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Kolumnist: Bernd Niquet

Griechenland-Anleihen: Die miesen Tricks des Fiskus




13.04.19 12:02
Bernd Niquet

Ich erinnere mich noch gut an die Schlagzeilen bei den Griechenland-Finanzierungen, dass wir dort gutes Geld Schlechtem hinter werfen. Mag sein, doch bisher haben wir wunderbar daran verdient. Die Bundesrepublik Deutschland besonders. Ich aber auch ein bisserl.

Gerade habe ich die letzten Tranchen meiner Griechenland-Anleihen verkauft. Es ist nahezu unglaublich, denn die stehen jetzt beinahe bei 100%.


Wer hätte das je gedacht, dass es dazu kommen würde? Und vor allem so schnell? Gleich nach der Umschuldung 2012 notierten diese Papiere nämlich nur bei durchschnittlich 25 %. Was für ein Profit!


Heute sind die Kurse der der Griechenland-Anleihen so hoch, dass die Renditen unter den der US-Treasuries liegen. Und das ganz ohne ein Eingreifen der EZB. Was für eine neue Welt.


Doch wie war das damals eigentlich? Da haben die EU-Staaten, an vorderster Linie die Bundesrepublik Deutschland, Griechenland neues Geld gegeben. Den Banken und anderen privaten Gläubigern hat man damals einen Kapitalschnitt von 53,5 % zugemutet. Mehr als die Hälfte weg.


Doch dieser Schnitt war in Wirklichkeit weit größer, weil nämlich von den verbleibenden 46,5 % nur ein knappes Drittel vollwertig gezahlt wurde, und der Rest (31,5 % vom ursprünglichen Nominalwert) in neuen Anleihen begeben wurde. Die dann jedoch am Markt bei nur durchschnittlich 25 % des Kurswertes standen. Und 25 % von 31,5 % waren eben nur mal schlappe 8 %.


Heute nun sieht es weit besser aus, so gut wie nie gedacht. Und da verdrießt es natürlich mächtig, wie massiv hier jetzt noch einmal die Anleger zur Kasse gebeten werden. Denn beim heutigen Verkauf der damals erhaltenen Anleihen ist der Großteil des Verkaufserlöses zu versteuern. (Nach meinen Berechnungen 69 % davon).


Und das überlege man nun doch einmal wirklich: Da haben Anleger gutgläubig Griechenland-Anleihen gekauft, machen bei der Umschuldung heftige Vermögensverluste mit, doch als es dann wieder bergauf geht, besteuert man ihnen das Zurückgewonnene.


Ganz einfach ausgedrückt: Von dem, was einst zu 100 gekauft wurde, sind nach der Umschuldung nur noch 23 geblieben. Anschließend geht es dann wieder auf 46,5 hinauf. Doch davon kassiert der Fiskus vom Großteil Kapitalertragssteuer. Und die Verluste können nicht gegengerechnet werden. Das widerspricht dem Prinzip der Abgeltungssteuer.


Was ist unfein? Das ist unfein, hundsföttisch geradezu. Die können wirklich den Hals nicht vollbekommen. Und hier trifft es ja keine miesen Hedgefonds, sondern diejenigen, die sich staatstragend verhalten haben. Die durchgehalten haben.


Wenn ein Staat jedoch bevorzugt diejenigen schröpft, die ihn eigentlich stützen, ist das kein gutes Zeichen. Ich hoffe jetzt, dass mein Geld zumindest in ein paar ordentliche All-Gender-Toiletten fließt.






(Ach so. Und noch P.S.: Meine damalige Griechenland-Spekulation ist jetzt natürlich doch noch aufgegangen. Doch wer erinnert sich schon noch an dieses alte Zeug ...)






Bernd Niquet





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