurzfristig stehe jedoch die Bekämpfung der Folgen der Pandemie im Fokus, weshalb die EU einen Anstieg der Staatsausgaben von ca. 4% im laufenden und kommenden Jahr tolerieren werde. Für das Gesamtjahr 2021 würden die Analysten folglich ein Wachstum von 4% erwarten. (Ausgabe vom 07.06.2021) (08.06.2021/ac/a/m)






 
 
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