Kolumnist: Feingold-Research

Goldman Sachs, Apple, MasterCard – spannende Zusammenarbeit




18.09.19 08:13
Feingold-Research

Apples lang ersehnte Kreditkarte ist endlich da. Seit August sind alle knapp 100 Mio. US-amerikanischen iPhone Nutzer zum Beantragen der Karte freigeschaltet. Innerhalb weniger Minuten kann die Apple-Karte völlig kostenfrei über die Wallet App beantragt werden.
Über die Wallet und die APP „Apple Pay“ strebt Apple die selbe Übersichtlichkeit bei Zahlungs- und den persönlichen Finanzdienstleistungen an, wie es Nutzer heute schon von Revolut oder Monzo kennen. Weiterhin wurde seitens Apple klargestellt, dass im Rahmen der Nutzung der Apple Card keine Daten mit dem Vertriebspartner Goldman Sachs noch mit dem vom Verbraucher genutzten Einzelhandel geteilt, ausgewertet oder für Marketingzwecke genutzt werden. Es wird keine Jahresgebühr geben, aber auch keinen Sign-on Bonus für den Kartennutzer.Vontobel bietet eine Multi-Protect-Aktienanleihe mit der WKN VF88ZK…


Die Hoffnungen der Beteiligten

Apples Antrieb und Hintergründe liegen auf der Hand: Neben einem noch höheren Grad an Kundenbindung finden Apple Fans mit der Apple Karte ein edles Add-On für die Wallet App. Doch welchen Mehrwert erhofft sich Goldman Sachs? Die US Amerikanische Investmentbank feiert mit der Apple Karte auch eine Premiere in ihrer langjährigen Betriebsgeschichte: Noch nie hat Goldman Sachs eine Kreditkarte herausgebracht.


Vor kurzem veröffentliche Goldman eine neue Strategie, um die schwankenden Umsätze des Investmentbankings unterstützen zu können: Der Ausbau des Privatkundengeschäfts. Inwiefern Goldman Sachs die Apple Card hier helfend ins Spiel bringen kann, bleibt abzuwarten. Analysten zufolge kostet es Goldman USD 350 pro beantragter Kreditkarte. Die Skepsis der Analysten folgt aus aktuellen Zahlen und wirtschaftlichen Entwicklungen eines sowieso schwierigen, übersättigten Marktes. Die von Goldman berechneten Überziehungszinsen sind vergleichsweise niedrig und die Apple Card kommt völlig gebührenfrei – Analysten errechnen sich für GS bereits jetzt höhere Verluste in einem von großen Player wie JP Morgan Chase, American Express und Citigroup gesättigten Markt.


Laut Goldman Chef David Solomon ist ein mögliches erstes Verlustgeschäft mit der Karte ein nötiges Mittel zum baldigen Erreichen der Marktvorherrschaft im Privatkundengeschäft. Bereits vor drei Jahren wurde die Online-Kreditplattform „Marcus“ von Goldman Sachs eingeführt, um verzinste Sparbücher an klein- und mittelgroße Anleger zu vertreiben. Neben Apple Card und Marcus möchte Goldman in Zukunft ein vergrößertes Universum an Privatanlegerprodukte- und Dienstleistungen anbieten, wodurch Skalen- und Plattformeffekte zu höheren Margen führen könnten.


Mastercard mit gemischten Nachrichten


Mastercard dient Apple im Rahmen der Apple Card als Kreditkartenprovider. Mit mehr als 13.400 weltweit angestellten Mitarbeiter und einem Jahresumsatz von zuletzt knapp USD 12,5 Mrd. ist Mastercard neben VISA einer der großen internationalen Gesellschaften für Zahlungskarten.


Bei der Veröffentlichung der letzten Quartalszahlen am 30. Juli konnte Mastercard die Erwartungen der Analysten übertreffen. Insgesamt konnte der zweitgrößte Zahlungsdienstleister 26,8 Mrd. Transaktionen durchführen – 21% mehr verglichen mit dem Vorjahresquartal. In der globalen Übersicht wuchs die Anzahl der durchgeführten Transaktionen in den USA um 10% und im europäischen Raum um 31% im Vorjahresvergleich. Der Reingewinn konnte um 12,2% auf USD 4,11 Mrd. erhöht werden, was insgesamt über den durchschnittlichen Schätzungen der Analysten von USD 4,08 Mrd. liegt.


Vor einigen Tagen musste Mastercard unschöne Nachrichten veröffentlichen: Knapp 90.000 Kundendatensätze konnten gestohlen und von Dritten im Internet veröffentlicht werden. Und das gerade im Zusammenhang des neu aufgesetzten Bonusprogramms „Priceless Specials“, bei dem Kunden im Rahmen von Transaktionen Bonuspunkte sammeln und anschließend gegen Prämien eintauschen können. Es wurde eine Liste mit Namen, Anschriften, Telefonnummer, Geburtsdaten und teilweise kompletter Kreditkartennummer der Kunden im Internet veröffentlicht. Obwohl Mastercards Zahlungsnetzwerk nicht direkt betroffen ist, könnten allerlei Cyberkriminelle durch Phishing E-Mails versuchen an die Kreditkartenpasswörter der Betroffenen zu gelangen. Laut Mastercard kam es bei einem Dienstleister, der in der Wertschöpfungskette des Bonusprogramm involviert ist, zu einem Sicherheitsvorfall.


Neben alldem Chaos um das neue Bonusprogramm verblüffte Mastercard Analysten und Kunden mit einer anscheinend positiv aufgenommenen Neuigkeit: Laut Jobportal des Zahlungsdienstleisters will Mastercard ein Kyptowährungsteam aufbauen, welches sich um die Entwicklung und den Aufbau eigener Wallet- und Kryptowährungs-Produkte kümmern soll. Nachdem Mastercard bereits als einer der Initiatoren von Facebooks Libra Kryptowährung genannt wurde, ist es naheliegend, dass neben Libra noch weitere Projekte im Bereich der Kryptos anstehen könnten.


Quelle: Vontobel



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