Kolumnist: Feingold-Research

Gold auf 14-Monatshoch




17.06.19 10:01
Feingold-Research

Die geopolitischen Spannungen haben mit dem Angriff auf den Öl-Tanker im Golf von Oman eine neue Dimension erreicht. Außerdem haben die nächsten Zollerhöhungen der Chinesen die Perspektiven für die Weltwirtschaft eingetrübt. In diesem Umfeld flüchten Anleger in sichere Häfen, wie US-Staatsanleihen oder Gold. Wie nachhaltig ist aber diese Entwicklung? 


 


Neben den geopolitischen Spannungen um den Handelsstreit zwischen China und den USA oder die zunehmenden Spannungen am persischen Golf sind es aber auch die Wirtschaftsdaten, die auf eine schwächere weltwirtschaftliche Entwicklung deuten. In den USA enttäuschten die jüngsten Daten vom Arbeitsmarkt und in China gerät der Industriesektor ins Stocken. Investoren haben wieder Angst vor einer Rezession und schicken den Goldpreis auf das höchste Niveau seit April 2018.


Unberechenbar ist dabei auch die Rolle des US-Präsidenten Trump, der die Handelspolitik missbraucht, um seine Vorstellungen durchzusetzen. Allein die Unsicherheit lässt die Risiken für die Weltwirtschaft zunehmen, weil sich Unternehmen in einem Umfeld großer Ungewissheit stark mit Investitionen zurückhalten. Anleger befürchten daher, dass es zu einem größeren Einbruch am weltweiten Aktienmarkt kommen kann und Anleger in den defensiven Modus schalten. „Wegen dieser Sorgen haben Investoren zuletzt Geld aus Aktien in Gold umgeschichtet, woraufhin der Preis nach oben geschossen ist“, erklärt Funda Sertkaya vom Edelmetallhändler Ophirum.


Renditen auf dem Rückzug

Wie sehr sich die Aussichten für die US-Wirtschaft bereits verschlechtert haben, zeigt der Einbruch der Zinsen für zehnjährige US-Staatsanleihen: Sie liegen mit rund 2,1 Prozent in der Nähe des niedrigsten Niveaus seit September 2017. Gleichzeitig sind die Zinsen für zehnjährige Anleihen unter jene für dreimonatige gerutscht, inzwischen liegen sie um 0,25 Prozentpunkte darunter. „Das ist der niedrigste Wert seit Sommer 2007“, erklärt Gabriel Michaeli vom Onlinebroker trade.com. „Damit stuft der Bondmarkt die Aussichten für die amerikanische Wirtschaft als so schlecht ein wie seit fast zwölf Jahren nicht mehr.“


Sowohl bei Ophirum (physisch) als bei trade.com lassen sich Goldinvestments tätigen. Eine Alternative sind Turbos: Die Papiere mit der WKN GM98WV(Goldman Sachs) und VA7XRB (Vontobel) profitieren überproportional von steigenden Goldpreisen und sind mit 15 beziehungsweise 10 gehebelt.


Inverse Zinskurve signalisiert Rezessionsgefahren

Die nun inverse Zinsstrukturkurve bewertet die US-Notenbank Fed als wichtigsten Indikator für eine Rezession, die damit wahrscheinlicher geworden ist. Dadurch hat auch die Wahrscheinlichkeit zugenommen, dass es in den nächsten Monaten zu einer US-Zinssenkung kommen wird. Die Fed Fund Futures Rate preist bereits bis September eine Zinssenkung ein. Die fallenden Renditen verringern den Zinsnachteil eines Gold-Investments, da das Edelmetall keine Zinsen abwirft. Außerdem sorgen die fallenden Kapitalmarktrenditen in den USA für einen schwächeren Dollar: Sie entwickeln sich meist entgegengesetzt.


Eine eskalierende geopolitische Lage und die Sorgen der Investoren vor einer Rezession in den USA und der Weltwirtschaft sorgen für eine steigende Nachfrage nach sicheren Anlagehäfen. Der Goldpreisanstieg ist daher keine Eintagsfliege und könnte uns zumindest für den Rest des Jahres noch begleiten.



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