Kolumnist: Feingold-Research

Gold ist nicht alles




30.09.20 13:23
Feingold-Research

Gold, Silber und Palladium kletterten seit Jahresbeginn teilweise um bis zu 50 Prozent. Nur bei Platin leuchten noch rote Vorzeichen. Platin dürfte aber langfristig zu den Gewinnern zählen, die Automobilindustrie steht vor merklichen Veränderungen. Platin ist reif für den nächsten Schritt.


In den vergangenen Jahren wurde die Nachfrage nach Palladium vor allem von den verschärften Abgasvorschriften in China, Europa und Indien befeuert. „Dies führte zuletzt zu einem anhaltenden Marktdefizit, steigenden Preisen bei Palladium und einem Überschuss bei Platin“, erklärt Funda Sertkaya, Geschäftsführerin beim Edelmetallhändler Ophirum, das aktuelle Umfeld für die beiden Edelmetalle. „Allmählich scheint die hohe Preisdifferenz aber ein Umdenken auszulösen“, meint Sertkaya. So hat der weltweit zweitgrößte Katalysatorhersteller BASF mit den südafrikanischen Platinförderern Sibanye-Stillwater und Impala Platinum einen Katalysator für Benzinautos entwickelt, der 20 bis 50 Prozent des verbauten Palladiums durch Platin ersetzt.


Unter dem Strich sinken mit dem Tri-Metal-Katalysator die Kosten für Automobilhersteller. Andere könnten schon bald folgen, zumal der Anteil der Edelmetalle in den Katalysatoren aufgrund immer strengerer Emissionsvorschriften weiter zunimmt. Der Preisunterschied zwischen Platin und Palladium spielt somit eine zunehmend größere Rolle und könnte einen neuen Substitutionsprozess auslösen. Rund 80 Prozent der Nachfrage kam zuletzt aus der Automobilindustrie.


Attraktive Aussichten


Ohnehin sollten Anleger mit Weitsicht agieren. In den kommenden Jahren werden Katalysatoren in Fahrzeugen an Bedeutung verlieren und durch alternative Antriebe ersetzt. Bei rund drei Viertel der aktuell in der EU verkauften Elektroautos kommt bereits die Hybridtechnologie zum Einsatz. Hier wird Platin ebenso benötigt wie auch beim Wasserstoffantrieb via Brennstoffzelle.


Fundamental sind die Aussichten für Platin somit durchaus attraktiv. Wenig überraschend positionieren sich daher zunehmend mehr Investoren für langfristig steigende Preise. Seit Jahresbeginn summieren sich die ETF-Zuflüsse auf 340.000 Unzen und erreichten zuletzt ein Rekordniveau. Bisher hatte das World Platinum Investment Council (WPIC) keine Zuflüsse unterstellt. Broker wie eToro und Smartbroker bieten inzwischen auch Privatanlegern eine einfache und günstige Möglichkeit, auf Platin zu setzen. Platin-Optimisten kaufen zur Schonung des Kapitaleinsatzes mit Hebel 3 die WKN VP1SLC von Vontobel oder MC7TPC von Morgan Stanley, Turbo-Bull-Papiere auf das Edelmetall mit mittlerem Anlagehorizont.


Die deutlich stärker als erwartete Investmentnachfrage kompensiert somit den rückläufigen Bedarf aus der Schmuck- und Automobilindustrie. Verschärft wird die Lage durch den kräftigen Einbruch des Platinangebots. In den südafrikanischen Minen kommt es wegen der Corona-Pandemie zu spürbaren Einschränkungen, die sich sowohl auf die Produktion wie auch einen längeren Ausfall der Verarbeitungsanlagen auswirken. Alle Faktoren zusammen führen unter dem Strich dazu, dass das WPIC für 2020 ein Angebotsdefizit von 336.000 Unzen erwartet. Im Mai rechneten die Experten noch mit einem Angebotsüberschuss von 247.000 Unzen.


Antizyklisch agieren


Einziges Manko an der Investmentstory: Bisher reagierte der Preis kaum auf kürzlich veröffentlichte Prognose. Seit 2017 scheiterten mehrere Versuche, die 1.000er-Schwelle nachhaltig zu überwinden. Platin entwickelte sich daher deutlich schlechter als Gold, Silber und Palladium. Wenn Platin aber schon die Schlagzeilen dominiert, ist es zu spät. Mit antizyklischen Strategien ist man in den vergangenen Jahren gut gefahren. Platin würde sich in die Riege Inditex, Covestro, Caterpillar und Varta einreihen, die wir unseren Lesern allesamt in den letzten Monaten antizyklisch vorgestellt hatten.



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