Kolumnist: Feingold-Research

Gold - was ist noch drin?




02.08.20 11:08
Feingold-Research

Nicht nur der DAX steht wieder in Schlagweite zum Rekordhoch, auch Gold testet die Gipfelregion. Das Umfeld aus niedrigen Zinsen, steigender Verschuldung, Rezessions-Ängsten und Dollar-Abwertung könnte kaum besser sein. Allerdings sendet die kräftige Silber-Rally ebenfalls ein wichtiges Signal, das Anleger beachten sollten. Als Basis-Investment eignet sich bei Gold der Turbo-Bull CL9HNS mit Hebel 3 oder etwas offensiver mit WKN VP1KHE.


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Zählen Aktien auch zur Kategorie der wertstabilen Anlagen oder basiert die Rally seit Mitte März vor allem auf den beispiellosen Liquiditätsspritzen der Notenbanken und Regierungen? Auch wenn Indizes wie der DAX in Sichtweite ihrer Rekordmarken notieren und technisch sauber aufwärts laufen, wachsen Zweifel an der Nachhaltigkeit der Aufwärtsbewegung. Die fundamentale Bewertungsampel leuchtet inzwischen nicht nur bei den gehypten Technologieaktien tiefrot.


Silber und vor allem Gold gelten hingegen als krisensichere und wertstabile Geldanlage. „Angesichts der beispiellosen Rettungsmaßnahmen der Notenbanken sinkt das Vertrauen in die Währungen“, meint Gil Shapira, Chefstratege beim Broker eToro. „Neben der Geldentwertung profitieren die Edelmetalle auch von der sprunghaft gestiegenen Staatsverschuldung und ein Ende der Spirale ist nicht in Sicht, ergänzt Shapira. Erst vor wenigen Tagen einigte sich die EU auf ein 750 Mrd. Euro-Paket an Corona-Hilfen, bis 2027 sollen 1,8 Bio. Euro verteilt werden.


Das Wettrennen hat begonnen


Nachdem die EU die bisher größten Finanzhilfen ihrer Geschichte beschlossen hat, liegt der Ball wieder bei den Amerikanern. Schon jetzt verdichten sich die Anzeichen für ein neues Billionen schweres Konjunkturpaket. Mit immer größeren Hilfsmaßnahmen versuchen die Regierungen die heimische Wirtschaft zu unterstützen, damit diese als Gewinner aus der Corona-Krise hervorgeht. Schließlich werden jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt.


Europa scheint bei diesem Wettrennen derzeit die besseren Perspektiven zu bieten. Dazu reicht ein Blick auf den Euro/Dollar-Wechselkurs. Seit Mitte Mai wertete die Gemeinschaftswährung um knapp acht Prozent auf und steht auf dem höchsten Niveau seit Ende 2018. Investoren kaufen sich wieder stärker auf dem alten Kontinent ein.


Kommt die Inflation?


„Der schwache Dollar spielt Gold ebenso in die Karten wie die sinkenden Zinsen am Anleihemarkt“, erläutert Funda Sertkaya, Geschäftsführerin beim Edelmetallhändler Ophirum. Sie verweist dabei auf die wieder zahlreich gestiegenen Staatsanleihen mit negativer Rendite, die zuletzt erstmals seit März wieder auf mehr als 13 Billionen Dollar angewachsen seien. Negativzinsen könnten auch in den USA zunehmend Realität werden. Da Gold keine Zinserträge abwirft verliert es zunehmend seinen Renditenachteil gegenüber Anleihen. Mittelfristig dürfte zudem die Inflation stärker in den Fokus rücken. Bisher springt die Teuerung aufgrund der Nachfrageschwäche noch nicht an, obwohl die Zentralbanken bereits gegensteuern. Doch der Blick in den Rückspiegel zeigt, dass auf Zeiten mit schwacher Preisentwicklung und Deflation Phasen mit höchster Inflation folgten.


Offen ist nur die Frage, ob sich die Weltkonjunktur wie erhofft vom Corona-Schock bald auch erholen wird. Die jüngste Rally bei Silber zeigt, dass zunehmend mehr Anleger auf ein solches Szenario wetten. Steigende Inflation und konjunkturelle Stärke sind ein perfektes Umfeld für Silber, da das Edelmetall anders als Gold wesentlich stärker in den Wirtschaftskreislauf eingebunden ist. Silber wird in der Elektronik für Mobilfunkgeräte, Mikrochips und Fahrzeuge benötigt und ist ein Bestandteil elektrischer Kontakte wie Halbleiter und Mehrschicht-Keramikkondensatoren.


Zudem entwickelte sich Silber in den vergangenen Jahren deutlich schlechter als Gold. Auskunft darüber gibt die Gold-Silber-Ratio: Im langjährigen Durchschnitt bezahlten Anleger für eine Unze Gold rund 65 Unzen Silber. Zeitweise schnellte der Faktor im März auf 125 und fiel zuletzt auf gut 80. Silber ist somit weiterhin günstig im Vergleich zu Gold. Eine Ratio von 50 wäre nach der Übertreibung im Frühjahr auf Sich der nächsten Monate keine Überraschung, sofern die Konjunktur mitspielt. Andernfalls dürfte Gold bald wieder Stärke zeigen und wahrscheinlich zügig über das Rekordhoch aus 2011 bei 1.921 Dollar steigen.



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